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Smarte Tools im Motorradgepäck

| Autor / Redakteur: Julia Baier / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Industrie 4.0 beeinflusst auch das Motorradfahren. Smarte Tools kommunizieren mit dem Fahrer und das Internet of Things kann einen sogar bis nach China bringen. Philipe Reinisch von Silkroad 4.0 kann ein Lied davon singen.

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Spannendes Thema im Motorradgepäck: Philipe Reinisch über seinen Technologietrip auf der Seidenstraße.
Spannendes Thema im Motorradgepäck: Philipe Reinisch über seinen Technologietrip auf der Seidenstraße.
(Bild: Viktoria Hahn/Vogel Communications Group)

Er ist startklar. In seinem schwarzen Motorradanzug sitzt er im Sattel. Den Helm samt Actionkamera auf dem Kopf, das Smartphone mit der Navigations-App in der Halterung. Und auch der Herzfrequenzmesser mit der dazugehörigen App ist aktiviert. Puh, schlägt ganz schön schnell. Die Gepäckhalterung ist voll beladen mit zwei großen Koffern. Der GPS-Tracker ist aktiviert und der Motor brummt. Voller Vorfreude auf seine Reise lässt er langsam die Kupplung kommen und gibt Gas.

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So ähnlich machte sich auch Philipe Reinisch auf den Weg auf eine außergewöhnliche Reise, über die er bei der Fachtagung „bike und business“ 2018 berichtet hat. Ausgestattet mit modernster Technologie startete der Österreicher im Mai 2018 in Wien. Auf seiner Honda Africa Twin legte er in sechs Monaten 18.000 Kilometer zurück und reiste durch 19 Länder. Er fuhr über die Seidenstraße nach China mit dem Ziel, den eurasischen Pol der Unzugänglichkeit zu erreichen. Dieser Punkt im Westen Chinas befindet sich 2370 Kilometer vom nächsten Ozean entfernt. Reinisch stellte sich die Frage, ob moderne Technologien überall auf der Welt verwendbar sind. Die Seidenstraße, die bereits vor 1500 Jahren zum Austausch von Technologien und Wissen diente, sollte heute im Zeitalter von Industrie 4.0 dafür wiederbelebt werden. So bekam das Projekt den Namen Silkroad 4.0.

Neben dem Testen digitaler Hilfsmittel hat sich Reinisch auf seiner Reise mit anderen Technologieexperten ausgetauscht und ein digitales Netzwerk aufgebaut. Seine Reise hat ihn an unglaubliche Orte gebracht und Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen beschert.

Wenn man mit einem Motorrad reist, hat man keinen Metallkäfig zwischen sich und der Natur. Man spürt den Regen, die Hitze und den Wind. Deshalb entscheiden sich viele Motorradfahrer dafür, über einen längeren Zeitraum mit ihrem Zweirad unterwegs zu sein. Laut dem IfD Allensbach unternehmen in Deutschland jährlich etwa 300.000 Menschen eine Motorradreise. Digitale Hilfsmittel können bei Reisen dieser Art ein hilfreicher Wegbegleiter sein.

Neue Technologien durch das IoT

Das Internet of Things – kurz IoT – spielt heute eine tragende Rolle. IoT ist ein Sammelbegriff für die Vernetzung und Interaktion von virtuellen Technologien untereinander und mit physischen Objekten sowie dem Menschen. „Smarte Technologie findet man mittlerweile überall“, so der IoT-Experte Philipe Reinisch. Sei es das Auto, das mit dem Schlüssel, oder das T-Shirt, das mit der Herzfrequenz-App kommuniziert.

Aber auch für Motorradtouren lassen sich die smarten Technologien nutzen, um das Reisen einfacher, sicherer und komfortabler zu gestalten. Schaut man sich heute ein Motorrad an, ist dieses kaum noch mit früher zu vergleichen. Eine Vielzahl unterschiedlichster Sensoren sind verbaut, die nicht nur untereinander sondern auch mit dem Fahrzeug und dem Fahrer kommunizieren.

Im Zusammenhang mit der Industrie 4.0 bieten sich neue Möglichkeiten. Intelligente Helme, die im Falle eines Unfalls den Notruf absetzen oder Headup-Displays, die Fahrern Informationen ins Auge spielen. In Zukunft wird man einige neue Technologien auf den Straßen sehen. So will beispielweise der Hersteller Cross-Helmet 2019 sogenannte 360-Grad Helme auf den Markt bringen. Der Fahrer soll dann mit Hilfe einer Kamera auf der Rückseite seines Helmes und eines Displays direkt vor seinen Augen, auf dem das Bild der Kamera live übertragen wird, wissen was um ihn herum geschieht.

In einem Punkt ist sich Philipe Reinisch sicher: „Immer mehr Geräte werden miteinander vernetzt werden und Daten generieren - was das Motorradfahren in der Zukunft noch sicherer, komfortabler und defektfreier gestalten wird.“

Philipe Reinisch hat für seine Reise spezielle IoT-Technik in seinem Motorrad verbaut - und auch mitgenommen - und sich die Frage gestellt: „Wie funktionieren diese modernen Technologien in der Praxis?“ Sein Lieblingstool bei der Reise war sein GPS-Tracker, über den seine Familie und Freunde immer seine aktuelle Position feststellen konnten.

Er hat außerdem beispielsweise die Konnektivität zum Internet und die Kommunikation mit dem Smartphone inmitten von Bergen, Wüsten und tropischen Umgebungen getestet.

Auf Social Media-Kanälen wie Facebook und Instagram war er während seiner gesamten Reise mit anderen Menschen vernetzt. So hat er auch immer wieder Videos von seiner Actionkamera auf seinem Helm mit der Community geteilt.

Das Smartphone als Allrounder

Sein Smartphone war Reinisch auf seiner Reise ein treuer Wegbegleiter. Die App „Global Monitoring“, die seine Position erkannte und ihm im Krisenfall eine Nachricht schickte, war beispielsweise im Iran sehr hilfreich. Aufgrund von Spannungen in der Gesellschaft sind Demonstrationen und Unruhen keine Seltenheit. Mithilfe der App konnte er im Krisenfall reagieren und bestimmte Gebiete meiden um so sicher sein nächstes Ziel zu erreichen.

Apps können das Reisen in vielerlei Hinsicht erleichtern und bequemer machen. So sind Navigations-Apps beispielweise in der Lage, Nutzer per GPS auf bis zu 1,5 Meter genau zu orten. Durch eine präzise Beschreibung der Route lassen sich Ziele leicht erreichen.

Aber auch bei der Organisation der Reise können Apps sehr hilfreich sein. Hotelübernachtungen etwa können bequem und schnell von überall aus gebucht werden. Allerdings ist man dabei immer auf sein Smartphone angewiesen. Vor allem unter extremen Witterungsbedingungen ist dieses jedoch nicht immer voll funktionsfähig.

Abenteuer Motorrad

Eine Erfahrung, die auch Philipe Reinisch im Zuge seines Projekts Silkroad 4.0 gemacht hat. An einem sehr heißen Morgen wollte er seine Reise auf der Seidenstraße fortsetzen. Mit Hilfe seines Smartphones wollte er noch schnell die Verkehrslage checken und die Navigation einstellen. Doch als er sein Smartphone aus der Tasche holte, kam die böse Überraschung. Auf dem Display wurde die Meldung „Temperature. iPhone needs to cool down before you can use it” angezeigt. Sein Handy war außer Betrieb. Das Abenteuer Motorrad schrieb am nächsten Kapitel.

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