Augen auf beim Bike-Kauf

Vorsicht vor Internetbetrügern

| Autor / Redakteur: Wolf-Henning Hammer / Stephan Maderner

Analysen und Interpretationen aktueller Gerichtsurteile rund um das Thema motorisiertes Zweirad – aktuell für Sie aufbereitet und interpretiert.
Analysen und Interpretationen aktueller Gerichtsurteile rund um das Thema motorisiertes Zweirad – aktuell für Sie aufbereitet und interpretiert. (Bild: Vogel Communications Group)

Um die Risiken des Fernkaufs auszuschließen, bleibt der Kauf direkt beim seriösen Händler vor Ort alternativlos. Zum Urteil des Amtsgerichts München vom 15. September 2017, Az. 132 C 558/17.

Die Einbeziehung von Internetplattformen wie Autoscout24, Ebay oder Mobile.de, um nur einige zu nennen, gehört bei der Suche nach einem neuen oder gebrauchten Fahrzeug inzwischen zum Standard. Dass man bei Artikelbeschreibungen wie „Läuft, fährt und bremst“ vorsichtig sein sollte, versteht sich von selbst. Aber auch, wenn der Verkäufer nicht so ehrlich ist und verspricht, dass „ölige Hände inklusive“ sind, sondern es sich z.B. um einen auffallend günstigen Not- oder ähnlichen Verkauf handelt, ist Aufmerksamkeit geboten.

In jedem Fall sollten die Alarmglocken schrillen, wenn ein Verkäufer nach der Kontaktaufnahme nicht über die Plattform antwortet und die künftige Kommunikation ebenfalls abseits – zum Beispiel per E-Mail oder SMS – abwickeln will. Denn auch wenn nicht auszuschließen ist, dass es Verkäufer gibt, die auf diese Weise Gebühren sparen wollen, verbergen sich hinter einer derartigen Vorgehenswiese nicht selten betrügerische Absichten.

„Es gibt kein Risiko – verkaufe nur mit Zahlung auf Sicherheitskonto“

Wer sich auf derartige Spielchen einlässt, erlebt in der Folge einen nahezu immer gleichen, standardisierten Ablauf. Nach unverfänglichen Mails, die der Schaffung von Vertrauen dienen sollen, kommt der vorgebliche Verkäufer von sich aus auf das Thema Sicherheit zu sprechen. Da er „die Sorgen des Käufers versteht“ bietet er die Abwicklung über ein sogenanntes Sicherheitskonto an. Dieses Konto befindet sich dann angeblich bei der Spedition, die den Transport nach Geldeingang abwickeln soll.

Ein Internetauftritt ist schnell erstellt

Da es sich bei den angeblichen Verkäufern nicht um Anfänger handelt, verfügen die Scheinfirmen in der Regel über professionell gestaltete Internetauftritte und telefonische Kontaktmöglichkeiten. Über eines verfügen sie in der Regel jedoch nicht: ein Firmenkonto bei einer Bank. Spätestens hier sollte der Käufer misstrauisch werden und prüfen, ob die Firma tatsächlich existiert oder ob nicht ein Missbrauch des Namens eines bekannten, seriösen Unternehmens vorliegt.

Der Käufer muss in Vorkasse gehen

Wenn es um die Bezahlung geht, wird der Käufer klassischerweise gebeten, den Kaufpreis vorab per Bargeldtransfer über MoneyGram, Western Union oder einen anderen Dienst auf das „Treuhandkonto“ zu bezahlen. Dass dem Käufer dabei vorgegaukelt wird, dass dies sicher sei und er aus Freundlichkeit mitunter sogar die Transfergebühren abziehen darf, gehört zum Geschäft. Das böse Erwachen folgt kurze Zeit später. Denn obgleich das Geld überwiesen und sogar der Eingang auf dem „Treuhandkonto“ bestätigt worden sind, lassen sich auf einmal weder die Internetseite der Spedition aufrufen noch sind der vorgebliche „Sicherheitsagent“ oder der Verkäufer erreichbar.

Wer dubiose Geschäfte tätigt bleibt auf dem Schaden sitzen

Der vor dem Amtsgericht München klagende und von einem Internetbetrüger geschädigte Käufer verlor nicht nur das Geld, sondern auch den Prozess. Das Gericht begründete seine Entscheidung insbesondere damit, dass der Kläger die Sicherheitshinweise der verklagten Plattform nicht beachtet habe, obgleich diese weder versteckt oder erst nach längerer Suche zu finden seien. Zudem habe der Plattform nicht vorgehalten werden können, dass sie von den rechtswidrigen Aktivitäten des vorgeblichen Verkäufers gewusst hätte.

Zusammenfassung

Kriminelle werden die Anonymität der Internetplattformen sowie die Gutgläubigkeit von Interessenten auch weiterhin ausnutzen. Ob sie dabei als Verkäufer oder Käufer auftreten, macht keinen Unterschied. Lediglich die Details der Tatausführung ändern sich.

Wer sicher gehen will sollte sich weder auf eine Kommunikation und schon gar nicht auf eine Zahlungsabwicklung außerhalb der angebotenen Services der jeweiligen Plattform einlassen. Selbst wenn diese mit Gebühren verbunden sind, sind diese immer noch geringer als ein Totalverlust. Verkäufer sollten die von den Interessenten übermittelten Zahlungsnachweise bei der angegeben Stelle hinterfragen, bevor sie die Ware versenden.

Abschließend und exemplarisch sei hier noch auf die Hinweise zur Betrugsprävention von Moneygram, Western Union sowie der Internetplattformen Autoscout24 sowie mobile.de sowie die gemeinsame Initiative „Sicherer Autokauf“ hingewiesen.

Um die Risiken des Fernkaufs auszuschließen, bleibt der Kauf direkt beim seriösen Händler vor Ort. Bei genauer Betrachtung ist dies ohnehin die Methode der Wahl. Schließlich erhält der Käufer hier nicht nur leere Versprechungen, sondern ein mit einer Garantie und gültigen Papieren ausgestattetes Bike sowie einen Ansprechpartner bei Problemen.

Unser Autor ist Rechtsanwalt Dr. Wolf-Henning Hammer, Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH, Dortmund.

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