Mit offenem Visier gegen Depression

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 20/2018/II), Folge 596: Das ist neu an der 1317 Jahre alten Geschichte Würzburgs, der mit rund 130.000 Einwohnern sechstgrößten Stadt Bayerns: Bekannt ist die unterfränkische Metropole für ihren herausragenden Wein, ihren vielen wissensdurstigen Studenten (jeder dritte Einwohner!) und ihren romantischen Bauwerken; nun mausert sich die Perle am Main auch noch zu einer Hochburg – ja, Sie ahnen es schon – der...

...deutschen Bikerszene. Am vergangenen Wochenende fand nämlich auf dem Bürgerbräugelände, einem angesagten Zentrum für Arbeit, Handwerk, Kultur, Gastronomie und Freizeit zum zweiten Mal das „Bikes & Bricks“-Festival statt. Initiator dieses höchst inspirierenden Events ist Christian Ebert vom gleichnamigen Motorradhaus (BMW, Honda, seit kurzem Indian) aus Höchberg (bei Würzburg) und Peter Bales (Rennsport-Promoter und Berater). Dieses Mal standen ihm zwei weitere Händlerkollegen aus der Region zur Seite: Tom Hemmerlein von hmf Motorräder aus Würzburg (Yamaha, Triumph, KTM, Piaggio) und Volker Witzel und Elmar Eck von Motorrad Witzel (BMW, Yamaha, Husqvarna) aus Sennfeld/Schweinfurter Hafen.

Das Programm konnte sich sehen lassen: Das Bürgerbräu in seinem natürlichen Vintage-Style war die beste Location, die es für ein Motorrad-Festival geben kann. Zwei tolle Tage mit tollen Bikes, leckerem Essen und toller Musik, zum Beispiel die Trz Hombrez der offiziellen ZZ Top-Tribute-Band. Man nehme: Fünf Pfund gut abgehangenen Blues, 800 Gramm Gitarrenriffs (extra scharf) und 3,5 Gallonen knochentrockenen Texas Shuffle mit viel fettigem Bass, dazu feine Filets der besten Songs von ZZ TOP, leicht abgewedelt von synchron schwingenden Gitarren. Das ganze zwei Stunden auf heißer Flamme gut durch kochen und lässig im bunten Scheinwerferlicht servieren. Fertig ist das „Hoodoo-Voodoo Boogie Chili“ und die After-Show zum unvergesslichen Partyerlebnis.

Die 87 Bar empfing die Biker der Region im Ace Café Racer Style: Irgendwo zwischen Sonnenschirm und Kabeltrommel, gleich neben der Backsteinwand, die auf einem rauen Betonboden fußt. Am Whisky-Stand floss das flüssige Gold durch allzu trockene Kehlen. Die Frisur sitzt und der Bart ist getrimmt? Wenn nicht: Mr. Barbier war mit einem Stuhl vor Ort!

Das Schöne am Bikes and Bricks-Festival war aus meiner Sicht, dass sich hier drei Händler aus der Region zusammenfanden, um der lokal versammelten Kundschaft das Bikevirus einzuimpfen. Kein Konkurrenzdruck, kein Neid, keine Angst vor Wettbewerb. Alle drei beteiligten Händler identifizierten sich voll und ganz mit dem Event: Kein Futterneid, kein Beißen und Kratzen oder schlecht machen. So muss das sein: Kräfte bündeln und die Motorradlust unter den Menschen in der Region gemeinsam befeuern.

Neu war 2018 außerdem die #Fellows-Ride Sternfahrt mit Biker-Frühstück und der Motorradgottesdienst am Sonntag für alle suizidgefährdeten Jugendlichen. Motto: Mit offenem Visier gegen Depression! Pfarrer Niko Natzschka, der außerdem Präsident des Rotary-Clubs Würzburg ist, und die Lobpreisband sowie TV-Schauspieler Simon Licht zelebrierten eine Motorradmesse mit anschließender Biker- und Bikesegnung. Zur Aufführung bei diesem außergewöhnlichen Gottesdienst kamen Lieder wie „Born to be wild“ von Steppenwolf (vom Band), live gesungen wurde dagegen „Tears in heaven“ von Eric Clapton und die christlichen Lieder „Ins Wasser fällt ein Stein“ und „Möge die Straße uns zusammenführen“. Leider konnte der Mitinitiator der Aktion, Dieter Schneider, krankheitsbedingt nicht an dieser Messe unter freiem Bikerhimmel teilnehmen.

UMFRAGE
Zukunft des Motorradrennsports – in der Autofahrerhochburg Deutschland führen internationale Motorradrennsport-Großevents ein Schattendasein.
Bitte kreuzen Sie alles Zutreffende an!
Foto: Yuasa

Der Rennsportzirkus ist auf Dauer zu teuer für den Standort Deutschland und nicht mehr finanzierbar.

18 %

Die Motorradevents verlagern sich in die „Emerging Markets“ Asien und Südamerika.

15 %

Die Motorrad-Fanbasis ist stabil – Moto-GP und IDM haben auch in Zukunft eine sichere Heimat in Deutschland.

61 %

Moto-GP, IDM & Co. erleben hierzulande eine Renaissance.

6 %

Neben coolen Motorrädern der drei ausstellenden Händler waren weitere bekannte Unternehmen aus der Zubehör- und Customizingszene an Bord: zum Beispiel Wunderlich, Dr. Jekill & Mr. Hyde, Bell, Tizoma, Urban Drivestyle und Twist Rides. Gut auch, dass immer mehr nicht originäre Motorradplayer wie Allianz, Malteser oder der ADAC als Sponsoren betätigen und das Event unterstützen. Das Wetter spielte bis zum Sturzregen, der eine Stunde vor dem offiziellen Ende am Sonntag auf das Festivalgelände niederprasselte, grandios mit. Bleibt zu hoffen, dass dieses Bikeprojekt in Würzburg auch 2019 eine Fortsetzung finden wird. Getreu der dritten Strophe des Mogo-Abschlussliedes: „Bis wir uns mal wiedersehen, / hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt. / Er halte dich in deinen Händen, / doch drücke seine Faust dich nie zu fest.“

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