SIP Scootershop: Ein Blick hinter die Kulissen

So kommen Artikel vom Lieferanten ins Lager

| Autor / Redakteur: Ralf Jodl / Viktoria Hahn

Die Felgen werden schließlich nach dem chaotischen System eingelagert.
Die Felgen werden schließlich nach dem chaotischen System eingelagert. (Bild: Viktor Schwenk)

Der SIP Scootershop hat derzeit knapp 60.000 Artikel im Warenwirtschaftssystem. Oberstes Ziel ist es, laut CEO und Co-Founder Ralf Jodl, immer alle diese Artikel sofort verfügbar am Lager zu haben.

Italienische Gelassenheit

„Nicht nur einmal haben uns Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ermahnt, unser Lager zu verkleinern und wirtschaftlicher zu denken. Die wissen aber nicht, dass 80 Prozent unserer Zulieferer in Italien sitzen und es der Begriff „Just in Time“ leider noch nicht ins Italienische geschafft hat. Die Lieferfähigkeit unserer etwa 500 Lieferanten ist, diplomatisch ausgedrückt, doch oft recht unterschiedlich,“ erklärt Ralf Jodl.

Es gibt durchaus positive Beispiele: Malossi, von dem der Shop alle 7.000 Artikelnummern führt, liefert immer und pünktlich. Alle zwei Wochen kommt frische Ware aus Bologna und alles hat sich auf einem hohen technischen EDV-Niveau über viele Jahre eingespielt. Einen anderen Lieferanten erreichen die Mitarbeiter dabei nur per Fax – die durchschnittliche Zeit zwischen Bestellung und Warenanlieferung beträgt mehr als 300 Tage und geliefert werden meist gerade mal eine Handvoll Artikel. „Wenn das aber die besten Sitzbänke sind die man für alte Vespas kaufen kann gehen wir diese extra Meile gern,“ so der Geschäftsführer weiter.

Wareneingang am Beispiel einer Schlauchlos-Felge

„Das SIP-Einkaufsteam behält immer sämtliche Artikel in unserer Warenwirtschaft im Blick. Dabei hilft uns die EDV mit Soll- und Meldebeständen, die sich über einen Algorithmus abhängig von den Verkaufszahlen und saisonalen Schwankungen dynamisch anpassen. Das System schlägt dem Einkäufer auf Grundlage historischer Daten und diesen Formeln die Bestellung eines Artikels vor, damit dieser wieder rechtzeitig am Lager eintrifft. Der Lieferant erhält unsere Bestellung und wir eine Proforma Rechnung. Meist müssen wir einen Teil des Bestellwerts bereits beim Lieferanten anzahlen, manchmal auch erst bei Lieferbereitschaft, leider selten erst nach Erhalt der Ware bei uns“, erzählt Jodl über den Bestellvorgang der Ware.

Wie an Weihnachten

Im Optimalfall trifft die Ware am errechneten Liefertermin in Landsberg im Zentrallager des Scootershops ein. Dann ist es oft wie Weihnachten für das Wareneingangs-Team. Besonders neue oder aufsehenerregende Produkte lösen oftmals kleine Versammlungen aus und die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. So kann es durchaus vorkommen, dass auch Produktentwickler und Verkäufer zufällig mal im Wareneingang rumschlendern und schauen was es Neues gibt.

Strenge Prüfkriterien

Die Schlauchlos-Felgen kommen in großen 40-Fuß-Seecontainern an und müssen schnellstmöglich entladen werden um Standgebühren zu vermeiden. Per Lieferschein wird die Lieferung auf Vollständigkeit überprüft und nachgeschaut ob es sichtbare Beschädigungen gibt. Es folgt die Sortierung nach Artikelnummern, bevor die Ware einer Qualitätsprüfung unterzogen wird. Der SIP Scootershop ist beim Kraftfahrt Bundesamt als Hersteller verifiziert, was Teile mit KBA Nummern, Teilegutachten oder Artikel mit E-Prüfzeichen erst möglich macht. Dafür sind, abhängig vom Artikel, strenge Prüfkriterien einzuhalten. Meist sind das Stichproben aus der Lieferung die mit geeichten Messmitteln genau vermessen und gewogen werden müssen, dazu Sichtprüfungen und eine ausführliche Dokumentation.

Organisiertes Chaos

Als nächsten Schritt schlägt das System den optimalen Lagerort vor. Ausschlaggebende Kriterien dafür sind die Verkaufshäufigkeit und das benötigte Lagervolumen. Manche Artikel erhalten ein sogenanntes Picklager aus dem kommissioniert wird und ein Übermengenlager aus dem nachgefüllt wird. „Wir lagern unsere 60.000 Artikel nicht thematisch sondern chaotisch ein. Kurbelwelle liegt neben Zylinder liegt neben Kotflügel. Nur der Computer weiß, wo sich ein Produkt befindet. Mit einem finalen Scan verbucht der Mitarbeiter der die Ware einlagert den Zugang ins Lager. Ist uns der Artikel ausgegangen schaltet die Lageranzeige im Webshop von gelb (bestellt) auf grün (lagernd) um und wir können mit der Auslieferung beginnen. Kunden, die so einen Artikel im Rückstand hatten, werden nun direkt beliefert. Meist merkt man als Kunde aber gar nichts von diesen Abläufen und der Artikel bleibt einfach grün,“ erläutert Ralf Jodl abschließend.

Wer das Lager des Scootershops einmal live besichtigen will hat dazu am „Open Day“ die Chance. Jedes Jahr werden dort geführte Touren durch alle Bereiche des SIP Headquarters angeboten.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45675519 / Markt)