Schilderwald und grüne Reglementierungswut

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 24/2018/I), Folge 603: Ich liebe Debatten, vor allem wenn sie über gesellschaftspolitische Missstände geführt werden, noch dazu...

..wenn sie die Zweiradbranche direkt oder indirekt betreffen. Wir brauchen den konstruktiven Austausch von Argumenten, die das Für und Wider einer Sache beleuchten und Entwicklungen präzise analysieren. Ein fleißiger Speedlog-Leser und (Meinungs-)Lieferant von profunden Perspektiven ist Frank Eberhart, Dipl. Wirtsch. Ing. und Geschäftsführer von Rampserger Automobile in Kirchheim/Teck: „Hallo Herr Maderner, heute schreibe ich Ihnen wieder einmal – angeregt von Ihrem Newsletter und meinen (Motorrad-)Erfahrungen an den vergangenen, schönen Wochenenden.

Der „Good-Neighborhood-Schalter“ für Motorradfahrer?

Der „Good-Neighborhood-Schalter“ für Motorradfahrer?

08.05.18 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 19/2018/I), Folge 593: Die Frage, ob die geplante Einführung des Begleiteten Fahrens mit 16 der Sargnagel für den Mopedschein/A1 sein könnte, bewegte... lesen

Weniger das Hauptthema „125er“ erregt das Gemüt – das sehe ich als Vater eines fünfzehneinhalbjährigen Sohnes, der die Tage bis zur KTM Duke 125 kaum mehr aushält, nicht kritisch. Auch ich denke, dass in dem Alter doch die persönliche Freiheit mehr zählt als in Begleitung der Eltern Autofahren zu können.

Nein, der „Good-Neighborhood“-Schalter war der Auslöser für das Bedürfnis, Ihnen zu schreiben. Ich habe gerade eine Harley gekauft und ärgere mich über den nicht vorhandenen Seriensound. Das bekommen andere besser hin (Ducati, KTM). Viel dramatischer ist dann allerdings der Ausweg. Das Dreigestirn Kess, Jekill & Hyde und Penzl bietet ab 2.600 Euro aufwärts Klappenauspuffanlagen an, die den Sound zurückbringen. Wunderbar.

Allerdings sind diese offen derart laut, dass man in von Sperrungen gefährdeten Gebieten wie z.B. dem Lautertal sicherlich große Freude empfindet, wenn der Harleyclub mit geöffneten legalen Brüllrohren einfällt – das ist einfach des Guten zu viel.

Unsere grüne Landesregierung in Baden-Württemberg geht derweil einen anderen Weg. Statt Streckensperrungen setzt man auf konsequentes Spaßbremsen durch Schilderwald. Nachdem mit selten erlebter Konsequenz nahezu jede Ortsdurchfahrt auf 30 km/h limitiert und mit Blitzern vermint wurde, geht’s nun seit geraumer Zeit an die Landstraßen. Wo jahrzehntelang 100 km/h das richtige Limit waren, scheinen nun, bei dramatisch verbesserter Technik (Fahrwerke, ABS, Sicherheitssysteme, Protektoren, von den Assistenzsystemen bei Pkw ganz zu schweigen) 70 km/h das Maß aller Dinge zu sein. Egal, wo man fährt, besonders die attraktiven Motorradstrecken verlieren so jeden Reiz. Als zusätzliche Bremsen werden großzügig Überholverbote neu ausgeschildert und Mittellinien durchgezogen. Nebeneffekt: Durch die ständige Blitzüberwachung fahren die Rentner noch langsamer, wo also früher 100 erlaubt waren, sind es nun 70, real gefahren wird 50 bis 60 und Überholen ist nicht erlaubt.

Wenn nun der erste grüne Bürgermeister in Freiburg die Wahl verliert, wird allerdings von der Presse nicht erwogen, dass die Menschen irgendwann die Nase voll haben von grüner Reglementierungswut, sondern vielmehr hätte die Realo-Politik von Herrn Kretschmann die Fundis vergrätzt.

Nun mag man ja der Meinung sein, drastische Tempolimits seien besser als Streckensperrungen, und da gehe ich sogar mit. Spaß macht's aber auch keinen mehr.

Wie häufig diese massenhaft eingesetzten Limitierungsschilder zum Einsatz kommen, sieht man besonders schön, wenn man seit letztem Jahr sein Navi nicht mehr aktualisiert hat. Dann werden die alten Limits noch im Display angezeigt. Prominente Beispiele: Schwarzwaldhochstraße – alt 100, neu 70, Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen, Landstraße zwischen Holzgerlingen und Ehningen. Und wir fahren mit immer stärkeren Motorrädern (und Autos) immer noch langsamer…“ O-Ton Frank Eberhart Ende.

UMFRAGE
Zukunft des Motorradrennsports – in der Autofahrerhochburg Deutschland führen internationale Motorradrennsport-Großevents ein Schattendasein.
Bitte kreuzen Sie alles Zutreffende an!
Foto: Yuasa

Der Rennsportzirkus ist auf Dauer zu teuer für den Standort Deutschland und nicht mehr finanzierbar.

18 %

Die Motorradevents verlagern sich in die „Emerging Markets“ Asien und Südamerika.

15 %

Die Motorrad-Fanbasis ist stabil – Moto-GP und IDM haben auch in Zukunft eine sichere Heimat in Deutschland.

61 %

Moto-GP, IDM & Co. erleben hierzulande eine Renaissance.

6 %

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der scheinbar ungebremst wachsenden Regulierungswut der Politiker, welche die Freiheiten der mobilitätsverliebten Bürger auf Teufel komm' raus beschneiden? Ist es mal wieder Zeit für einen medialen Proteststurm? Für eine Online-Petition? Für eine Sternfahrt mündiger Motorrad- und Autofahrer nach Berlin? Wie lange müssen wir uns die Gängelung durch eine immer restriktivere (Verkehrs)-Politik noch gefallen lassen? Fundierte Eingaben an den Petitionsausschuss der deutschen Bike-Branche wie immer an mich!

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