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Richard Chambers: Anmerkungen zum „Gelben Engel“

Richard Chambers, Geschäftsführer der Richard Chambers GmbH, hat einen offen Brief zu den aktuellen Vorkommnissen beim ADAC verfasst.

Richard Chambers vom gleichnamigen Unternehmen, bekannt u.a. durch das Spritzusatzmittel SX 6000, hat einen offenen Brief an den ADAC geschrieben.
Richard Chambers vom gleichnamigen Unternehmen, bekannt u.a. durch das Spritzusatzmittel SX 6000, hat einen offenen Brief an den ADAC geschrieben.
(Foto: Marcel Gollin )

Sehr geehrter Herr Maderner, liebe »bike und business«-Redaktion,

dass Herr Ramstetter seinen Hut nehmen muss, ist klar – ja aus diversen anderen Gründen längst überfällig. Seit mehr als 20 Jahren vertreibe ich energiesparende Produkte und beobachte in diesem Zusammenhang schon länger die undurchsichtige Politik des Automobilclubs, der die Handlungsbefugnis eines Vereins deutlich überschreitet. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte möchte ich daher einige Punkte ergänzen:

Tatsächlich steht das Verhalten des ADAC in vielerlei Hinsicht in krassem Widerspruch zu § 2 der ADAC-Satzung. Dort steht eindeutig, dass der ADAC vorrangig die Interessen der Umwelt und der Mitglieder – nicht nur als Fahrer, sondern auch als Verbraucher – zu beachten hat. Doch in vielen Fällen erlebt man das Gegenteil: Die jüngsten Aussagen des Präsidenten, Peter Meyer, sind nur ein weiterer Beweis dafür. Auch sonst versucht der ADAC mit allen Mitteln Kostensparmöglichkeiten von seinen Mitgliedern fernzuhalten. Er schweigt sich beispielsweise darüber aus, dass Autos immer häufiger so konstruiert werden, dass beispielsweise ein Birnenwechsel der Scheinwerfer nur noch in der Werkstatt gemacht werden kann. Das geht zu Lasten der Sicherheit, da etwa jeder zehnte Fahrzeughalter eine fällige Reparatur verschiebt und mit kaputtem Licht und schlecht eingestellten Scheinwerfern fährt.

Gleichzeitig berichtet die Motorwelt, die Mitgliederzeitschrift des ADAC, beispielsweise regelmäßig, „Spritsparmittel sind wirkungslos“. Dieses Pauschalurteil ist schlichtweg falsch, da es auf dem deutschen Markt durchaus Produkte gibt, mit denen Sprit gespart und die Lebensdauer von Motor und Getriebe verlängert werden kann. Es geht dabei nicht nur um unsere Produkte, auch über Lösungen anderer Anbieter werden die Mitglieder nicht informiert. Dem ADAC liegen seit gut sieben Jahren unanfechtbare, wissenschaftlich solide Testberichte vor, die mittlerweile von der deutschen Tribologiegesellschaft anerkannt worden sind. Als Grund, warum diese nicht aussagekräftig beziehungsweise normgerecht seien, schiebt der ADAC eine völlig fiktive Rechtslage vor. Herr Ramstetter wusste also, was unser Spritsparmittel leistet, und hat dennoch keinen Abstand von den Behauptungen genommen – geschweige denn eine differenzierte Berichterstattung zugelassen. Das beweist der mir seit Juli 2006 vorliegende Schriftverkehr eindeutig. Tatsächlich wird durch unsere Mittel jedoch nicht nur Sprit gespart, auch die Ölverbrennung unterwegs halbiert sich. Gerade in Anbetracht der weitverbreiteten Sorge um Umweltrisiken und gesundheitliche Folgen durch Feinstaub, sollte der ADAC vielmehr durch positive Berichterstattung die Aufmerksamkeit der Mitglieder auf entsprechende Produkte richten.

Und das ist bei weitem nicht alles: Sorgsam schützt der Club die Autofahrer seit Jahren von der Tatsache, dass beispielsweise eine Reparatur der Servolenkung, die in der Werkstatt durchschnittlich 1.100 Euro kostet, mit einem Produkt, das die Polymerdichtungen - auch im Do-it-yourself-Verfahren - für 11 Euro dauerhaft regeneriert, möglich ist. Ehrliche vertragsfreie Werkstätten bieten dies schon seit Jahren an, und sollte bei der Hauptuntersuchung ein Leck gefunden werden, empfehlen viele TÜV-Stellen diese kostengünstige Lösung auch.

Unkommentiert ließ man auch die Stellungnahme des drittgrößten deutschen Automobilzulieferers, der ZF Friedrichshafen AG, dass man „lebenslang befüllte“ Aggregate dort für den falschen Ansatz halte – was mich nur bestätigt: Seit gut 20 Jahren kritisiere ich, dass deutsche Hersteller Aggregate ohne Ablassschraube bauen. Der ADAC scheint es jedoch als die bessere Alternative zu betrachten, bei 80.000 km 50 Euro zu sparen und sich nach 160.000 km ein neues Getriebe zu leisten.

Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass der Club zur Zeit einen Vorstand hat, der – egal welche Ausreden und Behauptungen vorgeschoben werden – die Interessen der Mitglieder und der Umwelt mit Füßen tritt.Offensichtlich arbeitet der Automobilclub vielmehr als Handlanger für Ölkonzerne, Hersteller und Vertragswerkstätten.

Dass Ramstetter nun die alleinige Verantwortung für die gefälschten Zahlen beim ADAC-Preis „Gelber Engel“ auf sich nimmt, verschleiert nur das Ausmaß der Mauscheleien in diesem Verein. Hat er die Zahlen etwa aus der Luft gegriffen oder mit der Taschenrechnerfunktion seines Handys ermittelt? Selbst wenn es seine Idee war die Zahlen zu frisieren, stellt sich die Frage: Wer wusste sonst noch darüber Bescheid? Es ist unwahrscheinlich, dass er diese Fälschung für sich behielt. Mit Sicherheit hatten auch Meyer und Co. genauso ihre Hände im Spiel. Ramstetter ist schon 60 – gewissermaßen ein frühpensioniertes Bauernopfer. Aber der Vorstand, der – so darf man mutmaßen – diese Manipulationen zwar nicht initiiert, aber wohl zumindest unterstützt hat (genauso wie die immer wieder wiederholte Behauptung „Spritsparmittel sind wirkungslos“), sitzt weiterhin bequem auf seinen Posten. Das kann nicht sein!

Mit den besten Grüßen,

Richard Chambers

Dahlienweg 14, 85551 Heimstetten

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