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Saisonauftakt macht Zwangspause

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 12/II), Episode 764: Corona, Corona, Corona – diese sechs Buchstaben bestimmen derzeit unser aller Leben. Um den Virus einzudämmen, werden die Einschränkungen der individuellen Freiheit von Tag zu Tag größer. Die Motorradbranche, die von der Liebe ihrer Kunden zur individuellen Freiheit auf zwei Rädern lebt, bekommt das ganz besonders drastisch...

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group )

...zu spüren. „Eigentlich sollte nun die schönste Jahreszeit für alle Biker beginnen. Stattdessen schauen wir alle mit Sorge und Ungewissheit auf die kommenden Wochen“, schreibt Nico Keßler vom Motorradcenter Keßler (Honda, KTM) im sächsischen Oelsnitz am Donnerstag Morgen in meiner Facebook-Timeline. Wie alle anderen rund 2.000 deutschen Händlerbetriebe schließt er nach den aktuellen Sicherheitsrichtlinien den Verkaufsraum, um die weitere Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Das ist gut und richtig so.

Zum Glück gibt es in unserer Branche ein wichtiges weiteres Standbein fürs Business, die Werkstatt. Die gute Nachricht: Sie darf offen bleiben. Zunächst. Nur die nächste Eskalationsstufe, die Ausgangssperre, könnte auch dem Werkstattgeschäft einen Riegel vorschieben. Bleibt zu hoffen, dass der eindringliche Appell der Bundeskanzlerin an die gesamte Bevölkerung zur Prime Time am Mittwoch Abend, ihr Verhalten anzupassen und wo es geht, wenn möglich „für sich“ und „unter sich“ zu bleiben, befolgt wird – sonst wird's zappenduster in der deutschen Wirtschaft.

Nico Keßler hat diese Ausnahmesituation vorbildlich an seine „werte“ Kunden kommuniziert: „Der Werkstattbetrieb wird weitergeführt und ab 18. März wie folgt ablaufen: Sie vereinbaren wie gewohnt einen Termin telefonisch oder per Mail. Zum Termin wird das Fahrzeug bei uns abgestellt. Alle notwendigen Papiere dazu bitte in unseren Briefkasten einwerfen. Nach Begutachtung des Fahrzeugs besprechen wir alle notwendigen Arbeiten per Mail oder telefonisch. Nach Fertigstellung der Arbeiten vereinbaren wir einen Abholtermin, zu dem das Fahrzeug auf unserem Parkplatz für Sie bereitstehen wird.“ Manch ein Händlerbetrieb hat an dieser Stelle sogar einen kostenlosen Hol- und Bringservice für die Kunden eingerichtet. Das erzeugt Vertrauen und sorgt für zufriedene Stammkunden.

Beim Verkauf gestaltet sich die ganze Sache nicht ganz so einfach. Offiziell ist die stationäre Variante nicht erlaubt. Gleichwohl müssen wir die Kunden, die Interesse an einem Neufahrzeug bzw. Zubehör oder Ersatzteilen haben, nicht abweisen. Das Beratungsgespräch findet dann halt virtuell über die digitale Kommunikation oder fernmündlich am Telefon statt. Sämtliche Verkäufe/Aufträge können auch online durchgeführt werden, Finanzierungen sind ebenfalls möglich. Teile- und Zubehör können gegen vorherige Bezahlung oder Überweisung zum Kunden nach Hause versendet werden. Befeuern Sie Ihr Geschäft mit Ihren Online-Shops!

Limbächer & Limbächer in Filderstadt und andere Firmen weisen zum Beispiel darauf hin, neue und gebrauchte Motorräder bundesweit per Spedition auszuliefern. Im Moment scheinen sogar individuell vereinbarte Probefahrttermine nach Absprache noch möglich zu sein, wenngleich nur die wenigsten Endkunden diesen Service nachfragen dürften.

Wichtige Devise für alle unternehmerisch agierenden Personen: Erst einmal ruhigen Kopf bewahren. Vor kurzem stieß ich auf einen interessanten Beitrag des bekannten Medienmanagers Christoph Keese (u.a. Welt am Sonntag, Financial Times Deutschland, Springer Digital). Er hat sieben Regeln in Zeiten von Corona aufgestellt, die ich so gut finde finde, dass wir sie uns alle mal anschauen und am Ende auch beherzigen sollten:

1. Wenn alle auf alle warten, gehen alle unter.

2. In den nächsten Tagen und Wochen nicht passiv ausloten, wie das Geschäft läuft, sondern aktiv dazu beitragen, dass die Wirtschaft sich weiter dreht. Den Strömungsabriss verhindern.

3. Güter und Leistungen bestellen, so als ob es Gewissheit über die Zukunft gäbe. Nur so wird die Zukunft tatsächlich sicher.

4. An die positive Kraft der selbsterfüllenden Prophezeiung glauben. Optimismus wird wahr, wenn alle entschlossen genug daran festhalten.

5. Budgets nicht kürzen. Alles, was wir bei uns selbst kürzen, kommt von anderen nicht bei uns an, Abwärtsspiralen bricht man nicht durch Sparen, sondern durch Ausgeben.

6. Home Office ist kein Sonderurlaub - auch nicht, wenn die Kinder Zwangsferien haben. Mitarbeiter eng führen. Leistungen abverlangen. Die gewohnten Rhythmen und Meetings einhalten - nur eben virtuell. Mitarbeiter ermuntern, Kunden und Lieferanten beruhigende Signale zu senden. Um andere kümmern. Zeigen, dass man an sie denkt.

7. Einige Branchen wie Luftfahrt oder Hotels erleiden zwangsläufig ganz besonders starke Rückgänge. Doch alle anderen Branchen fahren umso besser, je konsequenter sie Corona ignorieren, obwohl sie alle gesundheitlichen Schutzmaßnahmen streng einhalten.

Ich will die Sorgen und Nöte und die Risiken der Corona-Pandemie bestimmt nicht kleinreden. Doch sind die sieben Thesen von Christoph Keese durchaus in der Lage, uns die Augen zu öffnen. Wir sollten diese historische Krise tatsächlich selbstbewusst und angstfrei mit allen unseren sieben Sinnen bekämpfen. Die „größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“ (Angela Merkel) bietet auch eine Chance für einschneidende Veränderungen hin zum Besseren. Dann nämlich, wenn Corona dann rückblickend in ein paar Monaten hoffentlich durch ist wir uns wieder auf den Bike-Virus fokussieren können!

PS. Im Freitags-Newsletter finden Sie alle aktuellen Entwicklungen in Sachen Corona. Wie die Branche davon betroffen ist, aber auch, mit welchen Gegenmaßnahmen die Krise derzeit schon bekämpft wird. So verzichtet zum Beispiel die Santander Consumer Bank ab 23. März in der Händler-Einkaufsfinanzierung für neunzig Tage auf die Tilgung. Damit greift die Bank ihren Handelspartnern unter die Arme, um liquider zu bleiben.

Diese und viele andere Probleme und Herausforderungen, welche die Branche sonst noch zu meistern hat, darüber wollen wir am kommenden Donnerstag, den 26. März, 11 Uhr, in einem Live-Webinar für Motorrad-, Roller- sowie Quad/ATV-Händler reden. Zusammen mit Martin Berning von der BBE Automotive wollen wir nach besten Wissen und Gewissen Ihre Fragen rund um das Thema Corona beantworten. Wir begrüßen Sie in großer Zahl recht herzlich von unserem Homeoffice-Arbeitsplatz aus. Die technische Leitung obliegt meinem Kollegen Uwe Dietrich, dem Leiter der Video-Unit der Vogel Communications Group. Loggen Sie sich ein.

Diesen kostenlosen Service ermöglicht Ihnen »bike und business«, der treue Medienpartner an Ihrer Seite und Kümmerer für eine nachhaltige Zukunft der Zweiradbranche. Bleiben Sie mutig und operativ (so lange es geht) und vor allem: Bleiben Sie gesund!

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