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Testride BMW S 1000 RR

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Die BMW S 1000 RR ist ein extremes Motorrad mit gesitteten Umgangsformen

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Superkompakt und leicht kommt die BMW S 1000 RR daher. Fotos: Maderner/Rosenow
Superkompakt und leicht kommt die BMW S 1000 RR daher. Fotos: Maderner/Rosenow
( Archiv: Vogel Business Media )

Diese Testfahrt fängt gar nicht gut an: Schier endlos erstreckt sich das Würzburger Stadtgebiet vor mir, als ich mit der S 1000 RR losrolle. Die Sitzposition und der tief montierte Stummellenker eignen sich zwar bestens für die Dreifach-Links in Oschersleben oder andere komplizierte Rennstreckenkurven, aber nicht für den Stadtverkehr auf den Würzburger Buckelpisten. Nach ein paar Minuten tun mir die Handgelenke bereits so weh, dass ich am liebsten wie ein geprügelter Hund nach Hause fahren würde. Nur die Aussicht auf die schönen Kurvenstrecken, die direkt außerhalb der Stadt beginnen, lassen mich standhaft bleiben.

Da endlich: das gelbe Schild mit dem roten Strich. Jetzt noch einmal zurechtgesetzt, einen Gang zurückgeschaltet und ans Gas. Der Klang – in der Stadt noch zurückhaltend und gesittet – ändert sich in einem aggressiven und schmutzigen Rennstreckensound, wenn die Auspuffklappe öffnet. Mit zunehmender Geschwindigkeit trägt der Fahrtwind den Oberkörper immer besser, die Handgelenke bedanken sich. Plötzlich passt alles zusammen, und die Kurven können kommen.

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Auch hier ist der Belag alles andere als tischeben, doch die straffen Federelemente sprechen feinfühlig an und halten die Räder zuverlässig auf dem Boden. Leicht und handlich lässt sich die BMW in die engen und unübersichtlichen Wechselkurven werfen, überraschende Kurs- und Schräglagenänderungen sind kein Problem.

Langsam komme ich in den „Flow“ und beginne, die Vorzüge dieses extremen Motorrads zu genießen, als ich plötzlich eine rote Kelle vor mir sehe: Halt, Polizei! Na super. Da ist es wieder, das Gefühl des geprügelten Hunds – andererseits bin ich mir sicher, dass ich in diesen engen Kurven das erlaubte Tempo nicht überschritten haben konnte.

Langsam fahren fällt mit der BMW schwer

„Allgemeine Verkehrskontrolle – Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte!“ Meine Laune bessert sich etwas, als ich sehe, dass das Geschwindigkeits-Messgerät in die Gegenrichtung zeigt. Wahrscheinlich hatte die pure Lautstärke des Motorrads die Ordnungshüter auf mich aufmerksam gemacht. Nach ein paar warmen Worten und dem Hinweis, vorsichtig zu fahren („Es gab an diesem Wochenende schon sechs Tote allein in Unterfranken“), durfte ich wieder auf die Straße.

Erstmal langsam. Genau 100 km/h zu fahren, und das auf einer langen Gerade und mit einer 200 PS starken Maschine, das fällt nicht leicht. Also biege ich lieber ab in eine der kurvenreichen kleinen Landstraßen, die es rund um Würzburg so reichlich gibt.

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Zügig, aber gelassen dahinrollen, die Landschaft genießen, in moderater Schräglage durch die Kurven surfen – all das kann sie, die S 1000 RR. Doch der Fahrer spürt schnell, dass sie sich dabei langweilt. Eigentlich will sie auf die Rennstrecke, will die unendlich scheinende Kraft ihres Triebwerks ausspielen, ihr Fahrwerk an die Grenzen bringen, die ganze Intelligenz ihrer Assistenzsysteme in die Waagschale werfen. Fast nichts davon ist im öffentlichen Straßenverkehr möglich. Ja, der Fahrer ertappt sich sogar dabei, den stärksten serienzugelassenen Motorradmotor der Welt manchmal etwas langweilig zu finden, wenn er beispielsweise bei 5.000 min-1 den Hahn öffnet, um schnell ein paar Autos zu überholen. Da hat der Vierzylinder nämlich eine kleine Drehmomentdelle und fühlt sich wenig souverän an.

Auf der Rennstrecke spielt dieser Drehzahlbereich natürlich keine Rolle. Und so denke ich lieber an die Präsentation des Michelin Power Pure im letzten Jahr zurück, bei der ich die S 1000 RR um den Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings treiben durfte. Dort gehört sie hin.

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