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Rennleitung #110: Zwei Kommissare bringen Gesetz und Bikerrowdies auf Spur

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Rennleitung #110 heißt ein privates Präventionsprojekt für Bikesicherheit, initiiert und betrieben von zwei Polizeibeamten

Die „Rennkommissare“ Peter Göb und Rick Lowag mit ihrer BMW S 1000 RR. (Foto: Rennleitung #110)
Die „Rennkommissare“ Peter Göb und Rick Lowag mit ihrer BMW S 1000 RR. (Foto: Rennleitung #110)

Es ist gut ein Jahr her, dass die Polizeibeamten Peter Göb aus Hessen und Ricky Lowag aus Baden-Württemberg mit ihrem privaten Präventionsprojekt Rennleitung#110 in ihre erste Saison starteten. Die Idee hinter dieser Initiative war, frischen Wind in das Feld der Verkehrssicherheitsarbeit zu blasen. Zu ausgetreten waren den beiden Machern die Pfade, welche die Polizei mit dem Ziel der „Zielgruppenansprache“ bestritt.

Es schien so, als wüsste man nicht, wie man die Leute ansprechen sollte bzw. wer überhaupt die sogenannte Zielgruppe ist. Schnell ist man geneigt, sich einfacheren Gesprächspartnern zuzuwenden, wenn man mit den gängigen Argumenten einen bestimmten Personenkreis nicht erreicht. Man macht also Veranstaltungen für diejenigen, die bereitwillig „Ja“-sagen und steckt die Anderen oft zu schnell in die Schublade der „Unbelehrbaren“.

Ghostrider-Homevideos und Streckensperrungen

Umgekehrtes passiert aber auch auf Seiten der Motorradfahrer, die für Streckensperrungen und immer strengere Überwachungsmaßnahmen nur allzu gern den schwarzen Peter den Behörden zuschieben. Letztlich lebt es sich immer leichter, wenn man die Schuld nicht bei sich selbst suchen muss. Dabei rücken sich Supersportpiloten mit diversen Ghostrider-Homevideos oft genug selbst in ein schlechtes Licht, was von den Medien bereitwillig aufgenommen und mundgerecht einer wütenden Bürgerschaft präsentiert wird, bei denen schon längst der lärmende Raser dem gewaltbereiten Rocker den Rang abgelaufen hat.

Die beiden sportbikenden Oberkommissare haben sich der Aufgabe verschrieben, zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln. Dabei ist das gemeinnützige Ziel der Unfallverhütung, unter dem schließlich auch ein anerkannter Verein ins Register eingetragen wurde, im Wesentlichen ein Selbstzweck - „Eigensicherung, nennt sich das im polizeilichen Sprachgebrauch“, wie Mitbegründer und Vereinsvorstand Rick Lowag erklärt.

Narbe vom Oberarm bis zur Schulter

Fragenden Blicken präsentiert er dabei oft eine große Narbe, die an seinem rechten Oberarm von der Schulter bis zum Ellenbogen reicht. Nach einem schweren Unfallhatte er 2004 fast die Funktionsfähigkeit seiner rechten Hand eingebüßt und hatte während der, gut sechsmonatigen Reha-Phase genug Zeit, um über sein Hobby nachzudenken. Die Geburt seiner zwei Kinder mag ein Übriges beigetragen haben.

Die auffällig neonfarbene Warnweste mit dem Vereinslogo dient also nicht nur als Werbefläche. Sie ist ihm auch stets eine Mahnung, wenn mal wieder die Pferde(stärken) mit ihm durchzugehen drohen, dass es auf der Straße nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt.

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