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Schweiz: Billigroller-Angebote oft unseriös bis gefährlich

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Martina Eicher

Schweizerische Fachstelle für Zweiradfragen warnt Kunden beim Rollerkauf vor Lockvogel-Angeboten.

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(Foto: SFZ )

Periodisch versuchen Fach- und Baumärkte, Discounter und Internetanbieter, im Rollermarkt Fuß zu fassen. Sie locken mit Billigangeboten, oft verbunden mit fragwürdigen Geschäftspraktiken und nicht haltbaren Leistungsversprechen. Der vermeintliche Schnäppchenkauf kann für den Käufer zum Alptraum mit unter Umständen gefährlichen Folgen werden. Davor warnt die Schweizerische Fachstelle für Zweiradfragen (SFZ).

Auf den ersten Blick sähen die Schnäppchenangebote verlockend aus: kommuniziert würden tiefe Preis, tolle Garantieleistungen, null Probleme bei Service- und Reparaturleistungen. Wer genauer hinsehe, merke aber schnell, dass der niedrige Preis nur dank großer Abstriche bei Beratung und Kundendienst für Service und Reparaturen möglich sei.

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Unprofessionelle Beratung

„Nebst Preis, Design und Verfügbarkeit spielen beim Rollerkauf Faktoren wie Fahrausweis, Einsatzzweck, Fahrsicherheit, Service-Sicherheit, Know-how des Händlers und Vertrauen zwischen Händler und Käufer eine zentrale Rolle“, so die SFZ. Damit Fahrspaß und Freude am Roller nachhaltig blieben, sei die fachmännische Beratung – vor und nach dem Kauf – ein Muss. Die wenigsten Billiganbieter könnten jedoch damit brillieren, so die SFZ, weil...:

  • 1. Billiganbieter haben oft kein Fachpersonal mit genügend zweiradspezifischem Know-how. Für den Kunden gestaltet sich die Beratung unprofessionell und auf den schnellen Verkauf ausgerichtet.
  • 2. Vielfach wird von Billiganbietern nur das Fahrzeug angeboten, passendes Zubehör oder Bekleidung ist für den Kunden meistens nicht verfügbar. Von den Importeuren der bekannten Marken wird hingegen für möglichst hohe Sicherheit entwickeltes und geprüftes Zubehör angeboten.
  • 3. Mangelnder oder umständlicher Support bei Service/Reparaturen.
  • 4. Technische Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge benötigen periodischen Unterhalt und müssen bei Bedarf repariert werden. Im Bereich Service/Reparaturen weitet sich die Schere zwischen seriösen Fachbetrieben und Billiganbietern.
  • 5. Etablierte Marken-Importeure führen in regelmäßigen Abständen in Zusammenarbeit mit dem Fachhandel technische Schulungen für das Vertriebsnetz/Fachpersonal durch und organisieren Kurse für Beratungen und Kundenservice.
  • 6. Viele Billiganbieter hingegen haben keine eigene Service-Werkstatt direkt vor Ort, der Roller muss bei Service/Reparaturen per Camion zu einer entfernt liegenden Servicestelle gebracht werden und ist mehrere Tage nicht verfügbar.
  • 7. Billiganbieter verweisen oft auf ein Partner-Netz von „freien“ Werkstätten, welche anfallende Reparaturen und Service ausführen. Doch diese sind oft nicht in der Lage, Ersatzteile und Dienstleistungen innerhalb einer nützlicher Frist anzubieten.
  • 8. Schlimmer noch: In Kundeninformationen raten Billiganbieter zu Selbstreparaturen ohne Garantieverlust. Ratschläge, die aus Sicht der Verkehrssicherheit absolut unhaltbar sind und zu gefährlichen „Bastel-Ergebnissen“ mit Unfallpotenzial führen können.
  • 9. Oft fehlt der persönliche Kontakt vom Kunden zum Verkäufer, jedes Mal ist eine andere Ansprechperson vor Ort. Der Kunde muss seine Anliegen immer wieder neu vermitteln.
  • 10. Garantieleistungen: Diese werden zwar vordergründig angekündigt, bei Bedarf sind sie aber oft lückenhaft oder – bei Aufgabe der Verkaufstätigkeit/Geschäftstätigkeit – für den Kunden gar nicht mehr abrufbar.

Die SFZ führt auch ökologische Aspekte ins Feld. So würden Billigangebote die Wegwerfgesellschaft-Mentalität fördern: Wenn der Billig-Roller nicht mehr funktioniere, werfe man ihn auf die Halde, da eine Reparatur unter Umständen im Vergleich zum Kaufpreis teurer käme. Von Nachhaltigkeit könne keine Rede sein: statt beim lokalen Händler das etwas teurere Produkt einzukaufen und warten zu lassen sowie vom Top-Dienstleistungspaket zu profitieren, nehme der Schnäppchenjäger große Wege für einen vordergründig billigen Kaufpreis auf sich. Unter dem Strich bezahle er mehr.


Das Fazit der SFZ: „Seriöse Roller-Importeure und -Händler verfügen über ein großes, in jahrelanger Aufbauarbeit angeeignetes Know-how. Sie bieten professionelle Kaufberatung, technisches Fachwissen und unterstützen den Roller-Käufer auch nach dem Kauf in allen Belangen. Dieses Dienstleistungspaket hat seinen Preis. Auf lange Sicht fährt der Rollerkäufer damit aber günstiger, sorgenfreier und vor allem sicherer.“

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