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Torsten Sentis: Ein echt authentischer Paradiesvogel

| Autor / Redakteur: Amelie Mangler / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Mit seinem Start-Up, der motorido GmbH, will Torsten Sentis das Online-Kaufgame für Motorräder und Co. revolutionieren und faire Preise für Händler ermöglichen. Ganz „nebenbei“ ist er auch noch Businesscoach, Hochschuldozent, Motorradliebhaber, Familienmensch. Bleibt die Frage: Wie wird man zu so einem Tausendsassa?

Torsten Sentis mit Businessanzug auf seinem Jetski.
Torsten Sentis mit Businessanzug auf seinem Jetski.
(Bild: Sentis)

„Ich will das Gefühl haben, etwas verändern zu können“, sagt Torsten Sentis verschmitzt – zwei Sekunden später liegt seine Stirn in Falten. Er räuspert sich verlegen und schaut aus den Augenwinkeln irritiert auf sein Handy, das gerade zum vierten Mal klingelt. Irritiert, als hätte er kurz seinen umtriebigen Alltag vergessen; seinen Beruf, der pathetisch gesagt, wirklich Berufung ist. Denn wer mit Sentis redet, merkt ganz schnell: Er lebt für das, was er macht. Er liebt es. Seine blau-grünen Augen hinter der großen Brille funkeln bei jedem lockeren Spruch, jeder wohlgeformten Pointe. Er versteht es, Menschen in seinen Bann zu ziehen, zu schäkern. Vertriebler eben – und das ganz lässig in Jeans und mit Dreitagebart. Torsten Sentis ist Verkäufer mit Leib und Seele, passionierter Motorradfahrer, liebender Familienvater. Er begeistert, weil er selbst begeistert ist. Und vor allem authentisch. Eben ein echt „authentischer Paradiesvogel“, wie Stephan Maderner, Chefredakteur der bike und business, weiß. Und das auf Sentis‘ ganzen 1,78m von karger Kopfbehaarung bis zur Fußspitze.

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Dass ihm also ausgerechnet auf 4000 Metern Höhe, mit bester Sicht auf das höchste Gebirge der Welt und mit einem kühlen Bierchen in der Hand seine Geschäftsidee eingefallen ist, verwundert nicht. Muffige Büros mit fleckigen Teppichen passen nicht zu ihm. Er hatte seine Idee für BIDaBIKE auf einer Himalaya-Durchquerung 2016. Unterwegs mit 15 Motorradhändlern hat er von ihren Problemen mit Provisionen bei den bekannten Online-Plattformen erfahren. Und hat sich eine Lösung überlegt. „Die Jungs meinten zuerst, ich habe einen Höhenkoller.“ Aber nein, so entstand die motorido GmbH mit den Online-Bietplattformen für Motorräder BIDaBIKE, sowie BIDaCLASSICS, BIDaTRUCK, BIDaCAMPER und BIDaPART.

Doch erst einmal Rolle rückwärts: Geboren wurden Torsten Sentis und sein Zwillingsbruder 1973 in Jülich. Und eins muss man über Sentis wissen: Er hatte gefühlt schon drei Leben. Ausbildung zum Physiotherapeuten, Studium der Wirtschaftspsychologie mit 27 Jahren, Start-Up-Gründung, heutiger Hochschuldozent. „Ein echter Haudegen“ eben, so Stephan Maderner. Denn Sentis will immer mehr. Neue Energie, Herausforderungen, Eindrücke. Darum ging er 2014 in die Selbstständigkeit und gründete 2016 die motorido GmbH.

Ein Projekt, das er startete, um die Branche zu unterstützen. Und das Online-Kaufgame zu revolutionieren. Mittlerweile können Kunden auf BIDaBIKE auf ca. 2000 Motorräder bieten. Schnell und unkompliziert. Und für die Verkäufer entstehen keine zusätzlichen Kosten. Sie müssen keinen bestimmten Betrag pro eingestelltes Motorrad zahlen und laufen nicht Gefahr, rote Zahlen zu schreiben. Und das alles mit nur zwei Angestellten sowie drei externen IT'ler. Noch eine Person rentiert sich laut Sentis nicht, denn „keiner macht es besser als man selbst“. Deshalb macht er einfach es selbst. Und obwohl er behauptet, dass „man nicht viel Manpower braucht“, sprechen 70 + Stunden die Woche doch eine andere Sprache. Das ist eigentlich nicht normal.

Doch „normal“ ist Torsten Sentis sowieso nur so lange, bis er anfängt, von seinen Passionen zu reden:

Seiner Familie, die sein Ein und Alles ist. Sein Ruhepol, sein Reset-Knopf. Die immer im Hinterkopf ist, bei der er auf einmal ganz sanft wird, liebevoll, ruhig. Seine zwei Kinder, drei und vier einhalb Jahre alt, die ihn merklich erden. Die er jeden Morgen in die Kita bringt und mittags abholt. Die während eines Video-Calls auch mal ohne Anmeldung in das Büro reinplatzen. Sein kleiner Sohn im Prinzessinnenkostüm und Feenstab, mit breitem Grinsen in die Kamera blickend. Und die dreijährige Tochter quasselnd ohne Punkt und Komma. Fast wie der Vater.

Denn wenn Sentis eins kann, dann reden. Besonders über sein „Baby“ motorido. Das ihn begeistert, motiviert, antreibt. Und über das er mit Argusaugen wacht. Das weiß auch Caroline Schröer, zuständig für Marketing und Händlerakquise bei BIDaBIKE: „Bei Torsten schätze ich seine Verbissenheit in Projekte und Themen. Und gleichzeitig überzeugt er einfach alle mit seiner offenen und sympathischen Art und sorgt immer für Spaß.“

Und Spaß hat er auch mit seiner dritten Passion: Jegliche Fahrzeuge mit Motorantrieb. Allem voran das Motorrad. Urlaub im Himalaya, mit Freunden 4000 Kilometer durch Italien, Videodrehs auf Mallorca. „Wenn ich das Motorradjaulen auf der Straße höre, dann zieht es mich raus“. Raus und rauf auf seine Bikes, die aus ganz Europa importiert wurden. Auf seine Buell, die sich mit V2-Motor und 1.200 Kubik „anhört wie eine Harley aber wie eine Ducati auf der Straße liegt.“ Und: Er liebtdie Herausforderung. „Es gibt einen alten Spruch ,Buell kannst du nur solange Vollgas fahren, wie du den Atem anhalten kannst‘“. Passender hätte man keinen Spruch für das Leben von Torsten Sentis finden können.

Fragt man ihn nach seiner größten Stärke, beschreibt er sich selbst als „authentischen Vertriebler“. Auf den Mund gefallen ist er nicht. „Mir macht es Spaß Menschen von Produkten zu begeistern, an die ich glaube.“ Und das merkt man. Er ist einfach begeistert davon, was er mit Motorido bzw. BIDaBIKE bisher geschafft hat und was noch kommt. Relaunch im Sommer, neue Tools, neues Layout. Seine größte Herausforderung bleibt: „Familie und Job unter einen Hut zu bekommen.“ In dieser Hinsicht ist er sehr reflektiert. Er weiß, dass er viel arbeitet. Und er muss sich eingestehen: „Ich muss noch mehr lernen, abzugeben.“

Doch er liebt seine Arbeit einfach. Er liebt seine Familie. Und er liebt Motorräder. Die damit verbundene Freiheit, den Adrenalinkick, die Freundschaften, die Gemeinschaft, die Grenzenlosigkeit des Motorradfahrens. Und da funkeln sie wieder, seine blau-grünen Augen. Eben ein echt authentischer Paradiesvogel.

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