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Reformverdächtig

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 30/II), Folge 710: Es gibt sie noch, die positiven Branchensignale aus Berlin. Dass sie ausgerechnet vom Pkw-Maut-Desaster-Minister Scheuer kommen, geschenkt. Hauptsache...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...die Ideen sind gut: den AM mit 15 durchgeboxt (freilich muss noch jedes einzelne Bundesland entscheiden), den 125er-A1- in den B-Führerschein für Autofahrer integriert, die Elektrokickscooter auf die Straße losgelassen. Wow. Was ist da los? Der Zugang zum Zweirad – unterstützt vom Bundesverkehrsministerium? Das Blöde ist nur: Noch ist unklar, ob sich der angeschlagene Scheuer mit seinen Ideen, der Branche mit frischen Impulsen zu helfen, am Ende durchsetzt. Wir jedenfalls rufen dem Herrn Minister zu: Bleiben Sie dran!

Vor allem der A1-in-B-Vorstoß sorgte für eine enorme Zustimmungswelle im Netz. Unter den 50 Kommentaren aus der »bike und business«-Community waren aber auch einige wenige kritische. Ich habe mir die Rosinen für Sie rausgepickt. Beispiele gefällig?

David schrieb: „Ich würde mich tierisch freuen, wenn das klappen würde! Fahre seit 15 Jahren Auto und bald täglich mit dem Moped. Die Aufregung ist unverständlich, es ist doch jeder für sich selbst verantwortlich und wird wissen, was er sich zutraut. Diese Bevormundung in Deutschland ist unerträglich.“

Ein anderer bemerkte: „Anstatt dass wir uns freuen, dass indirekt das Motorrad fahren gefördert wird und unsere Motorradgemeinschaft wächst, wird dagegen gewettert als würde man einen Krieg anfangen wollen. Ich sehe im vorliegenden Entwurf eine große Chance pro Bike. Ja, auch ich sehe, dass es wohl nicht für jeden geeignet sein wird und der eine oder andere auch mal auf den Becher fliegt. Aber das passiert auch den vermeintlich Erfahrenen. Motorrad fahren ist immer mit einem Risiko verbunden.“

Tobi: „Ich habe extra den Führerschein der Klasse A1 gemacht um solche Motorräder bis 125 cm³ fahren zu dürfen. Habe fast 2.000 Euro bezahlt und musste mich durch die Prüfungen schlagen. Und jetzt darf jeder einfach nach 5 Stunden fahren?“

Tommy aus Tirol: „Verstehe die Diskussion nicht. Diese Regelung gilt in Österreich schon seit Jahren. Mit sechs (!) Fahrstunden (rund 220 Euro) bekommt man hier den sogenannten B111. Aber nicht mit 25 Jahren sondern mit mindestens 5 Jahren B-Schein Besitz. Also theoretisch schon mit 23 Jahren.

Scheuers Idee ist also nicht neu sondern nur abgeguckt. Wir haben viele, die sich jetzt einen 125er Roller gönnen und Unfallanstieg meines Erachtens praktisch null wenn man Erfahrung oder ,Ausbildung' zugrunde legt. Und eine ,genommene' Vorfahrt trifft beide Führerscheinbesitzer gleich. Also lieber Herr Scheuer: Gut so. Und die, die jetzt von wegen gefährlich und so rumlabern: Blödsinn! Lasst die Leute ein wenig Rollerfahren und das Leben genießen – es ist ja auch gut für die Umwelt und entlastet die Städte.“

Markus: „Ich musste in den 80er-Jahren DREI Motorradführerscheine machen. Den 1b mit 16 Jahren für die damaligen 80er, mit 18 Jahren den 1a für max. 27-PS-Maschinen und mit 20 Jahren den dann unbeschränkten 1er für (damals auf 98 PS freiwillig selbst beschränkte) große Motorräder. Jedes Mal mit Fahr- und Theoriestunden sowie theoretischer und praktischer Prüfung. Dafür kannte ich meinen Heimatort am Ende besser als jeder Fahrprüfer.“

Thomas B. „Ich kann da nur aus meiner Erfahrung reden. Als 1996 die 125er für Pkw-Führerscheinbesitzer vor 1. April 1980 freigegeben wurde (ohne Prüfung oder Praxis) dachte ich auch, das wird problematisch. Zumal wir teilweise die kleinen Chopper schräg halten mussten, dass die betagteren Herren aufsteigen konnten. Demnach hatten wir uns entsprechendes Ersatzteillager angelegt ( Schutzbleche , Gabelteile , Lenker etc.). Das liegt zum Großteil immer noch im Keller. Von den befürchteten Toten – keine Spur. Ein Gruß an die Grünen, die sollten mal überlegen, wie eine solche Regelung dann die Innenstädte sowohl in bezug auf Staus, Parkplatzprobleme und Abgase positiv beeinflusst.“

Thomas: „Ich bin 1981 geboren, habe mein Autoführerschein 2000 bekommen. Bin auch zuvor Mofa gefahren und dann auch 50er, bis es mir wegen der „Höchst“-Geschwindigkeit von 45 km/h zu gefährlich war und es kein Spaß mehr gemacht hat, weil die Autos zu dicht an mich herangefahren sind und ich so eine Gefahr im Verkehr darstellte. Bleiben Sie dran. Bin dafür. Ich würde es auch durchziehen, schon allein wegen der geringeren Einsparkosten.“kehr)

Georg: „Ich fahre seit 32 Jahren unfallfrei Pkw, seit 17 Jahren unfallfrei 50er Roller und fände es gut, nicht nur mit 55 km/h (alter 1999 Roller) Stadt fahren zu können, sondern auch sinnvoll auf Bundesstraßen und Autobahnen.“

Uli: Ich wäre sofort dabei, hab meinen Führerschein 1983 gemacht, bin jahrelang 50er gefahren, aber die Strecken kann ich eigentlich auch mit dem Rad erledigen. Es geht um ein Bindeglied zwischen Fahrrad und Auto und dafür ist eine 125er sehr gut geeignet, Spart Parkplätze, Sprit, Abgase und macht auch noch Spaß. Außerdem dürfte ich einen Roller mit 3 Rädern 125er eh fahren, wo liegt jetzt dann der Unterschied? Über die E-Scooter, die zum Teil jetzt dann die Straßen belagern, da macht keiner Sprüche über Organspender, aber bei Rollerfahren, nach fünf Fahrstunden und einer Theorieauffrischung, da wird gemeckert, wahrscheinlich eh von Leuten, die jeden Tag als Alleinfahrer mit einem SUV die Straßen der Innenstädte verstopfen. Ich warte jetzt auf das Gesetz und dann kaufe ich mir endlich wieder einen Roller.“

Iris: „Ich durfte 1983 mit 18 den Motorradführerschein nicht machen, da meine Eltern dies als gefährlich einstuften. Seit ca. füf Jahren fahre ich regelmäßig 50er Mopeds und genieße es sehr. Diese Praxis als Aufbau für ein größeres Motorrad ist fundamental wichtig. Dass die Jahrgänge vor 1980 automatisch größere Maschinen fahren durften, war für mich immer ungerecht! Die Aussicht, möglicherweise bald ein 125er Motorrad fahren zu dürfen, nachdem ich ein paar Praxisstunden und eine Theorieschulung gemacht habe, ist für mich ein echter Lichtblick.“

Wollen Sie das Projekt unterstützen?

Wenn Sie das Reformprojekt unterstützen wollen: »bike und business“ hat zusammen mit Thomas Timmen von MSA eine Onlinepetition auf change.org ins Leben gerufen. Knapp 2.000 digitale Unterschriften haben wir schon. Stimmen auch Sie ab!

PS. Wann soll das Ganze denn nun kommen? Die Neuregelung soll laut Entwurf zum 1. Januar 2020 Gesetz werden. Damit Fahrschulen für die Konzeption der Fahrerschulung ausreichend Zeit zur Verfügung steht, treten die Regelungen für die Eintragung der Schlüsselzahl 195 erst zum 1. April 2020 in Kraft.

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