Suzuki GSX-S 750: Hoffnungsträger

Suzuki legt den Vorwärtsgang ein

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Elena Koch

Der Reihenvierer ist ein zugleich extrem kultivierter wie auch drehfreudiger Antrieb.
Der Reihenvierer ist ein zugleich extrem kultivierter wie auch drehfreudiger Antrieb. (Bild: Suzuki)

Suzuki überträgt mit der GSX-S 750 das erfolgreiche Konzept der GSX-S 1000 auf die Dreiviertelliterklasse und versucht, damit wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Kann das klappen?

An seinem Erfolgsbike der vergangenen zwei Jahre orientiert sich Suzuki bei der neuen GSX-S 750: Konzeptionell wie optisch ist das neue Mittelklasse-Nakedbike der etwas hubraum- und leistungsstärkeren GSX-S 1000 sehr ähnlich. Wie die größere Schwester stellt auch die Dreiviertelliter-Version die entschärfte und auch deutlich preisreduzierte Naked-Version des jeweiligen Supersportbikes dar, in diesem Fall der GSX-R 750. Deren gleich großes Triebwerk leistet 110 kW/150 PS, damit bringt sie gerade mal 190 Kilogramm auf die Waage. Die viel zivilere GSX-S 750 begnügt sich mit 84 kW/ 114 PS, das Leergewicht steigt nicht zuletzt wegen der Verwendung von Stahl statt Alu für Rahmen und Schwinge auf 213 Kilogramm. Dafür sinkt der Preis um rund vier Tausender auf 8.890 Euro. Getreu dem Einliter-Vorbild soll sie starke Zahlen schreiben.

Raus aus dem Zulassungstief

Und die braucht Suzuki, denn fast ein Jahrzehnt ist die Marke in Deutschland schon im Rückwärtsgang unterwegs. Ende 2006 waren die „Blauen“ noch Mitglied des zulassungsstärksten Trios in Deutschland. Wie BMW und Honda, so brachte auch Suzuki damals mehr als 20.000 Motorräder neu in den deutschen Markt. Ende 2016 lag die BMW-Zahl etwa zehn Prozent höher als ein Jahrzehnt zuvor, Honda hat sich – wie auch mehrere andere Hersteller – nach einem längeren Zwischentief wieder berappelt und kam zuletzt wieder auf 13.000 Einheiten, bloß Suzuki fährt noch immer im Rückwärtsgang. Die gerade mal 6.700 Zulassungen entsprechen nur noch einem Drittel des 2006er-Erfolgs und kaum mehr als der Hälfte der Honda-Zahlen vom letzten Jahr. Positiv in der Suzuki-Statistik aufgefallen ist zuletzt nur das 2015 neu gebrachte Nakedbike GSX-S 1000.

Jetzt also die ganz ähnlich gestrickte 750er. Ihr Reihenvierer basiert zwar auf einem schon 2005 konstruierten Motor, passt aber noch bestens in die Zeit: Er ist ein zugleich extrem kultivierter wie auch drehfreudiger Antrieb. Freilich fällt das maximale Drehmoment von 81 Newtonmetern erst bei 9.000 U/min an. Und das bedeutet, dass man fleißig schalten muss, um mit hubraumstärkeren Bikes mithalten zu können. Für sich betrachtet ist der Sportmotor aber klasse: Er läuft seidenweich, ruckt und zuckt nicht, nimmt also auch ohne aufwendige Installation diverser Motor-Mappings bestens Gas an und legt mit knapp über fünf Litern pro 100 Kilometer auch einen angemessenen Verbrauch an den Tag. Dass das Triebwerk die Euro-4-Norm erfüllt versteht sich von selbst. Nette, weil hilfreiche Kleinigkeiten sind die automatische Drehzahlanhebung beim Einkuppeln (senkt das Abwürge-Risiko beim Anfahren) und die Schnellstarteinrichtung: Anlasserknöpfchen einmal kurz drücken genügt, der Rest inklusive sofortigen Rundlaufs läuft automatisch ab, wie man das von Autos her kennt.

Trotz „Hüftgold“ macht das Nakedbike keine schlechte Figur

Das Fahrverhalten der Dreiviertelliter-Suzi ist sehr agil und zugleich gepflegt, sieht man mal vom reichlichen Spiel im Antriebsstrang ab. Das Fahrwerk mutet etwas sparsam an, denn die Kayaba-USD-Gabel ist, wie das Federbein, lediglich in der Vorspannung verstellbar. Doch dank sorgfältiger Abstimmung kann man mit diesen Komponenten ganz gut leben. Sowohl beim sportlichen Angasen wie in der Komfort-Disziplin darf man zufrieden sein. Eine vorzügliche Leistung liefert die Nissin-Frontbremse: sie ist fein dosierbar und agiert zupackend, ohne allzu aggressiv zu sein. Das ABS geht unauffällig zu Werke. Ebenfalls überzeugend arbeiten die dreistufige Traktionskontrolle und die Bridgestone Hypersportreifen vom Typ S 21; ihnen verdankt die 750er wohl ihre prächtige Agilität und auch reichlich Grip, so dass wir die hohe Schräglagenfreiheit auch bei nur 10 bis 15 Grad im kühlen Andalusien nutzen konnten. Die insgesamt harmonische Abstimmung der fürs entspannte Fahren entscheidenden Komponenten lässt die 750er Suzi handlicher erscheinen als man angesichts ihres vergleichsweise hohen Gewichts von 213 Kilogramm erwartet; gegenüber den wichtigsten Konkurrenzmodellen – Kawasaki Z 900, Triumph Street Triple und Yamaha MT-09 – schleppt die GSX-S rund 20 Kilogramm „Hüftgold“ mit herum. Eine schlechte Figur macht sie deshalb aber nicht.

Die Ausstattung ist nicht überbordend, sondern eher zweckmäßig. Das monochrome LC-Display im Cockpit ist klar gegliedert und weist alle wichtigen Anzeigen inklusive Gangwahl auf, aber der Balken-Drehzahlmesser ist nicht gerade leicht ablesbar; die Einstellungen am Bordcomputer erfolgen mittels Taster links am Lenker. Die Sitzposition kommt Fahrern bis etwa 1,85 Metern entgegen, noch Größere könnten sich am dann engen Kniewinkel stören. Angesichts des stimmigen, dicht an der Tausender liegenden Designs und der ganz überwiegend erfreulichen Qualitäten der GSX-S750 darf man erwarten, dass das Nakedbike am Ende des Jahres auch in der Suzuki-Zulassungsstatistik eine gute Figur machen wird.

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