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Triumph Rocket 3 GT/R: Cruise Missile von der Insel

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Triumph hat für 2020 sein Topmodell Rocket III vollkommen erneuert. Die neue Rocket 3, in den Versionen R und GT erhältlich, setzt Maßstäbe im Markt der Power-Cruiser. Wir haben das mächtige Teil gefahren.

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Triumph hat für 2020 sein Topmodell Rocket III vollkommen erneuert.
Triumph hat für 2020 sein Topmodell Rocket III vollkommen erneuert.
(Bild: fbn/SP-X)

Zwölf Jahre lang, von 2004 bis 2015, war sie der Fels in der Brandung: Die Triumph Rocket III mit ihren massigen 360 Kilogramm Leergewicht hielt unerschütterlich die Linie. Trotz ihres immens kräftigen Dreizylindermotors mit rund 2,3 Litern Hubraum war ihr Agilität aber nicht in die Wiege gelegt worden, weshalb die Dicke als anspruchsvoll zu fahrendes Motorrad galt. Jetzt ist das Nachfolgemodell Rocket 3 da, und zwar gleich in zwei Varianten, nämlich als nackter Roadster und als Power-Cruiser.

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Und siehe da: Die vollkommen neu entwickelten Briten-Bikes mit dem jetzt auf 2,5 Liter aufgeblasenen Triple und einem um 40 Kilogramm reduzierten Gewicht legen nicht nur eine fette Beschleunigungsspur hin, sondern glänzen mit vergleichsweise leichtem Handling und erfreulicher Agilität; sie generieren damit einen ganz besonderen Fahrspaß. Freilich muss man sich diesen leisten können: Mindestens 22.000 Euro will ein Triumph-Händler schon sehen.

Ganz überwiegend haben wir uns in unserem 2.000-Kilometer-Test mit der GT-Version beschäftigt; zusätzlich war sie noch mit Komponenten des sogenannten Highway Inspiration-Kit ausgestattet. Dazu zählen die 20 Liter-Seitenkoffer, der Gepäckträger, der sehr gut funktionierende Schaltassistent und ein TFT Bluetooth Connectivity-System sowie sehr ansehnliche Lenkerenden-Spiegel. So ausgestattet, nähert sich der Preis einer Rocket 3 GT der 25.000 Euro-Marke. Zweifellos viel Geld, aber dieses Bike ist es nicht zuletzt dank piekfeiner Verarbeitung und ausgezeichneter Komponenten durchaus wert.

Die Liste der Besonderheiten der Triumph Rocket 3 ist fast endlos: Da ist einmal ihr – man kann’s nicht anders sagen – sensationelles Dreizylinder-Triebwerk mit einem Hubraum von knapp 2,5 Litern. Das Drehmoment von maximal 221 Nm stellt erwartungsgemäß wie das Hubvolumen den Spitzenwert im Serienmotorradbau dar. Mehr gibt’s nirgendwo in der Zweiradwelt. Die Maximalleistung von 123 kW/167 PS erscheint dagegen fast schon „normal“, denn ähnlich viel oder gar noch mehr Power gibt es in diversen Nakedbikes mehrerer Hersteller. Dennoch erinnert die Fortbewegung auf der Rocket 3 an den Ritt des legendären Barons Münchhausen auf der Kanonenkugel: Egal ob 1.500 oder 3.000 Umdrehungen anliegen, so mutiert das Briten-Bike beim Gasgeben blitzartig zur Cruise Missile.

Es ist beeindruckend, was die Elektronik beim Herausbeschleunigen aus Kurven leistet, aber auch welche enormen Kräfte der von Avon stammende Hinterreifen verarbeitet. Der 24 Zentimeter breite Pneu erfreut mit einer unerwarteten Handlichkeit; wer erwartet hatte, dass die immerhin 324 Kilogramm wiegende GT die Kurvenagilität eines Panzers aufweisen würde, wird aufs Angenehmste eines Besseren belehrt. Selbst sehr kurvenreiche Strecken bereiten großen Fahrspaß; richtig enge Haarnadel-Passagen erfordern freilich Aufmerksamkeit und Besonnenheit des Piloten.

Dank der enormen Durchzugskraft des Triple ist es nur äußerst selten nötig, höher als etwa 4.000 U/min zu drehen. Das schlägt sich in einem erfreulich niedrigen Benzinkonsum nieder: Bereits mit 6,0 Litern lassen sich zügige Landstraßenritte absolvieren, Werte deutlich jenseits des Normwertes werden nur von Grobmotorikern oder auf der Autobahn mit Tempi jenseits der 150 km/h erreicht; letztere sind aber ohnehin wegen des bescheidenen Windschutzes anstrengend. Leicht gemacht werden sie andererseits durch den bestens regelnden Tempomaten und die perfekte Langstrecken-Sitzposition. Trotz „feet forward“ ist die GT dabei ein auch in Kurven unerwartet handliches Motorrad. Aber klarerweise beherrscht die R-Version diese Disziplin noch eine Nummer besser. Das liegt an den recht zentral montierten Fußrasten, der etwas höheren Sitzposition und dem anders geformten Lenker. Aus allen diesen Änderungen ergibt sich eine aktivere Ergonomie. Die interne Rollenverteilung ist damit klar: Die R ist für die Chef-Dynamiker am Lenker erste Wahl, die GT spricht eher die komfortorientierten Freunde gepflegter Dynamik an.

Zu den vielen exklusiven Besonderheiten der Rocket 3 gehören feine Fahrwerkskomponenten von Showa, herausragende Bremsen des Typs Stylema von Brembo, sehr gutes LED-Licht mit einem bestens sichtbaren Tagfahrlicht und ein Sechsachsen-Sensor für die Datenerfassung sämtlicher Fahrzustände, so dass die dynamische Traktionskontrolle wie das Kurven-ABS wirklich jederzeit bestens arbeiten können. Ein wenig auffällig war alleine das etwas spürbare Aufstellmoment beim Bremsen in größerer Schräglage. Zu den Komfort-Aspekten gehören heizbare Lenkergriffe, eine bei der GT dreifach, bei der R zweifach verstellbare Fußrastenanlage, hinreißend designte Sozius-Fußrasten und an der GT eine in der Höhe einstellbare Sissybar. Sehr gut gelöst ist die Seitenständer-Bedienung, immerhin gut das Keyless-System (leider ohne Tankdeckel-Integration). Auch die Funktionsweise des Sechsganggetriebes überzeugt; eine Rückfahrhilfe haben dank der niedrigen Sitzhöhe von 75 Zentimetern wir nicht vermisst.

Vergleichsweise überschaubarfällt bei der Triumph Rocket 3 unsere Wunschliste für Verbesserungen aus. Zu nennen ist vor allem das miserable Tankverhalten, weil man sich beim Benzineinfüllen enorm konzentrieren muss, damit es nicht spritzt. Aber auch hinterleuchtete Lenkerschalter wären bei Dunkelheit eine Wohltat, und ein besserer Windschutz wäre auch nicht schlecht. Diesbezüglich ist der Unterschied zwischen dem R- und dem GT-Modell nicht groß.

Dass Triumph mit der Rocket 3 auf dem richtigen Weg ist, zeigte bereits das erste Zulassungsquartal dieses Jahres in Deutschland: Rang 36 war für ein solches Kaliber mehr als ein Achtungserfolg. Es sieht ganz so aus, als überstünde dieses ungewöhnliche Motorrad sogar die Corona-bedingte Markt-Depression der Zweiräder.

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