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Touratech: Gutes noch besser gemacht

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Viktoria Hahn

Touratech möbelt die BMW F 850 GS mit allerlei Zutaten zu einem sehr reisetauglichen Universalmotorrad auf. Das hilft, geht aber auch ins Geld.

Der hohe, dunkel eingefärbte Windschild in Größe L (150 Euro) bietet vorzüglichen Windschutz.
Der hohe, dunkel eingefärbte Windschild in Größe L (150 Euro) bietet vorzüglichen Windschutz.
(Bild: Katja Wickert)

Umfangreiches Angebot an Spezialteilen

Es gibt inzwischen mehrere Hersteller von hochwertigem Motorradzubehör, deren Angebotspalette so umfänglich ist, dass sich daraus fast schon Spezial-Bikes komponieren lassen. Die wohl bekannteste Marke ist Touratech, im südlichen Schwarzwald zuhause. Insbesondere als Hersteller reisetauglichen Motorradzubehörs hat die Firma Weltgeltung erreicht und zahlreiche Niederlassungen im Ausland errichtet.

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Nicht nur die aus Edelstahl gefertigten Schutzbügel sind in punkto Passform und Funktionalität ungeschlagen und deshalb auch für kernige Offroadeinsätze bestens geeignet, sondern auch viel weiteres Zubehör von Handschützern bis zu Seitenständeraufstandsverbreiterungen haben ihren Ursprung in Expeditionsreisen der Touratech-Mitarbeiter. Beispielhaft für das enorm umfangreiche Angebot an Spezialteilen ist eine umfänglich modifizierte BMW F 850 GS im Touratech-Trimm.

Alles für den Offroad-Einsatz

Das in der Firmenfarbe Gelb lackierte Testbike weist sowohl den stabilen Motor-Unterschutz aus Aluminium „Expedition“ (250 Euro), einen Motorschutzbügel (250 Euro) sowie einen Verkleidungs-Schutzbügel (280 Euro) auf. Ebenfalls dem Fahrzeugschutz dient eine Alu-Umhüllung des hinteren Bremsflüssigkeitsbehälters (30 Euro). Ausgezeichnet wirksam sind, mehrfach praktisch überprüft, die großformatigen Touratech-Spoiler für die Serienhandschützer (Set 40 Euro). Sie decken die Hand perfekt ab, wenn man Offroad Ästen und Sträuchern zu nahekommt. Sehr gut gefallen haben auch die wasserdichten Packtaschen, die nach dem, seit einiger Zeit Touratech gehörendem, Ortlieb-System konstruiert sind. Die „Endurance Click“ (Paar 250 Euro) werden an Edelstahl-Kofferträgern (260 Euro) befestigt; Montage und Demontage der nur 1,5 Kilogramm wiegenden 28 Liter-Taschen sind sehr einfach, weil das Haltesystem automatisch verriegelt. Eben „click‘“. Ein sehr funktionales Stück ist auch der von 13 auf 20 Liter vergrößerbare Tankrucksack „Ambato Exp“ (200 Euro); er ist aus stabilem Cordura gefertigt und serienmäßig wasserabweisend ausgestattet. Eine wasserdichte Innentasche und eine Regenhaube sind separat erhältlich. Ein großes, transparentes Kartenfach ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten. Der Ambato Exp ist leicht zu befestigen und beim Tanken einfach abnehmbar. Ebenfalls Teil der Gepäckausstattung ist die großformatige Gepäckbrücke (100 Euro).

Federbein „Extrem“

Während die Gabel der F 850 GS lediglich mit Cartridge-Einsätzen (800 Euro zzgl. Montage) ausgestattet worden ist, um die Zug- und Druckstufe verändern zu können, wurde in der F 850 GS das speziell abgestimmte Federbein „Extrem“ (1.400 Euro zzgl. Montage) installiert; die hydraulisch per Handrad mögliche Federvorspannung bringt 15 Millimeter Veränderung, auch Zug- und Druckstufe sind einstellbar. Das eingebaute PDS-System fungiert als hydraulischer Durchschlagschutz, wenn’s mal knüppelhart kommt. Der separate Ausgleichsbehälter steigert die Ölmenge und dient der Kühlung. Eine ESA-Funktion ist nicht gegeben, Voraussetzung für den Einbau ist also ein Motorrad ohne ESA - oder es wird stillgelegt. Das Federbein dämpft und federt auf der Straße ausgezeichnet, auch beim praktizierten Endurowandern in teils felsigem, teils sandigem Gelände vermochte es absolut zu überzeugen. Rallye-artige Einsätze standen nicht auf dem Programm, dürften für das Federbein aber kein Problem darstellen.

Vorzüglicher Windschutz

Der hohe, dunkel eingefärbte Windschild in Größe L (150 Euro) bietet vorzüglichen Windschutz; andererseits behindert dessen Höhe und die nicht gegebene Transparenz das Fahren im Sitzen, wenn man doch mal direkt vors Vorderrad schauen muss. Wir würden deshalb lieber zur klaren Version greifen. Der schwarze Scheinwerferschutz (100 Euro) kann zwar hilfreich sein, ist aber hierzulande nicht zulassungsfähig. Sehr guten Halt vermitteln die stark gezackten Fernreise-Fußrasten „Works“ (130 Euro); es gibt sie für größer gewachsene Fahrer auch in einer niedrigen Version. Ergänzt wurde das Fußrastenset beim Testfahrzeug um die ebenfalls gezackte Fußbremshebelverbreiterung (30 Euro); sie überträgt deutlich mehr Druck vom Stiefel auf die Bremse. Die Seitenständerauflageverbreiterung tat im Gelände gute Dienste (40 Euro). Als wesentlich fürs Wohlbefinden im Gelände erwies sich die Lenkererhöhung um zwei Zentimeter (60 Euro), weil sie das Fahren im Stehen erleichtert. Modifiziert ist auch der längenverstellbare Schalthebel (120 Euro).

Das Fazit

Zur F 850 GS ist zu sagen, dass sie mit 229 Kilogramm 20 Kilogramm mehr wiegt als die kürzlich präsentierte KTM 790 Adventure, aber auf der Straße und auch im leichten Gelände ebenfalls einfach zu beherrschen ist.

Der Durchzug des neuen, nun 70 kW/95 PS leistenden Zweizylindermotors mit 853 Kubikzentimetern Hubraum ist ausgezeichnet, auch seine Gasannahme gefällt. Dass er im Bereich von etwa 6.000 Umdrehungen wahrnehmbare Vibrationen aussendet, ist beim variablen Fahren auf Landstraßen und im Gelände ohne Bedeutung; meist liegen Offroad ohnehin geringere Drehzahlen an. Tadellos präsentierten sich Getriebe, Ergonomie und Bremsen; letztere sind gut auf das Fahrzeugkonzept abgestimmt, nämlich wirksam, ohne giftig zu sein. Absolut überzeugen konnten auf dem meist trockenen Untergrund die montierten Metzeler Karoo 3; auf Asphalt fahren sie sich nahezu wie Tourance Next, im Gelände überzeugen sie mit guter Traktion und – bei Trockenheit – mit einwandfreier Seitenführung. Dass die viele Zusatzausrüstung das Gewicht der BMW weiter nach oben treibt, versteht sich von selbst. Was eine F 850 GS in dieser Konfiguration wirklich wiegt, haben wir nicht überprüft. Leicht fahren ließ sie sich allemal.

Preis jenseits der 18.000 Euro

Dass so viel wertig verarbeitetes Zubehör eine ordentliche Schneise in den Kontostand schlägt, ist zu erwarten. Wir errechneten (ohne Montageaufwand) Kosten von 4.482,80 Euro. Auch wenn man sich beim Neuerwerb einer BMW F 850 GS (ab 12.380 Euro) das semiaktive Federungssystem Dynamic-ESA sparen kann, sofern man die Touratech-Fahrwerkselemente einbauen will, so ist es dennoch nicht mit dem Basispreis getan: Denn die Offroad sehr nützlichen Fahrmodi Enduro und Enduro Pro erhält nur, wer zusätzlich das Dynamik-Paket (730 Euro) erwirbt. In der Praxis bedeutet das: Der Preis der Testmaschine lag jenseits der 18.000 Euro. Da ist es hilfreich, wenn man zur Kategorie der Vielreisenden gehört, so dass man aus all dem feinen Zubehör auch gehörigen Nutzen ziehen kann.

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