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Testride BMW R 1200 GS

| Redakteur: Jan Rosenow

Die BMW R 1200 GS muss man nicht mögen. Man muss sie nur fahren

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Die schieren Ausmaße der GS sind fast schon einschüchternd, in Fahrt aber nicht mehr zu spüren.
Die schieren Ausmaße der GS sind fast schon einschüchternd, in Fahrt aber nicht mehr zu spüren.
( Archiv: Vogel Business Media )

Die BMW-Reiseenduro ist seit einer scheinbaren Ewigkeit das meistverkaufte Motorrad in Deutschland. Die Liebe der Deutschen zur rustikalen Maschine aus Berlin geht so weit, dass viele Leute sich nicht einmal vorstellen können, dass es andere Motorräder gibt und dass man mit ihnen sogar fahren oder, gottbewahre, verreisen könnte. Nein, für diese Leute kommt einfach nur eine BMW R 1200 GS infrage.

All das macht es natürlich leicht, sie zu verachten. Jedenfalls wenn man, so wie ich, auf klassische Optik und reduzierte Technik steht. Und etwas gegen Alukoffer und Verkleidungen hat sowie aus Prinzip gegen alles ist, worauf sich zu viele Leute einigen können, mit denen man sonst nicht viel gemein hat. Solche Vorurteile machen es schwer, das Motorrad dahinter zu erkennen.

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Wenn dann noch das Design alles tut, um einem die Annäherung zu verleiden (dieser Karl-Dall-Blick! Diese groben Detaillösungen! Dieser freiliegende Kabelverhau! Diese unerotische Oberflächenqualität!), dann geht einem das meistverkaufte Motorrad Deutschlands einfach am A... vorbei. Doch dann stand sie als Testmaschine auf dem Verlagshof, und als pflichtbewusster Motorradjournalist musste ich sie natürlich ausprobieren. Freunde, ich gebe es zu: Es hat mir gefallen. Die GS ist eines der Motorräder, die man gefahren haben muss, um ihren Reiz zu verstehen. Dann geht sie einem nicht mehr am A... vorbei, sondern flutscht hinein wie ein geöltes Zäpfchen.

Sie macht fast alles richtig, wenn sie einmal fährt (das Handling im Stand ist zwar eine Zumutung, aber dafür werden Motorräder ja nicht gebaut): Die leichtfüßige Handlichkeit ist für ein solches Kaliber wirklich frappierend, und der Motor macht in seiner neuesten Entwicklungsstufe mit Drehfreude und Durchzug aus niedrigsten Drehzahlen richtig an. Chapeau!

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Auf nach Schottland

Das beste aber ist die Sitzposition – vor allem für einen 1,90-Meter-Spargel wie mich. Endlich einmal bequem sitzen, mit genug Platz für lange Arme und mit einem menschlichen Kniewinkel! Man möchte nicht mehr absteigen, sondern immer weiter fahren. Wie war das noch mit dieser Schottland-Tour, die mir seit Jahren im Kopf herumspukt? Oder soll ich einfach immer wieder diese geile Kurvenstraße im Südspessart hoch- und runterfahren?

Höre ich da den Rettungswagen? Habt ihr die psychologische Nothilfe verständigt, um mich von einem verhängnisvollen Fehler abzuhalten? Keine Angst, nicht nötig. Obwohl die GS zweifellos besser ist als alles, was in meiner Garage steht und jemals dort gestanden hat, muss mir ein Eisen nun einmal vor allem optisch gefallen, um es besitzen zu wollen – und wenn es dreimal unbequem, leistungsschwach und hart gefedert ist. Ach ja, und noch etwas ist mir aufgefallen: Nach einer halben Stunde Fahrt tat mir trotz ultrabequemem Sitzpolster der A... weh. Der hat wohl wirklich etwas gegen die R 1200 GS.

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