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Terracust: Einfach App-gedreht!

| Autor / Redakteur: Lea Reuter / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Dein Display leuchtet: auf dem Bildschirm erscheint die Nachricht, dass in wenigen Tagen eine Rabattaktion bei dem Motorradhändler deines Vertrauens startet. Solche Apps mit individualisierten Werbebotschaften werden von TerraCust entwickelt und bieten allerlei Vorteile für Händler und deren Kunden.

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Uwe Schlote, Terracust: „Die Händler-App, die Kunden begeistert.“
Uwe Schlote, Terracust: „Die Händler-App, die Kunden begeistert.“
(Bild: J. Untch/»bike und business«)

Ein großer Mann mit langen, offenen Haaren in schwarzer Lederkombi, nennen wir ihn Jochen, kniet zufrieden vor seiner Yamaha MT 125. Mit großer Sorgfalt lässt er das Poliertuch über den glänzenden Ledersitz gleiten. Der 52-Jährige kann es kaum erwarten gleich mit seinen Kumpels loszuziehen. Plötzlich ertönt das Nachrichtensignal seines Handys. Auf dem Display leuchtet eine Push-Benachrichtigung seiner Motorrad-App auf: der Ausflug wurde wegen einer starken Gewitterwarnung abgesagt. Jochens Vorfreude verflüchtigt sich innerhalb weniger Sekunden. Er blickt durch das staubedeckte Garagenfenster und sieht bereits erste, dicke Tropfen. Enttäuscht klickt Jochen auf den Button seiner App und bestätigt, dass er die Information erhalten hat.

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Eine App, die individuelle Neuigkeiten mitteilt, welche den User interessieren und betreffen: etwa die Absage eines Motorrads-Ausflugs oder der nächste anstehende Ölwechsel am Fahrzeug. Das hat sich Uwe Schlote von Terracust zum Anliegen gemacht. TerraCust entwickelt Apps für Unternehmen, die individualisierte Benachrichtigungen an den Nutzer übermitteln und somit auch Vorteile für Händler mit sich bringen.

Schlote sieht die Händlervorteile – Kundengewinnung, Kundenbindung und Umsatzsteigerung – als wertvolles Resultat. Für ihn steht der Kunde im Mittelpunkt, den der Händler durch eine maßgeschneiderte App gewinnen und binden kann. Dies führt dann zur Steigerung des Umsatzes eines Unternehmens.

Der Geschäftsführer steht großen Datensammlungen skeptisch gegenüber und erklärt, dass drei Nutzerdaten ausreichen würden: Geschlecht, Alter und Postleitzahl. „Ich muss nicht wissen in welcher Straße mein Kunde wohnt“, so Schlote. Nachdem der Kunde seine Daten angibt, wählt er die Bereiche aus, an denen er kein Interesse hat. Nun kommt umgekehrte Psychologie ins Spiel. „Der Kunde gibt an, was er nicht möchte und was ihn nicht interessiert“, erklärt Schlote und fügt an: „Geschlecht, Alter, Postleitzahl und die Vorlieben: schon habe ich den Cocktail gemixt, der meinem Kunden schmeckt.“ Diese Vorlieben bestehen somit aus den Bereichen, über die der Nutzer keine Angabe gemacht hat. Durch die persönliche Auswahl der Desinteressen durch den User und die Selektion der Interessen durch die App entsteht der personalisierte Mix. Schlote ist sich sicher: „Wenn ich weiß was der Kunde will, kann ich die Werbebotschaft so einstellen, dass er sie liest.“

Jochen erhält eine neue Push-Benachrichtigung auf seinem Smartphone und ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Heute findet in umliegender Umgebung eine Motorradausstellung statt – der Tag ist gerettet.

Was könnten weitere Inhalte sein, die ein Unternehmen seinen Kunden über eine App vermittelt? Das wird am Beispiel einer App deutlich, die Terracust für ein Autohaus entwickelt hat: Der Kunde erhält Informationen zu den organisatorischen Belangen seines Fahrzeugs. Hinzu kommen weitere relevante Mitteilungen, wie die Fälligkeit der nächsten Inspektion, des nächsten Ölwechsels oder der nächsten TÜV-AU-Prüfung. Außerdem kann der Kunde einen Werkstatttermin über die App buchen. Es gibt noch weitere Optionen: Fahrzeuge mieten, einen Pannennotruf absetzen, ein Bußgeldrechner, Parkplatzfinder oder aktuelle Angebote des Autohauses. In diesem Beispielfall werden mehr als drei Daten angegeben: Postleitzahl, Erstzulassung, Kraftstoffart, Fahrzeugkategorie und -nutzung. Wenn der User wünscht, kann er außerdem persönliche Informationen wie E-Mail und Handynummer in der App hinterlegen.

Für Schlote steht fest, dass solche Apps für beinahe alle Zielgruppen interessant sind: ob Motorrad- oder Automobilmarkt, in Shopping Malls oder beim Pferdesport.

Laut Statista nutzen 28 Prozent der Smartphone-Besitzer in Deutschland ihr Gerät über eine Stunde täglich. Die durchschnittliche App-Nutzung am Tag liegt in den USA bei über zwei Stunden am Tag, ermittelt von comScore. YouGov gibt an, dass 22 Prozent der Smartphonebesitzer in Deutschland 13 bis 20 Apps installiert haben. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Apps eine gute Plattform für Händler sind, um mit Kunden in Kontakt zu treten.

Dirk Berlage, Motorradhändler aus Paderborn ist sich sicher: „Einen schnelleren Kontakt zu einem Kunden als über eine App kann man nicht erreichen.“ Die mobile Anwendung biete eine tolle Kommunikationsmöglichkeit für den Automobil- und Motorradhandel. Berlage kann sich eine App auch für seinen Motorradhandel vorstellen. Als großen Vorteil sieht er die Interessenselektion des Kunden sowie die Möglichkeit das Corporate Design des Unternehmens zu integrieren, um den Wiedererkennungswert beim Kunden zu steigern.

Auf die Frage, wie hohe Downloadzahlen erzielt werden, nennt Schlote ein Beispiel seines Autohaus-Kunden. Jeder Download wurde mit einer gratis Autowäsche belohnt. Alternativ könnten unter den ersten Downloadern Preise verlost werden, um einen Download schmackhaft zu machen. Händler sollten verschiedene Formen der Kommunikation berücksichtigen und versuchen, die neue App über mehrere Kanäle zu bewerben.

Jochen öffnet die App und sieht, dass viele seiner Biker-Kumpels zur Ausstellung kommen. Außerdem erscheint eine neue Benachrichtigung, der Winterreifenwechsel für seine Yamaha ist fällig. Er schwingt sich trotz des schlechten Wetters auf den Sattel und zieht los.

Jede Aktivität der Nutzer innerhalb der App wird an einen Server übermittelt. Somit wird das Nutzungsverhalten von App-Usern gespeichert und ausgewertet. Aus diesen Daten werden Analysen für Marketing und Vertrieb erzeugt. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können Marketingmaßnahmen schnell angepasst und individualisiert werden.

Eine, auf das eigene Unternehmen abgestimmte, App hilft Kunden zu binden oder neue Kunden zu gewinnen. Außerdem kann sie Neuigkeiten oder besondere Aktionen schnell an interessierte Kunden vermitteln. Der Kundenkontakt wird aufrechterhalten und sowohl Händler als auch Kunden profitieren.

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