Sie sind die Power der Branche

Wertschätzung für das weibliche Businesselement

| Autor / Redakteur: Katharina Bormann / Stephan Maderner

»bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner im Rampenlicht mit den Powerfrauen der Branche.
»bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner im Rampenlicht mit den Powerfrauen der Branche. (Bild: Vogel Business Media/Johannes Untch)

Nach wie vor sind Frauen in der Motorradbranche unterrepräsentiert. Dabei stellen sie eine attraktive Zielgruppe für den Handel dar. Und auch hinter den Verkaufstresen und Werkbänken stehen jede Menge Powerfrauen. Sie zu würdigen und zu ehren, dafür ist der »bike und business«-Award „Bike Woman of the Year“ da.

„Wer hält uns diesen Moment an, besser kann es nicht sein“ - Zu der Melodie von Andreas Bouranis WM-Hit stimmt Ursula James, eine der Gastgeberinnen, eine Hymne auf die Finalistinnen des „Bike Woman of the Year“-Awards an: „Ein Hoch auf Euch!“ Unter silbernen Konfetti-Regen, stimmen die sechs Finalistinnen in den Gesang mit ein. Heute ist ihr Abend. Das ist ihre Veranstaltung. Die Anerkennung für ihre Arbeit in der männerdominierten Motorradbranche. Stolz zeichnet sich in allen Gesichtern ab.

Auch merkt man: Auf der Bühne stehen keine Konkurrentinnen, sondern Kolleginnen, Mitstreiterinnen, Freundinnen. Gemeinsam behaupten sie sich im Motorradgeschäft und stehen tagtäglich ihren Mann.

Lou Windau strahlt besonders. Schimmernd wie das Konfetti das sich über sie ergießt, glänzt auch ihre elegante Hose, als sie die gerahmte Siegerurkunde entgegennimmt – sie ist Erstplatzierte und darf sich „Bike Woman of the Year 2017“ nennen. Sie beweist: Man muss nicht unbedingt eine aktive Fahrerin sein, um den Award zu gewinnen. Gesucht werden nämlich in erster Linie Frauen, die haupt- oder nebenberuflich im motorisierten Zweiradbusiness unterwegs sind. Dazu muss man nicht zwangsläufig selbst Motorrad fahren. So wie die sympathische Lou.

Dass sie es trotzdem geschafft hat, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, hat sie „total überrascht“. Doch am Ende gaben der von ihr eingereichte hoch professionelle Bewerbungsfilm und ihre detaillierte, mit großer sprachlicher Qualität niedergeschriebenen Begründungen in ihrer Bewerbungsmappe den Ausschlag für den Erfolg. Der Titel ist für sie nun ein weiterer Ansporn, die Straßen bald auf den eigenen zwei Rädern erkunden zu können. Das ist auch gut so – denn die Motorradbranche lebt von Authentizität.

„Hauptintention der Auszeichnung ist es, den Damen der Branche Anerkennung für ihre Arbeit zukommen zu lassen“, erklärt die zweite Gastgeberin und Jurymitglied Frauke Tietz. Die Gründerin des Online-Netzwerks Fembike sieht in dem Award eine wichtige Veranstaltung für eine größere Akzeptanz weiblicher Kolleginnen in der Zweiradbranche. „Neben der Wertschätzung ist allerdings auch die Vernetzung untereinander ein wichtiger Faktor. Viele Frauen erleben ähnliche Situationen im Berufsalltag. Mit dem Award möchten wir auch eine Plattform bieten, um sich zu vernetzen und auszutauschen“, so Tietz.

Zu den Kriterien für die Auswahl der „Bike Woman of the Year“ gehören neben der Persönlichkeit der Kandidatinnen und der professionellen Vernetzung in der Motorrad-Community auch der Social-Media-Auftritt und die Vereinbarung von Familien- und Berufsleben. Dazu müssen die Kandidatinnen möglichst anschaulich und detailliert ihren Job beschreiben und ein aussagekräftiges Bewerbungsvideo einsenden.

Beim Thema Bewegtbild konnte Lou Windau besonders überzeugen. Locker und sympathisch führte die Blondine die Zuschauer im Video durch ihre Arbeitsräume und präsentierte humorvoll die täglich anfallenden Aufgaben. Die 31-jährige Münsterländerin leitet zusammen mit ihrem Vater das Unternehmen Modeka, Hersteller von Motorrad-Klamotten. Hier ist sie für alles von Schnittmuster bis Vermarktung der Ware zuständig. Bald wird sie das Unternehmen komplett übernehmen.

Das größte Hindernis für die Wahl eines Berufs in der Kraftradbranche, ist oftmals die fehlende Akzeptanz der männlichen Kollegen und Kunden. „Frauen in der Motorradbranche? Höchstens in knappen Outfits und prallen Dekoltées auf Kalenderbildern!“. Nicht selten haben sich viele Damen solche oder ähnliche Kommentare wohl schon anhören müssen. So auch Amelie Mooseder, Produktmanagerin bei BMW Motorrad. „Blödsinn!“, findet die Zweitplatzierte aus München jedoch. „Frauen stehen Männern in nichts nach und sind mindestens genauso gute Motorradfahrer!“. Das stellt sie auch selbst unter Beweis: Sie ist begeisterte Motorradfahrerin und macht u.a. die Rennstrecke bei den Viertelmeilenrennen in Glemseck unsicher.

Dabei setzt sie sich häufig auch gegen männliche Konkurrenten durch. Durch Amelies Adern fließt Benzin. Und das schon von klein auf: Mit sieben Jahren bekam sie ihr erstes Motorrad und von da an wuchsen mit Amelie auch ihre Maschinen.

„Mit meiner Teilnahme möchte ich anderen Frauen Mut machen auch in der Motorradbranche Fuß zu fassen. Außerdem will ich zeigen, wie elegant und zugleich sportlich weibliche Motorradfahrerinnen sein können, ganz abseits von Klischees“, sagt die 32-jährige mit den dunkelbraunen Augen und lächelt verschmitzt.

Die Vorurteile und Klischees gegenüber motorradbegeisterten Frauen sind meist unbegründet: Zwar besaßen im Jahr 2016 nur rund 4,3 Prozent aller Frauen in Deutschland einen Motorrad-Führerschein (Männer: 22,3 Prozent). Doch unter den aktuellen Führerscheinneulingen haben die weiblichen Fahrerinnen deutlich aufgeholt: Gut 43.000 Frauen machten 2016 den Motorradführerschein und rund 190.000 Männer. So drücken die Prüfer derzeit fast jeden fünften Lappen (18,6 Prozent) in eine Frauenhand. Laut Statistischem Bundesamt sind diese Frauen zahlenmäßig definitiv die besseren oder zumindest sichereren Motorradfahrer: Im Jahr 2014 kamen auf 38.418 verletzte Männer lediglich 8.445 Frauen. Noch gravierender ist der Unterschied bei tödlichen Unfällen: Während rund 630 männliche Motorradfahrer ums Leben kamen, waren es lediglich 43 weibliche.

Motorradfahrerinnen stehen Männern also in nichts nach und stellen eine nicht zu unterschätzende Kundengruppe dar. Vor allem für Frauengerechte Maschinen und Bekleidung schlummert in der weiblichen Zielgruppe großes Potenzial. Das weiß auch Gewinnerin Lou: „Frauen passend einzukleiden ist eine anspruchsvolle Aufgabe – auch in der Beratung. Sie sind anspruchsvoller, haben Rundungen, vielerlei unterschiedliche Körperportionen und sind meist kleiner als Männer. Bei Herren ist das einfacher“, erklärt Lou zwinkernd: „Entweder haben sie einen Bauch oder eben nicht“.

Doch Geschlechterfrage und Vorurteile hin oder her. Für Amelie geht es beim Motorradfahren nur um eins: „Egal welche Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft wir haben: Im Herzen sind wir alle Biker“.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45048768 / Handel)