Österreichische Forscher machen Motorradfahren sicherer

Erfolgreicher Abschluss des Forschungsprojektes „viaMotorrad"

| Redakteur: Melissa Mager

Die speziell präparierte KTM 1290 Super Adventure sammelt während der Fahrt sicherheitsrelevante Daten.
Die speziell präparierte KTM 1290 Super Adventure sammelt während der Fahrt sicherheitsrelevante Daten. (Bild: AIT/Zinner)

Das Forschungsprojekt „viaMotorrad“ hat eine neuartige Messmethode entwickelt. Sie dient als Grundlage zur Reduzierung von Unfällen dienen. Ein speziell präpariertes Motorrad mit diversen Sensoren sammelte während der Fahrt Daten aller Art. Sie sollen helfen, das Motorradfahren sicherer zu machen.

Seit Jahren sinkt die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle in Österreich. Während 2007 noch 686 Menschen bei Verkehrsunfällen starben kamen 2018 nur 400 Menschen auf Österreichs Straßen ums Leben. Dies ist zwar der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, aber die Zahl der schwerwiegenden Motorradunfälle ist im gleichen Zeitraum weiter gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Unfall mit einem Motorrad zu erleiden, ist immer noch viel höher als mit einem Auto. Komplexe Fahrdynamik und Fahrphysik führen zu Fahrfehlern, besonders bei unerfahrenen Bikern. Diese Fehler ziehen schwerere Unfälle als mit dem Auto nach sich, da dem Zweirad die schützende Außenhülle oder Knautschzone fehlt.

MoProVe: ein Hightech-Bike für die Sicherheit von Zweirädern?

Um die Ursachen von Motorradunfällen besser zu verstehen, haben die Verkehrssicherheitsexperten des Austrian Institute of Technology's (AIT) Center for Mobility Systems, zusammen mit Wissenschaftlern des Instituts für Mechanik und Mechatronik der TU Wien, im Rahmen des Forschungsprojekts „viaMotorrad" das „Motorcycle Probe Vehicle“ (MoProVe) entwickelt. Es handelt sich um eine KTM 1290 Super Adventure, die für den Einsatz auf der Straße zugelassen ist. Sie wurde zu einem leistungsstarken Messfahrzeug mit hochpräzisen Sensoren und Videosystemen umgebaut. Ihre Seitenkoffer wurden mit einer Technologie ausgestattet, die jede Sekunde den genauen Zustand des Motorrads erfassen.

Die Auswertung der analysierten Messdaten hat gezeigt, dass es riskante Straßenabschnitte im österreichischen Straßennetz gibt, die man bereits vor einem Unfall eindeutig identifizieren kann. In der Vergangenheit wurden vor allem aufgrund der Unfallhäufigkeit Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Motorrädern ergriffen. Mit dem MoProVe soll die Sicherheit heute proaktiv erhöht werden können.

Durch wiederholtes Fahren des MoProVe auf ausgewählten Straßen werden unter anderem Daten über Fahrdynamik, Fahrstrecke und Streckenführung gesammelt. Diese Daten werden dann mit externen Variablen wie Wetter, Verkehrsaufkommen und Streckenumgebung ergänzt und mit einem neuartigen maschinellen Lernverfahren analysiert. Die Ergebnisse zeigen Straßenabschnitte, die für Motorradfahrer besonders riskant sind. Tatsächlich handelte es sich in der Vergangenheit oft um Unfallschwerpunkte, wie Vergleiche mit sogenannten „Road Safety Inspections" gezeigt haben. Somit können Vorhersagen für mögliche Gefahrenbereiche in der Zukunft getroffen werden.

Sicherheit objektiv messen und Unfälle vermeiden

Die Arbeiten im Rahmen von „viaMotorrad" wurden nun erfolgreich abgeschlossen, sechs Motorradrouten wurden genutzt, um das Potenzial des Motorradsondenfahrzeugs in Bezug auf die mögliche Unfallverhütung zu verdeutlichen. Es liegt nun in der Kompetenz der Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden, Motorradrouten mit dem MoProVe testen zu lassen, um herauszufinden, wo sich in Zukunft Unfälle ereignen können und damit vorausschauend die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

Klemens Schwieger, Projektleiter und Verkehrssicherheitsexperte am AIT-Zentrum für Mobilitätssysteme: „Das MoProVe hat es ermöglicht, die Sicherheit objektiv zu messen. Neben der Geschwindigkeitsanpassung und der vorausschauenden Fahrweise ist es aus unserer Sicht entscheidend, dass wir eine Straße bekommen, die Fehler verzeiht. Denn schon die geringste Nachlässigkeit kann fatale Folgen haben. Darüber hinaus können einige Faktoren, wie z.B. die unzureichende Haftung auf der Straße, nicht im Voraus erkannt werden, auch nicht von den erfahrensten Motorradfahrern. Der Einsatz unseres Messfahrzeugs kann daher einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das Motorradfahren sicherer zu machen. Sie liefert dem Straßenbetreiber genau die Informationen, die er benötigt, um die Gefahr an diesen schwarzen Flecken effizient, nachhaltig und kostengünstig zu reduzieren und damit wiederum auch Leben zu retten.“

Das Projekt „viaMotorrad" wurde vom Verkehrssicherheitsfonds (VSF) des Bundesministeriums für Verkehr, Infrastruktur und Technologie (bmvit) gefördert.

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