Test BMW R 1200 R: Gut, besser, Roadster

| Autor / Redakteur: SP-X/Ulf Böhringer / Lena Hofbauer

Die für 2015 vollkommen erneuerte BMW R 1200 R überzeugt wegen ihrer Ausgewogenheit und Dynamik nicht nur im Sprint.
Die für 2015 vollkommen erneuerte BMW R 1200 R überzeugt wegen ihrer Ausgewogenheit und Dynamik nicht nur im Sprint. (Foto: BMW)

Die für 2015 vollkommen erneuerte BMW R 1200 R überzeugt wegen ihrer Ausgewogenheit und Dynamik nicht nur im Sprint.

Dass unverkleidete Motorräder auf kurvigen Landstraßen hohen Fahrspaß bieten, ist keine Überraschung. Da BMW die Fahrpräsentation Anfang Dezember 2014 in einem spanischen Kurvengewürm angesetzt hatte, war den Bayern die unmittelbare Anerkennung der angereisten Journalisten gewiss. Inzwischen wurden die Roadster mit dem wassergekühlten 125 PS-Boxermotor auch hierzulande ausgiebig getestet. Egal wie stark beladen die Roadster und wie das Geläuf beschaffen war: Für den Fahrspaß konnte es nur eine glatte Eins geben.

Mehr als allen anderen Boxer-Bikes hätte die Umstellung vom luftgekühlten auf den wassergekühlten Motor die Dynamik bei der R 1200 R beeinflusst. Anscheinend positiv. Denn mit 231 Kilogramm sei sie die leichteste Boxer-BMW, da nehme man die Mehrleistung von 15 PS klarerweise am deutlichsten wahr - 92 kW/125 PS/ stehen jetzt zur Verfügung. Vor allem das mächtige Drehmoment von 125 Nm sei es aber, das die Roadster bei Bedarf enorm nach vorne drückt – und zwar keineswegs erst in der Gegend von 6.500Touren wenn der Drehmoment-Bestwert anliegt, sondern bereits weit darunter. Schon zwischen 2.000 und 3.000 Touren schnalze die R 1200 R geradezu aus den Kurven heraus. Sofern die Sozia keine Einwände erhebt, sei das auch im Zweipersonenbetrieb in fast derselben Weise möglich, denn 70 Kilo mehr oder weniger scheinen diese BMW nicht zu beeindrucken.

Das Fahrverhalten sei dicht an der Perfektion angelangt: Agil einerseits, stabil sowohl in Kurven wie bei höchstem Tempo andererseits; auch die Seitenkoffer – egal ob leer oder beladen – sollen kein bisschen stören. Die Testmaschine ist – wie praktisch alle in Deutschland ausgelieferten Fahrzeuge dieses Typs – mit dem semiaktiven Fahrwerksregelsystem Dynamic-ESA ausgerüstet, das sich ganz vorzüglich in Szene setze und trotz vielfältiger Einstellmöglichkeiten einfach bedienbar sei. Alles, inklusive der Vorspannung des Zentralfederbeins, passiert auf Knopfdruck. Wer auf ruppigen Untergrund gerät, könne sogar in Fahrt auf „fliegender Teppich“ umschalten, und wer’s besonders eilig hat, klickt auf „Sport“, was die Dämpfung straffen soll.

Eine Macht sei die R 1200 R auch beim Bremsen: Kürzere Bremswege als mit ihr seien kaum realisierbar, und das bei einer vorbildlichen Stabilität. Die Auslegung der Dreischeiben-Bremsanlage (mit Teilintegral-System, bei dem der Handhebel auch auf die Hinterradbremse wirkt) mit radial angelenkten Bremszangen und Hinterrad-Abhebeerkennung beim ABS sei perfekt geglückt. Bedauern möge man lediglich, dass das ABS Pro mit der Zusatzfunktion „Kurven-ABS“ im Modelljahr 2016 bei der R 1200 R noch nicht verfügbar ist. Ansonsten sei die Roadster auf den absolut letzten technischen Stand.

Das Testbike überzeuge aber auch optisch. Die Style 1-Ausführung (350 Euro Aufpreis) mit rotlackiertem Rahmen, weißer Lackierung, rot-schwarzen Graphics und Gold eloxierten Bremssätteln, weißem Motorspoiler, Edelstahl-Tankblende und Cockpitblende „Pure“gülden lässt die Roadster schon im Stand so dynamisch wirken, wie sie sich tatsächlich fahre. Verschiedene Styles offeriert auch das große Zentralinstrument: Im vollständigen Modus (Style 0) können in den beiden Anzeigenbereichen die Fahrzeuginformationen individuell angeordnet oder angezeigt werden. Der sportliche Modus (Style 1) biete eine Balkenanzeige der Motordrehzahl, der touristische Modus (Style 2) reduziere den Informationsumfang und stelle die Geschwindigkeitsanzeige in den Mittelpunkt. Wer dies als Spielerei abtut, habe nur teilweise Recht, denn beim entspannten Bummeln in der tempobegrenzten Schweiz beispielsweise brauche man bei diesem superelastischen Triebwerk wirklich keinen Drehzahlmesser.

Wer mehr als nur Tagesausflüge unternehmen will kann auf das neu entwickelte Koffersystem zurückgreifen. Es lasse sich vorbildlich einfach bedienen, die silbermetallic lackierten Koffer sitzen eng am Fahrzeug und seien bestens nutzbar; Innentaschen von sehr guter Qualität sollen zusätzlich zu haben sein. Das identisch lackierte Topcase sei gleichermaßen funktional und harmoniere recht gut mit der Maschine (sofern man diese Eigenschaft den Heckbehältern überhaupt zuschreiben kann). Die Fahrstabilität werde durch das Topcase überhaupt nicht beeinflusst. Ein sehr gutes Stück sei der wasserdichte Tankrucksack: Passgenau gearbeitet und sehr einfach zu befestigen soll er sein.

Dass ein Navigationsgerät im Bereich des Lenkkopfs niemals perfekt untergebracht ist, weiß man; bei einem Nakedbike, das ja keine Scheibe bzw. Verkleidung aufweise, gibt es aber nun mal keine andere Möglichkeit. Die Bedienung sämtlicher Tasten, Wippen und Hebel sei einwandfrei, die Zuordnung logisch. Für wichtige Funktionen muss man sich vorteilhafterweise nicht durch ein voluminöses Menü zappen, sondern könne eine separate Taste nutzen. Diesbezüglich sei BMW fraglos führend. Sehr gut gelungen ist laut Tester auch das bestens sichtbare Tagfahrlicht, das die markante Form eines Knochens aufweist. Auch dem gegen Aufpreis erhältlichen Keyless Ride gebühre ein Lob, weil es den Tankdeckel in den Funktionsumfang der Schließanlage integriere. Ein besonders feines „Nice-to-have“ sei der Schaltassistent Pro: Für Gangwechsel genüge einfach „Fußeln“, die Kupplungshand bleibt in Ruhestellung – blitzschnelle Gangwechsel praktisch ohne Zugkraftunterbrechung seien gewährleistet. Auch das Herunterschalten „einfach so“ klappe bestens.

Man müsse sich mit Pingeligkeiten begnügen, wenn man die BMW R 1200 R kritisieren will: Ja, es gab schon unauffälligere Seitenkoffer-Befestigungen bei BMW als bei der Roadster. Und: Ja, es zieht kräftig oberhalb von 180 km/h. Aber das müsse so sein bei einem Nakedbike – außerdem könne man die R 1200 R ohnehin weit besser über die Autobahn prügeln als die meisten anderen „Nackten“. Wichtig ist, die richtige Sitzbank auszuwählen: Wer für die Seriensitzbank zu groß ist, müsse sich arg zusammenfalten. Aber auch das hat der Käufer selbst in der Hand.

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