Suchen

Stefan Onken: „Am Ende machen wir alle dasselbe“

| Autor / Redakteur: Felix Dreifürst / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Stefan Onken hat sich schon in jungen Jahren für den Zweiradbereich interessiert. Der Motorrad-Chef von Matthies denkt schon lange über Landesgrenzen hinaus und versucht durch seine vielen Reisen die Branche noch besser zu verstehen und stößt dabei immer wieder auf etwas Neues.

Firma zum Thema

Stefan Onken: „Jenseits von digitalen Netzwerken spielt sich das Wichtige, das was zählt, immer noch hinter den Kulissen ab. Das Netzwerk bleibt.“
Stefan Onken: „Jenseits von digitalen Netzwerken spielt sich das Wichtige, das was zählt, immer noch hinter den Kulissen ab. Das Netzwerk bleibt.“
(Bild: Matthies)

„Das Wichtigste ist der persönliche Kontakt. Nur so kannst du Prozesse verstehen“, sagt Stefan Onken – Eine Aussage, die gerade in den letzten Wochen und Monaten wohl immer mehr an Bedeutung gewinnt. Stefan Onken ist jemand, der genau diese Meinung vertritt. Netzwerke sind seiner Ansicht nach enorm wichtig. „Nur so verstehst du was da draußen überhaupt abgeht“, sagt er. Der Geschäftsführer von Matthies betreut seit 2013 den Motorradbereich des Hamburger Großhändlers. Dabei führte ihn sein Weg über mehrere Stationen in die Hafenmetropole.

Geboren und aufgewachsen in Wilhelmshaven studierte Stefan Onken an der dort ansässigen Fachhochschule Elektrotechnik und Maschinenbau. Doch seine Verbindung zu Zweirädern existierte bereits vor dieser Zeit. In seinen jungen Jahren war er begeistert von der Rollerszene. Vorreiter in dieser Zeit war vor allem die Szene in England. Die erste Vespa fuhr er mit 18 Jahren. Heute besitzt er sechs verschiedene Maschinen. Darunter eine BMW R 90, eine Suzuki GR 500 und vier Roller. Ein Schmuckstück dieser Sammlung ist eine umgebaute Lambretta mit 43 PS. „Da hält kein Motorrad mit“, sagt Stefan Onken. Als großer Banksy Fan hat er verschiedene Motive des britischen Streetart-Künstlers auf seinen Roller übertragen.

Mit seinen ersten Schritten im Zweiradbereich bei Difi von 1995 bis 2002, verschlägt es ihn 2002 nach London. Dort sammelte Onken Erfahrungen als European Sales Manager bei Bike Alert. „Nach London gab es noch wenige Städte in Deutschland die wirklich interessant waren“, berichtet Onken. Er entschied sich letztendlich als echter Norddeutscher für Hamburg oder wie er mit einem typisch norddeutschen Dialekt sagt: „Hamburch“. Im Jahr 2004 heuerte er dann bei Matthies an. „Das Tor zur Welt“: So bezeichnet er, wie viele andere auch, die Hafenmetropole in Hamburg. Und es könnte nicht besser auf Stefan Onken zutreffen. Er sieht sich selber als „überzeugter Europäer“ der ständig auf der Suche nach neuen Erfahrungen ist. Durch seine Tätigkeit im Einkauf bei Matthies ist er 120 bis 130 Tage im Jahr im Ausland. Geschäftsziel Nummer 1: Asien. Bereits seit Mitte der 90er reist Onken privat wie auch geschäftlich durch Asien. „Damals war das noch anders, weil man die Reisen 3 Monate im Voraus minuziös geplant hat“.

Diese Reisen findet er immer wieder spannend. „Mir gefällt das. Du wirst mit Sachen konfrontiert, die außerhalb deiner Erwartungshaltung liegen“, sagt Onken. Neue Situationen können manchmal anstrengend sein, aber genau das Persönliche vor Ort sei das Reizvolle. „Je mehr du die Kultur verstehst, desto mehr verstehst du auch, wie du Prozesse umsetzen musst.“ Anfangs sei er noch sehr vorsichtig gewesen, sagt er. Doch seine Frau habe einen großen Einfluss darauf gehabt, sich anderen Kulturen viel mehr zu öffnen.

Internationalität spielt auch bei der Firma Matthies eine wichtige Rolle. Mittlerweile ist der Großhandel mit Polen, Spanien, England, Italien, Tschechien und den Niederlanden in sechs europäischen Ländern vertreten. „Am Ende machen wir alle dasselbe. Erst wenn du den Gegenüber verstehst, merkst du, wie ähnlich die Prozesse sind“, sagt Stefan Onken. Neben dem internationalen Charakter steht auch die Digitalisierung im Mittelpunkt von Matthies. Der Online-Katalog für Zweiräder mit dem Namen „Mike“ wurde bereits 1998 ins Leben gerufen. Herr Matthies selbst habe die Digitalisierung nach Onkens Ansicht wahnsinnig unterstützt. Seitdem ist der Leitspruch des Hamburger Unternehmens „Die Ware folgt der Information“. Über die Jahre ist Matthies zu einem führenden Anbieter für technische Artikel herangewachsen. 2004 gab es ein Angebot von 28.000 Produkten. Heute sind es bereits 120.000, betont Stefan Onken.

Die Branche steht seiner Meinung nach vor einem Umbruch. Technikteile bekommt man fast nur noch digital und Elektromobilität werde sich auch im Motorradbereich auf lange Sicht durchsetzen. Die Komplexität im Zweirad- und Autobereich treibt die Digitalisierung voran. Dabei wird es immer schwieriger das Persönliche aufrecht zu erhalten. Doch Stefan Onken ist sich sicher: „Jenseits von digitalen Netzwerken, spielt sich das Wichtige, das was zählt, immer noch hinter den Kulissen ab.“ Das Netzwerk bleibt. Wie auch Stefan Onkens Zuversicht.

(ID:46657646)