Tradition trifft Mythos: Die Route 66 des Handwerks

Das Ausbildungsnetzwerk Yourmove lässt auf der Automechanika 2010 eine komplett zerlegte Harley neu aufbauen.

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Der Automechanika-Chef Thomas Aukamm (Mitte) testet das Yourmove-Exponat auf Tauglichkeit.
Der Automechanika-Chef Thomas Aukamm (Mitte) testet das Yourmove-Exponat auf Tauglichkeit.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das internationale Ausbildungsnetzwerk Yourmove sorgte auf der Automechnaika, der weltgrößten Kfz-Fachmesse für Furore.

„Das schafft Ihr nie!“, war allgemeiner Tenor, nachdem die Hunderte von Einzelteilen den Medienvertretern am ersten Messetag präsentiert wurden. Aus diesen Einzelteilen sollte in nur vier Tagen eine vollkommen neue Yourmove-Harley Davidson entstehen. Diese Herkulesaufgabe sollte ein Team bewältigen, welches so vorher noch nie zusammen gearbeitet hatte, mit Teilen, welche, bedingt durch Lieferverzögerungen, nicht auf einander abgestimmt waren und mit viel traditioneller Handarbeit, welche, aufgrund der Geräuschkulisse beim Herstellen der Blechanbauteile, immer wieder unterbrochen werden musste. Eine Herausforderung wie man sie im Handwerk nur noch sehr selten antrifft und welche unsere Jugend in der Regel selten erleben darf.

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Hätte das Yourmove-Team wissen können, dass der mitgelieferte Gasgriff nur eine Plastikattrappe war, hätte vorgeplant werden können, dass die gelieferten Anbauteile nicht zueinander passten? Sicherlich nicht. Hier hat es sich richtig ausgezahlt, dass alle beteiligten Handwerker von altem Schrot waren, wenn auch noch jüngerem Datums. Ärmel hochkrempeln war angesagt, Lösungen finden und Improvisieren gefordert.

Auf weitere Ersatzteile oder eine voll ausgestattete Werkstatt musste auf der Messe nahezu verzichtet werden, wenn auch TRW hier teilweise unter die Arme greifen konnte. Glücklich war das Team in jedem Fall über das Hazet-Werkzeugsortiment, die Nussbaum-Motorradhebebühne, die Schweißkabine mit Komponenten von Kemper, Cebotech und GCE und das traditionelle Handwerkszeug von Dinosaurier-Werkzeuge.

Spezialwerkzeuge im Einsatz

Was aber, wenn Spezialwerkzeug fehlt, wenn Bowdenzüge zu kurz und Halterungen nicht vorhanden sind? Dann griffen unsere Experten und Jugendlichen eben zu Feilen, Sägen, Hämmer, Zangen etc. und stellten diese Teile selbst her. Die Auszubildenden staunten nicht schlecht, dass man heutzutage noch Teile selbst planen und anfertigen kann, dürfen sie in ihrer Ausbildung doch nur nach neuen Lehrplänen lernen, welche alle diese spannenden Fingerfertigkeiten nicht mehr beinhalten. „Das würden wir gerne in unserer Ausbildung lernen, so eine Erfahrung haben wir noch nie machen können“ so der einhellige Tenor der Nachwuchskräfte. Glücklich schätzen können sich die Lehrlinge der Handwerkskammer Braunschweig Lüneburg Stade, welche unter Anleitung der Ausbilder Heiko Kögl und Björn Behrens Ihre Lehre absolvieren dürfen. Beide Experten waren stets Antreiber des kompletten Teams, tüftelten zusammen mit den Auszubildenden an Lösungen, immer den Termin der Oldtimer-Sternfahrt am Samstagmittag 18. September im Auge. Der Blechvirtuose Ömer Kilic, der Sattlerprofi Markus Leiling und die Mannen von Ross Schmidt und Partner ließen sich nur zu gerne mitreißen.

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