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Testride Triumph Rocket III Roadster

| Redakteur: Jan Rosenow

Die Triumph Rocket III Roadster hat kein Drehmoment, sie ist das Drehmoment

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An der Rocket ist alles etwas größer: vom Hubraum über die Reifendimensionen bis hin zum Kühler.
An der Rocket ist alles etwas größer: vom Hubraum über die Reifendimensionen bis hin zum Kühler.
( Archiv: Vogel Business Media )

Erfolgreiche Fahrzeugkonzepte finden schnell Nachahmer. Im Chrom- und Trittbrettsegment hat das vor allem Harley-Davidson erfahren, deren V2-Eisen zum Vorbild für ähnliche Maschinen fast aller anderen Hersteller wurden. Deshalb ist es seltsam, dass es auf den Straßen noch nicht von hubraumstarken Dreizylindermotorrädern wimmelt – so erfolgreich und stilbildend, wie die Triumph Rocket III sich seit ihrem Markstart 2004 präsentiert.

Die neueste Version der 2,3-Liter-Lokomotive nennt sich Roadster und ist die bislang stimmigste Interpretation des Themas. Die mattschwarze Lackierung und die Abwesenheit von Chrom-Chichi lenken den Blick auf das Wesentliche – und das ist der Motor. Der riesige, flächige Block wirkt wie ein Antrieb aus der Frühzeit des Automobils, als es noch auf einfache Gießbarkeit ankam und nicht auf Leichtbau. Auch das Drehmoment von 221 Newtonmetern bei völlig unaufgeregten 3.250 Umdrehungen erinnert mehr an ein Auto als an ein Bike. Das ist wahre Kraft.

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Schöner beschleunigen

Entsprechend problemlos setzt der Dreizylinder die 367-Kilogramm-Wuchtbrumme in Bewegung. Dabei verdeutlicht er, dass es beim Beschleunigen nicht auf das „Wie schnell“ ankommt, sondern auf das „Wie schön“. In den reinen Zahlenwerten hat die Rocket gegenüber einem modernen Supersportler jederzeit das Nachsehen. Aber wie fühlt es sich an, beispielsweise eine GSX-R 1000 zu beschleunigen? Wer nicht gelegentlich in der IDM Superbike mitfährt, der dürfte mehr damit zu tun haben, beide Räder auf dem Boden zu halten, als das Erlebnis zu genießen. Ganz anders auf der Rocket: Hier lässt sich der Hahn angstfrei voll öffnen. Sofort wirft die Maschine mindestens 200 Kilogramm Gewicht ab und strebt mit weich verpackter, aber unwiderstehlicher Kraft dem Horizont entgegen. Das ist kein Kampf gegen ein wild bockendes Pferd, sondern fühlt sich an wie ein Ritt auf der Kolbenstange einer gigantischen Dampfmaschine.

Der Sound aus den Originaldämpfern passt bestens dazu: Im Leerlauf noch ein warmes Schnurren wie von einer 367 Kilo schweren Katze, steigert sich der Klang bei Vollgas zu einem tiefen, schabenden Brummen, das nie überlaut wird, aber auch keinen Zweifel am Volumen des Motors lässt, der da ausatmet.

In der ersten Kurve sammelt die pummelige Rakete ihr vorher abgeworfenes Gewicht ganz schnell wieder auf. Natürlich ist sie alles andere als unfahrbar, aber die schiere Masse und die breiten Reifen erfordern eine kräftige Hand am Lenker. Ganz enge Kurven sind nicht das Revier der dicken Engländerin, aber auf gut ausgebauten Landstraßen lässt sie sich schön fahren – besonders, weil die Schräglagenfreiheit für ein solches Kaliber überraschend weit reicht. Der hohen Masse gewachsen zeigt sich auch die Bremse samt ABS. Vollbremsungen machen Spaß, weil die vordere Gabel selbst bei dieser Belastung kaum eintaucht und die Maschine sauber in der Spur bleibt.

Ein Wunsch bleibt aber noch offen: Zwar bietet die Triumph Rocket III ein unvergleichliches Erlebnis und lässt sich trotz ihrer Masse recht gut handhaben, aber das Potenzial des Motors lässt sich in einem Zweirad einfach nicht ausreizen. Mr. Bloor, geben Sie sich einen Ruck: Bauen Sie einen kleinen Sportwagen mit diesem Motor, vielleicht auf Basis einer Lotus Elise. Er hätte es verdient.

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