Der letzte Moto-GP in Sachsen?

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 28/2018/II), Folge 612: Wenn am kommenden Wochenende die globalen Rennsportidole der Moto-GP auf dem Sachsenring...

...ihre Runden drehen, könnte dies tatsächlich das letzte Grand-Prix-Rennen auf sächsischem Boden gewesen sein. Aus, Schluss und vorbei, dass Valentino Rossi und Marc Marquez in Hohenstein-Ernstthal am Kabel ziehen? Ein Fiasko bahnt sich an: Vor kurzem gab der ADAC, der vom Moto-GP-Vermarkter Dorna bis 2021 die deutschen Austragungsrechte für das Rennsportevent erhalten hat, bekannt, dass die Verhandlungen zwischen dem Verein, der Sachsenring-Rennstrecken-Management GmbH (SRM) und der sächsischen Staatskanzlei gescheitert seien. Man halte bereits nach alternativen Austragungsstätten Ausschau. Laut dem Sport-Informations-Dienst (SID) könnte der Nürburgring Favorit für das renommierte Zweiradrennen auf deutschem Grund sein, obwohl der Kurs derzeit keine Grade-A-Homologation der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) besitzt. Auch mit den Betreibern vom Hockenheimring laufen Gespräche. Wer bietet mehr? Wie wär's mit dem Eurospeedway Lausitz oder der Motorsportarena Oschersleben?

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer jedenfalls will noch einmal einen letzten Versuch starten und das Rennen am Sonntag persönlich besuchen. In einem TV-Interview hat er signalisiert, dass seine Hand für eine positive Lösung ausgestreckt bleibe. Der Motorrad-Zirkus gastiert seit 1998 jährlich auf dem Sachsenring, das Rennen war bis dato ein stimmungsvoller Zuschauermagnet. Mit dem Aus für das Traditionsrennen würde auch ein Stück deutsche Motorsportgeschichte zu Ende gehen. In den vergangenen Jahren kamen zuverlässig immer rund 200.000 Besucher an den Sachsenring und sorgten in den umliegenden Kommunen für Reibach, kolportiert wird die Zahl von etwa 20 Millionen Euro. Trotzdem hat der veranstaltende SRM Zeitungsberichten zufolge 2017 knapp eine Million Euro Verlust gemacht. Es geht ums Geld, wie immer. In die Röhre gucken am Ende die wahren Rennsportfans.

UMFRAGE
Zukunft des Motorradrennsports – in der Autofahrerhochburg Deutschland führen internationale Motorradrennsport-Großevents ein Schattendasein.
Bitte kreuzen Sie alles Zutreffende an!
Foto: Yuasa

Der Rennsportzirkus ist auf Dauer zu teuer für den Standort Deutschland und nicht mehr finanzierbar.

18 %

Die Motorradevents verlagern sich in die „Emerging Markets“ Asien und Südamerika.

15 %

Die Motorrad-Fanbasis ist stabil – Moto-GP und IDM haben auch in Zukunft eine sichere Heimat in Deutschland.

61 %

Moto-GP, IDM & Co. erleben hierzulande eine Renaissance.

6 %

Was glauben Sie? Hat der Motorradrennsport in der Autofahrernation Deutschland noch Zukunft? Bekanntermaßen kämpfen ja auch andere Formate, zum Beispiel die IDM-Rennserie mit überarbeitetem Konzept, um neue Fans und Relevanz. Denn längst spielt die Musik andernorts viel lauter – in den „Emerging Markets“, den aufstrebenden Märkten in Asien oder in Südamerika. Schon seit geraumer Zeit brennen exotische Schauplätze wie Chile, Brasilien, Bulgarien, Indonesien darauf, einen eigenen Grand Prix auszurichten. Nun kommt im Oktober 2018 der Chang International Circuit in Thailand zum Zug.

Was glauben Sie? Rentieren sich die Millionen, die in die Rennspektakel auf deutschem Grund fließen? Gibt es einen Return-on-invest der eingesetzten Gelder in Form von steigenden Motorradverkäufen im Handel? Werden etwa nur die ehrgeizigen Ziele der Forschungs- und Entwicklungsabteilung befriedigt, rennsportrelevante Erfindungen verkaufsargumentefördernd in die Serienproduktion einfließen zu lassen? Geht es am Ende vielleicht gar nur um den Erhalt einer liebgewonnenen Managertradition der Petrolheads?

Was ist zu tun, um dem Motorradrennsport, der hierzulande – im Vergleich zu anderen Zweiradnationen wie Spanien oder Italien – schon immer eher ein Schattendasein führte (eben bis auf das seit 1927 unbeugsame Motorradfanatiker-„Dorf“ Ernstthal-Hohenstein), wieder ins Sonnenlicht zu führen? Wie immer freue ich mich auf Ihre Lösungsvorschläge, Kommentare und Analysen zum Thema. E-Mail me. Die aktuelle Online-Umfrage auf unserer Homepage widmet sich aus gegebenen Anlass auch dem Thema. Feel free to complete it.

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