Wenn das Bike im Hänger fährt – die juristischen Fallstricke

Ausreichende und unzureichende Sicherungsmaßnahmen

| Autor / Redakteur: Wolf-Henning Hammer / Stephan Maderner

Dieses Bild zeigt was passieren kann, wenn der Gurt reißt oder nicht sachgerecht angebracht ist. Das Bike war auf einem 7,5 Tonner unsachgemäß verzurrt und wurde bei einem Unfall beschädigt.
Dieses Bild zeigt was passieren kann, wenn der Gurt reißt oder nicht sachgerecht angebracht ist. Das Bike war auf einem 7,5 Tonner unsachgemäß verzurrt und wurde bei einem Unfall beschädigt. (Bild: Markus Mertens)

Geht es auf die großen Alpentour, dann schnallen immer mehr Biker aus Bequemlichkeit ihre Motorradäder auf den Anhänger und reisen mit dem Auto an. Worauf es beim sicheren Verzurren der wertvollen Fracht ankommt.

Der Transport von Motorrädern erscheint auf den ersten Blick unkompliziert. Er ist es auch, wenn das Transportmittel dafür ausgelegt ist und über entsprechende Befestigungs- und Sicherungsmöglichkeiten verfügt. Bei einem einfachen Anhänger mit Siebdruckplatte ist dies schon anspruchsvoller. Aber auch hier gilt: Ende gut, alles gut!

Was sagt das Gesetz?

Für den Transport von Motorrädern gelten die gleichen rechtlichen Bestimmungen, wie für alle anderen Güter. Dies bedeutet, dass sie laut Gesetzestext „so zu stauen und zu sichern sind dass sie selbst bei Vollbremsungen oder plötzlichen Ausweichbewegungen nicht verrutschen, umfallen hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten“ (§ 22 StVO).

Was bedeutet das für die Praxis?

Dass das Bike einen festen Stand haben und auch gegen seitliches Verrutschen gesichert sein muss, versteht sich von selbst. Ideal sind in diesem Zusammenhang eine fest montierte Schiene und Streben, die Rahmen und Lenkung sichern. Ist dies nicht vorhanden, ist zunächst darauf zu achten, dass der Anhängerboden sauber und nicht durch Sand oder andere – die Haftung zwischen Reifen und Boden herabsetzende – Verschmutzungen verunreinigt ist.

Wie ist bei den Spanngurten zu beachten?

Die am meisten verbreiteten Sicherungsmittel sind Gurte. Die Angebote aus dem Baumarkt oder vom Discounter sind zwar nicht zwingend ungeeignet, entsprechen oftmals aber nicht der Norm. Wer auf Nummer sicher gehen und auch bei Kontrollen gut dastehen will, sollte darauf achten, dass die Gurte die Anforderungen nach DIN EN 1295-2 erfüllen und hinreichend dimensioniert sind. Wer nur auf den Preis und nicht auch auf die Zurrkraft achtet, riskiert dass der Gurt reißt und sowohl das Bike als auch der Anhänger aus dem Gleichgewicht geraten. Der Schaden ist dann höher als die Ersparnis. Zum Schutz des Bikes sollten die Haken zudem nicht aus blankem Metall bestehen, sondern mit Kunststoff beschichtet sein.

Wie ist das Bike auf den Transport vorzubereiten?

Aufgesteckte oder nicht fest montierte Anbauteile – wie z.B. nachträglich angebrachte Navigationssysteme – sollten vor der Fahrt entfernt werden. Dies ist gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, macht aber Sinn. Denn wo sich ein Navi bei der Fahrt mit dem Bike im Blickfeld des Fahrers befindet und auch bei hohen Geschwindigkeiten am Platz bleibt, kann es sich beim Transport auf dem Anhänger aufgrund der Erschütterungen unbemerkt lösen.

Deckel und Kappen sollten vor Fahrtantritt nochmals auf festen Sitz hin überprüft und ggf. extra gesichert werden. Dasselbe gilt für die Sitzbank und ggf. montierte Tankrucksäcke. Um das Bike gegen Rollbewegungen abzusichern, sollten der erste Gang eingelegt, die Vorderradbremse angezogen und der Hebel mit einem geeigneten Klettband gesichert werden. Zudem ist es empfehlenswert, den Luftdruck in den Reifen so anzupassen, dass die Reifen ein Widerlager zu den entstehenden Zurrkräften bilden können. Denn obgleich das Bike „leer“ verladen wird, führen die Zurrkräfte der Gurte zu einer erhöhten Druckbelastung auf die Reifen, die entsprechend ausgeglichen werden muss.

Worauf ist bei der Befestigung zu achten?

Dass die Gurte nicht an flexiblen oder abbruchgefährdeten Bauteilen – wie Blinkern oder Spiegeln – befestigt werden sollten, leuchtet ein. Dasselbe gilt für die Verspannung als solche, die z.B. im Bereich der Tankverkleidung, bei falscher Anbringung erheblichen Schaden anrichten kann. Bei der Wahl der Zurrpunkte ist zu beachten, ob sich diese im gefederten oder ungefederten Bereich befinden. Spätestens hier zeigt sich, wie wichtig deren ausreichende Dimensionierung ist, um das Motorrad entgegen der Federkraft hinreichend niederzuzurren und ein Aufschaukeln zu verhindern.

Welche Punkte sind für die Gurtanbringung geeignet?

Generell gilt: Je höher der Anschlagpunkt, desto besser die Niederzurrung. Im vorderen Bereich des Bikes bietet sich die untere Gabelbrücke an. Diese ist ohnehin auf die Aufnahme von Belastungen ausgelegt und in der Regel gut zugänglich. Sollte dies – z.B. aufgrund einer Verkleidung – nicht der Fall sein, sind sowohl die Lenkerinnen- als auch die Außenseite geeignete Stellen. Die Lenkerinnenseite dürfte bei der Mehrzahl der Bikes unproblematisch sein. Bei der Außenseite ist zu berücksichtigen, dass hier nicht nur Kabel und Züge, die die Gurte weder ein noch abklemmen dürfen, sondern auch Anbauteile wie Schalter und Spiegel oder der Bremsflüssigkeitsbehälter montiert sind. Wer hier nicht mit der erforderlichen Sorgfalt vorgeht, den kann die Fahrt mitunter direkt zur nächsten Werkstatt führen. Keinesfalls sollten die Zurrgurte im Bereich der Bremsscheiben oder -sättel angebracht oder über die Kanten der Bremsscheiben geführt werden. Insbesondere im zweiten Fall besteht die Gefahr, dass die Gurte während des Transports reißen. Gleiches gilt für den Bereich des Ritzels am Hinterrad, oder den Kardanantrieb.

Im Heckbereich bieten sich die Befestigungen der hinteren Fußrasten oder Rahmenstreben als geeignete Zurrpunkte an. Auch die Haltegriffe für den Sozius sind von der Festigkeit her geeignet. Allerdings besteht hier die Gefahr von Scheuerschäden durch den Gurt. Ggf. kommen auch die Radnaben in Betracht. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass weder die Speichen noch die Bremse beschädigt werden.

Welche Konsequenzen drohen?

Unzureichende Sicherungsmaßnahmen können nicht nur Beschädigungen am Bike, sondern auch bußgeldrechtliche Folgen nach sich ziehen. Wie gravierend diese sind hängt davon ab, ob und welche Gefahren von der mangelnden Sicherung ausgehen. Das Verwarngeld beginnt bei 35 Euro für die nicht ausreichende Sicherung der Ladung als solcher. Sollte der kontrollierende Beamte der Auffassung sein, dass die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt ist, können 60 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister fällig werden. Zudem kann die Weiterfahrt untersagt werden, bis die Ladung hinreichend gesichert ist. Kommt es zu einem Unfall, drohen 75 Euro und ebenfalls ein Punkt. Im Schadenfall können versicherungsrechtliche Konsequenzen aufgrund eines Mitverschuldens drohen.

Um dies zu vermeiden oder etwaige Konsequenzen abzumildern, bleiben eigentlich nur drei Punkte zu beachten:

1. Die Wahl geeigneter Sicherungsmittel,

2. die geeignete und sichere Verzurrung und

3. die Einschaltung eines Anwalts im Ernstfall.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es – abhängig von den Umständen des Einzelfalls – durchaus Sinn macht, weder Bußgeldbescheide unwidersprochen hinzunehmen, noch etwaige Kürzungen der Versicherung im Schadenfall zu akzeptieren.

Unser Autor ist Rechtsanwalt Dr. Wolf-Henning Hammer, Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH, Dortmund.

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