Das Internet kann zwar verkaufen, aber nicht reparieren

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 6/2018/II), Folge 570: Leider steht wie erwartet in dem 177seitigen Papier des GroKo-Vertrags im Bereich Verkehr der Zukunft (siehe unser Newsletter) kein Sterbenswörtchen über Motorräder oder Zweiräder drin. Die Politik spielt in der Diskussion über die Zukunft der Branche keine Rolle. Und so geht die Debatte darüber, vor welche Herausforderungen die fortschreitende Digitalisierung die Motorradhändler und -werkstätten stellt...

...ohne Merkel, Schulz und Seehofer in die nächste Runde. Die Bedrohung der traditionellen Motorradhändlerszene wird von vielen Branchenplayern gerne am Internet festgemacht. Die fortschreitende Digitalisierung mit dem gefühlt nicht zu stoppenden Vormarsch des Online-Shoppings mache die Preise kaputt und forciere das Händlersterben auf breiter Front. Die Furcht geht um, dass die klassischen Motorradfachhandelsgeschäfte das Schicksal der Kollegen vom Mode- oder Textileinzelhandel oder der Elektronikfachgeschäfte ereilen könnte, wo viele Betriebe in den vergangenen Jahren ihre Türen für immer schließen mussten.

Nicht ganz so schwarz in Sachen Internet sieht dagegen ein Werkstattmann: Glücklicherweise könne das Internet zwar verkaufen, aber nicht reparieren. Leute, die noch einen Vergaser zerlegen können, würden bald gesucht sein. Es gibt diesbezüglich noch genügend Fahrzeuge zu reparieren und zu warten. Auf der Facebook-Seite von »bike und business« schildert er folgenden Fall: „Habe heute wieder zwei Fahrzeuge hier gehabt, an denen sich die Blackbox-Jugend die Zähne ausgebissen hat: einmal Kurzschluss im Zündabschaltkabel (drei Werkstätten erfolglos) sowie einmal einen CVT-Trieb abgestimmt (zwei Werkstätten erfolglos). Klar, Neufahrzeugverkauf, das ist echt ein Abgrund für sich, Zubehör sowieso. Die Kunden werden immer mehr im World Wide Web einkaufen gehen. Aber mir soll's recht sein, ich brauche keine Gewährleistung mehr zu geben, wenn die Leute irgendwas anschleppen. Die wahre Kunst ist das Handwerk und das wird uns keiner nehmen, auch Youtube nicht.“

Dass die Werkstattkompetenz nicht vom Himmel fällt, beobachtet ein anderer Branchenkommentator: „Der Mechaniker, der vor einer R100 mit dem Diagnosetester steht, entspricht tatsächlich dem Bild des heutigen „Durchschnitts“- Mechanikers. Peinlich. Wobei ich sagen muss, dass man die alte Technik nur in der eigenen Werkstatt lernen kann. Bei der neuen Technik und wie sie funktioniert lassen die Hersteller die Werkstätten größtenteils im Unwissen. Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit Motorrädern und habe fast alles kennengelernt. Aber auch ich lerne immer noch dazu. Die Abfrage des Fehlerspeichers nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie das Gemisch aufbereitet wird.“

Was meinen Sie? Welche Rolle spielt der technisch kompetente, erfahrene Zweiradmechaniker in Sachen Zukunft des traditionellen Motorradbetriebs mit oder ohne Verkauf, aber angeschlossenem Servicestützpunkt oder einer (Reparatur)-Werkstatt? Oder sind die mit allen Wassern gewaschenen Werkstatthasen eine aussterbende Spezies?

Fit for future?

Ein probates Mittel, sich als Motorradhändler oder Freie Werkstatt auf den Leistungsprüfstand zu stellen und den Grad seiner Zukunftstauglichkeit feststellen zu lassen, ist die Teilnahme am Award „Motorradhändler des Jahres“. Neu ist das Bewerbungsprocedere, welches - und da sind wir wieder beim Online-Fortschritt - dieses Jahr komplett digital erfolgt, falls man das möchte. Probieren Sie es hier doch einfach mal aus. Die erste Bewerbungsrunde läuft noch bis zum 6. April. Nutzen Sie noch die (relative) Winterruhe und machen Sie sich fit für die Zukunft. Denken Sie daran: Teilnahmeberechtigt sind Betriebe aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Benelux und Südtirol sowie auch Freie Werkstätten (denen eine eigenen Kategorie gewidmet ist).

Und wenn Sie als Hersteller, Importeur oder Lieferant einen sehr guten Händler kennen, der Ihrer Meinung nach zu den Besten der Besten gehört, können Sie uns gerne hier Vorschläge unterbreiten.

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