Rendezvous am Ring – mit dem König der Schrauber

Nachwuchsförderung par excellence

| Autor / Redakteur: Lukas Maderner / Stephan Maderner

Nachwuchsförderung im Rennstall (v.li.): Frank Döring, Werner Daemen, Fabian Kraft und Henning Putzke.
Nachwuchsförderung im Rennstall (v.li.): Frank Döring, Werner Daemen, Fabian Kraft und Henning Putzke. (Foto: Lukas Maderner)

Wie motiviert man die Jugend für Zweiradberufe? BIV und BMW Motorrad zeigen, wie es geht und schenken dem Bundessieger Fabian Kraft ein adrenalingetränktes und arbeitsintensives Rennwochenende auf dem EuroSpeedway Lausitz.

Wenn an einem Sonntagmorgen um acht Uhr morgens in Brandenburg bereits die Straßen glühen, sind entweder die letzten Feierlustigen aus Berlin auf dem Heimweg oder die DTM macht Station am Lausitzring. In der letztjährigen Rennsportsaison wagten die Veranstalter von DTM und Superbike*IDM erstmals das Projekt einer gemeinsamen Veranstaltung – mit positivem Ergebnis. Die Mischung aus Auto- und Motorradrennen kam so gut an, dass man sich auch 2015 dazu entschloss, die Biker wieder einzuladen.

Auf dem Gelände eines ehemaligen Tagebauwerks entstanden und im Jahr 2000 eröffnet, ist der EuroSpeedway Lausitz eine der modernsten Rennsportanlagen Europas. Von der beeindruckend langen Zuschauertribüne aus überblickt man fast die komplette Strecke und erlebt die spannenden Überholmanöver hautnah. Benzingeruch und Motorengeheul sorgen für prickelnde Gänsehautatmosphäre. Bei einem Ereignis dieser Größe hinter die Kulissen blicken zu dürfen, zählt für Motorsportfans zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art.

Fabian Kraft, der beim Bundesleistungswettbewerb der Zweiradmechaniker im Oktober 2014 in Freiburg den Sieg davon trug, kam in den Genuss genau dieses Erlebnisses. Beim Rennwochenende „Superbike*IDM meets DTM“ Ende Mai löste er den von BMW-Motorrad-Deutschland-Chef Henning Putzke ausgelobten Preis für den Gewinner ein: ein Rennwochenende auf dem Lausitzring.

Der König der Schrauber


Der Clou dabei: Fabian, der König der Schrauber des Jahrgangs 2014, durfte die Veranstaltung nicht nur direkt aus der Boxengasse verfolgen, sondern sogar aktiv mit an den Rennmaschinen schrauben. Gemeinsam mit dem eingespielten Team von Van Zon-Remeha-BMW bereitete er die Bikes vom Schlage einer BMW S 1000 RR für den Start auf der Strecke vor: „Für mich bietet der Rennsport eine ganz andere Erfahrung als das Schrauben in der Werkstatt. Man ist den ganzen Tag – und zwar von morgens um halb acht bis abends um elf – mit nur einer Maschine beschäftigt.“, schwärmt er. „Hier muss man immer einhundert Prozent geben und voll konzentriert sein.“

Ebenfalls zugegen war Bundesinnungsmeister Frank Döring, der als Vertreter des Bundesinnungsverbands für das Deutsche Zweiradmechanikerhandwerk (BIV) die Nachwuchsflagge hoch hielt: „Für Fabian ist das eine einmalige Erfahrung, das wird er auch später noch merken.“

Im erfahrenen Rennsportteam ist man begeistert von Fabians Know-how: „Es ist, als würde er hier schon immer arbeiten“, lobt Werner Daemen, Leiter des Teams von Van Zon-Remeha-BMW, die Arbeit des Nachwuchsmechanikers. „Er ist menschlich ein total netter Kerl und arbeitet auch sehr gut selbstständig.“

Adrenalin, Emotion, Technik und Fleiß

Und was sagt Fabian zum Renn-Job: „Mit der Arbeit hier kann man gut angeben.“ Recht hat er. Welcher Ausbildungsberuf kann schon so viel Emotion fürs Produkt und die Dienstleistung, Adrenalin auf der Piste, faszinierende Technik und Motoren zum Anfassen und daran herumschrauben bieten wie das Zweiradhandwerk?

Zurück zu unserem eifrigen Helfer in der BMW-Box: Den ganzen Sonntag über ist Fabian am Schrauben und Werken. Am späten Nachmittag wird es dann richtig spannend. Vorbei an allen Sicherheitscheckpoints geht es mitten auf die Rennstrecke. Dort wird die Maschine noch ein letztes mal überprüft und es gibt ein abschließendes Teamfoto. Kurz darauf wird die Bahn geräumt und das Startsignal ertönt. Unmittelbar neben der Rennstrecke verfolgen Fabian und das Team das Renngeschehen. Auf großen Leinwänden wird der Verlauf live übertragen. Alle 80 Sekunden rauschen die Maschinen dann im Highspeed-Tempo an der Boxengasse vorbei. Fabian immer wie auf dem Sprung, um im technischen Notfall sofort eingreifen zu können.

Wenn der Sohn mit dem Vater

„Das ganze Event war top organisiert und ich konnte viele neue Leute kennenlernen“, berichtet Fabian stolz nach dem Rennen. Auch Fabians Eltern freuen sich über den steilen Aufstieg ihres Sohns, obwohl sie vor seiner Ausbildung als Zweiradmechaniker skeptisch waren. Doch die Möglichkeiten, die das Zweirad-Handwerk bietet, infizieren das Elternhaus mit dem Bike-Virus. „Mein Vater hat erst mit dem Motorradfahren angefangen, als auch ich mir eine Maschine gekauft habe“. Und so dreht Fabian den bekannten Spruch „Wenn der Vater mit dem Sohne“ in sein elegantes Gegenteil um.

Der nächste Hauptpreis kommt bestimmt

Frank Döring ist restlos begeistert vom großen Erfolg der Preisauslobung. „Fabians Beispiel soll junge Menschen motivieren, diesen tollen Beruf zu erlernen und sich in Leistungswettbewerben untereinander zu messen“, sagt der Bundesinnungsmeister. BMW Motorad spendiert wieder den Hauptpreis, wahrscheinlich wieder irgendeiner aus der Kategorie der vielen Rennabenteuer, das mit weiß-blauen Maschinen zu tun hat. Henning Putzke lässt nicht locker mit seinem Hauptanliegen: „Wir müssen mehr Menschen auf und vor allem ans Motorrad bringen.“ Am 14. November 2015 findet in der Gewerbeakademie Freiburg erneut der Bundesleistungswettbewerb statt. Erstmals soll es heuer vielleicht sogar auch im Fahrrad-Bereich einen solchen Highlight-Preis für den Sieger geben. Dann heißt es: Vom Motorrad lernen heißt siegen lernen.

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