BMWs Werk und Zweiradmeisters Beitrag

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 49/II), Folge 651: Wagen wir im heutigen Speedlog mal einen eher unüblichen Medienbruch. Lenken wir die Aufmerksamkeit auf einen Artikel in der »bike und business«-Printausgabe 11-12/2018. Dort erzähle ich die Geschichte vom "Kümmerer mit dem großen Herz für Weiß-Blau". Als aufmerksamer Leser von »bike und business«, des führenden Fachmagazins...

für die Motorradbranche; übrigens dem wirklich einzigen und originalen aus Würzburg! Doch lassen wir das, mit dem Finger auf einen Wettbewerber zu zeigen, der diesbezüglich schon mal gerne irre"führend" argumentiert - konzentrieren wir uns lieber auf das Wesentliche, auf die hier zur Diskussion stehenden Seiten 56 bis 60 der besagten »bike und business«-Ausgabe. Dort beschäftigt sich mein Artikel über die aus BMW-Händlersicht nicht gerade rosige Saison 2018. Als Quelle diente eine ausführliche Umfrage meinerseits unter den Partnern der Marke und einem gut anderthalbstündigen Interview mit Henning Putzke, dem Chef von BMW Motorrad Deutschland. Der Schuh drückte vor allem in puncto zu spät gelieferter neuer Modelle, Qualitätsmängel, wegen der Probleme in der Teileversorgung, wegen der zunehmenden Bürokratisierung oder dem enormen Druck durch die digitale Disruption. Wer den Artikel nicht kennt, sollte sich das E-Paper anschauen (dort kann man uns schick digital lesen). Nur kurz registrieren auf der Homepage und schon geht das moderne Lesevergnügen los.

Nach der Lektüre des Artikels sah sich ein Werkstattinhaber aus dem süddeutschen Raum (Name der Redaktion bekannt) motiviert, mir folgenden Leserbrief zu schreiben:

"Guten Tag Herr Maderner, lese gerade Ihren Bericht vom Kümmerer Putzke, der mit völlig BMW-untypischen Ideen die Bikewelt verändern will. Das Wirtschaftsstudium hilft da natürlich ungemein, aber das späte Geburtsdatum verhindert entsprechende Erfahrungswerte. Das, was er vor hat, mussten die japanischen Werke schon vor 30 Jahren leidvoll erfahren; es wird so nicht klappen. Solange der Händler immer nur unter Druck gesetzt wird, verliert er die Lust. Ständig neue Konzeptvorgaben und keine gute Marge - das geht nicht. Und nicht vergessen: die "alten" Händler werden gehen und ein neuer wird keinen Bankkredit aufnehmen, nur um sein Hobby zum Beruf zu machen. Das ging vor 30 Jahren schon schief. Bevor sich einer 300.000 Euro von der Bank holt, kauft er sich dafür lieber eine Wohnung, welche von der Bank eher finanziert wird als das Luftschloss BMW-Motorradhändler. Ich betreibe selbst eine kleine Motorradwerkstatt und verkaufe keine Neufahrzeuge. Und wenn ich dann vom BMW-Fahrer erfahre, was da abgeht, wenn er mit einer älteren Warze beim Flagshipstore auftaucht, wird klar, dass BMW verkaufen muss auf Teufel komm raus. Die tolle Qualität hatten Sie ja bereits gestreift in Ihrem Artikel. Der normale Händler hat da die Schnauze voll von Rückrufen und sonstigen hausgemachten Problemen der Spitzenmarke (beim Wasserboxer zuerst Rollenkette und beim neuen Modell 1250 endlich Zahnkette). Toll, das nenne ich mal eine Ingenieursleistung oder war's doch der Dipl. Ing.

Was alle Kunden bei mir unisono bemängeln, ist das Fehlen kleiner Werkstätten in der Fläche, wo Kunden beim Meister direkt antreten und nicht erst bei der netten Dame am Empfang einen Termin vereinbaren müssen, wenn sie mit dem Werkstattchef sprechen möchten. So, wie es früher üblich war. Bei mir klappt diese Art der Kundenbindung. Wunderbar, denn Motorradfahrer wollen kein Gesülze von diplomierten Marketingexperten mit tollen Konzepten sondern nur ihre kleinen Probleme gelöst bekommen. Vom Werkstattpersonal direkt, Auge in Auge. Also werden wir mal sehen, was der Diplom-Wirtschaftsingenieur mit reiner BMW-Brille so reißt. Meine Generation braucht kein Internet mehr, um Kunden zu bekommen. Ich bin nicht auf Facebook oder so und die wichtigste Telefonnummer bei mir ist das Festnetz. Bin sechs Tage die Woche in der Werkstatt und schaffe im Sommer locker 70 Stunden Arbeitszeit. Wenn man dann noch die Zeitdiebe eliminiert, läuft das Geschäft super." O-Ton-Leserbrief Ende.

Was halten Sie von den Branchenbemerkungen unseres Old-School-Werkstattinhabers? Pragmatismus oder Fatalismus? Eine vernünftige Mischung aus beidem? Auslaufmodell oder zukunftsfähig? Freue mich wie immer auf Ihre inspirierenden Antworten.

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