So wird das was mit dem Stromstoß für Scooter

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 17/2018/II), Folge 591: Am vergangenen Freitag philosophierte ich an dieser Stelle – festgemacht an der derzeit zu beobachtenden Modellflut vieler Hersteller – über die aktuellen Marktchancen von Elektrorollern in Deutschland. Die Reaktion vieler Leser...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Business Media)

...zu diesem Thema ließ nicht lange auf sich warten. Viele Branchenexperten sehen die Akzeptanz für diese Form der Zweiradmobilität überwiegend (noch) skeptisch, vor allem im 50er Bereich. Einer davon ist Stefan Schrahe: „Ich glaube, dass die 45 km/h-Roller sich hierzulande nicht durchsetzen werden. Für Pendler sind sie keine Alternative, da einfach zu langsam. Strecken, die man mit einem solchen Fahrzeug zurücklegen kann, kann man auch mit dem Pedelec fahren. Und ansonsten steht man sich an roten Ampeln die Reifen platt. Auf den Radweg darf man – anders als in Holland – nicht mit den Rollern. Auf Landstraßen aber oder generell überall da, wo schneller als 60 km/h gefahren werden darf würde ich mich auf so ein Fahrzeug auch nicht begeben. Das wäre mir viel zu gefährlich. Auch meinen Kindern würde ich das nicht erlauben. Keine guten Aussichten also für die 45 km/h-Elektroroller.

Marktchancen hätte vielleicht ein Roller, der 90 km/h fahren würde und dabei mindestens 80 Kilometer Reichweite hätte. Dann müsste aber das Batteriepackage zumindest teilweise herausnehmbar und im Büro aufladbar sein. Allerdings würde ein solches Fahrzeug wahrscheinlich wieder zwischen 7.000 und 10.000 Euro kosten...“

Dass es auch anders geht, etwa durch den liberaleren Zugang zum Führerschein, zeigt das Beispiel unseres Nachbarlandes Österreich. Roland Mösl schrieb mir: „Ich habe 2006 bis 2012 einen 35.000-km-Dauertest von zwei Elektrorollern durchgeführt. Das 45 km/h-Limit ist ein Witz. Der Zugang bis 11 kW ist in Deutschland mit großen Hürden verbunden. In Österreich hingegen gibt es den B111-Führerscheineintrag. Erforderlich sind sechs Stunden Fahrtraining mit einer Gruppe, das hat mich 2008 150 Euro gekostet, dann bekommt man in Österreich einen neuen Führerschein namens Code 111 für Zweiräder bis 11 kW Leistung. Wahnsinn! Jetzt ist es schon fast zehn Jahre her, dass ich der erste in Österreich war, der sein Fahrtraining für 111 auf einem Elektroroller absolviert hat. Mehr Infos siehe hier. Kleine Ergänzung: Wer jetzt glaubt, 11 kW seien sehr wenig, der täuscht sich. Im Typenschein ist die Dauerleistung eingetragen. Vor zehn Jahren aktuell war die Vectrix, 20 kW Spitzenleistung, Beschleunigung etwa wie ein 400-cm³-Benzinroller, aber als Dauerleistung waren bescheidene 3.7 kW eingetragen. Ein einfacherer Zugang für Roller bis 11 kW Dauerleistung ist der Schlüssel, um aus Elektrorollern einen großen Marktrenner zu machen!“

Was meinen Sie? Taugt das österreichische Modell für Deutschland? Und warum tut sich unsere Zweiradlobby so schwer, bei den Politikern Gehör für eine Liberalisierung des Führerscheinzugangs zu finden? Sind es die Schlagzeilen über die vielen Motorradtoten an den bisherigen Saisonstartwochenenden, welche die Szenevertreter verstummen lässt? Schreiben Sie mir Ihre Meinung (stephan.maderner@vogel.de) oder kommentieren Sie am Ende dieses Artikels.

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