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Triumph Street Scrambler: Stilvoll kraxeln

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Elena Koch

Die rustikale Triumph Street Scrambler passt perfekt in die Modern-Classic-Linie des englischen Herstellers; sie überzeugt mit schönen Details und wertiger Verarbeitung.

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Alles in allem ist die Triumph Street Scrambler ein sympathisches Motorrad, denn sie ist leicht zu fahren, wirkt zugänglich und überzeugt mit stilsicherem Design.
Alles in allem ist die Triumph Street Scrambler ein sympathisches Motorrad, denn sie ist leicht zu fahren, wirkt zugänglich und überzeugt mit stilsicherem Design.
(Bild: Triumph)

Es scramblert überall. Ducati hat vor rund zwei Jahren aus dem seit Jahrzehnten bekannten Begriff Scrambler (to scramble bedeutet krabbeln oder kraxeln) eine Sub-Marke kreiert und damit den stückzahlmäßig größten Erfolg der italienischen Marke platziert. Vergangenen Herbst legte BMW mit der „R nineT Scrambler“ nach, und jetzt lanciert Triumph die „Street Scrambler“. Auch wenn es auf den ersten Blick so ausschaut, als seien die Engländer die letzte der drei Marken, die einen Scrambler bringt, so sind sie in Wahrheit die ersten der jüngeren Vergangenheit, denn die Street Scrambler folgt der bereits 2006 präsentierten Scrambler ohne sonstigen Namenszusatz. Gegenüber dieser ist die erheblich erstarkte Neue ein Fortschritt auf ganzer Linie und auch optisch eine Augenweide. Mit 11.150 Euro ist das kraxeltaugliche Modern-Classic-Bike freilich auch kein Billigangebot.

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Äußerlich retro, innerlich up to date

Erst recht nicht, wenn man den Kaufpreis in Relation zur Leistung von – auf den ersten Blick – bescheidenen 40 kW/55 PS setzt. Für so viel Geld gibt’s nicht nur anderswo, sondern auch bei Triumph leicht doppelt so viele Pferdestärken. Allerdings nicht, wenn man „von gestern“ ist und Wert auf gediegene Verarbeitung mit hübschen Details im britisch-rustikalen Klassikstil legt. Der stylische Zweizylinder-Paralleltwin von der Insel ist innerlich topmodern: Er liefert aus 900 Kubikzentimetern nämlich satte 80 Newtonmeter Drehmoment, und zwar bereits bei unter 3.000 Touren. Deshalb fühlen sich die 55 PS in der Praxis nach ein wenig mehr an. Und es gibt den angenehmen Nebeneffekt eines geringen Nominalverbrauchs von lediglich 3,8 Liter auf 100 Kilometer, der sich zudem in der Praxis näherungsweise auch realisieren lässt. Das kultiviert laufende Triebwerk führt wie von allein zur überwiegenden Nutzung mittlerer Drehzahlen und tönt ausgesprochen angenehm aus der Zweirohr-Auspuffanlage.

Die ist das optische Kennzeichen dieses Briten-Scramblers: Sie ist auf der rechten Fahrzeugseite von vorne bis hinten halbhoch verlegt, ganz so, wie sich das seit den ersten Scramblern Mitte der Sechziger Jahre gehört. Außerdem gehören zum Grundkonzept Speichenräder, eine halbwegs geländetaugliche Bereifung und eine entspannt-aufrechte Sitzposition samt einer relativ breiten Lenkstange. Alle diese Details weist die Triumph auf, so dass niemand ihr das rechtmäßige Tragen ihrer Modellbezeichnung absprechen kann.

Motor zieht wie der legendäre Ochse

Der drehmomentstarke Motor ist zum Kraxeln abseits des Asphalts perfekt geeignet, zieht er doch auch bei niedrigen Drehzahlen wie der legendäre Ochse. Das noch überschaubare Gewicht von 223 Kilogramm ist ebenfalls positiv zu werten. Dennoch sind Geländeeinsätze, für die längeres Fahren im Stehen erforderlich ist, nur Besitzern von O-Beinen uneingeschränkt zu empfehlen; allen anderen ist die Auspuffanlage im Weg, weil sie das entspannte Platzieren des rechten Fußes auf der Raste beeinträchtigt. Lässige Feld- und Schotterwege sind also ein perfektes Kraxelrevier, trialmäßige oder hochsportliche Action liegt weniger nah.

Getriebe, Bremsen und ABS sind ohne Tadel. Etwas samtiger dürften die Federelemente ansprechen; kurze Stöße kommen an Gabel wie am Heck recht derb durch. Da merkt man, dass erstens die Federwege eher knapp bemessen und zweitens die Stoßdämpfer wie auch das Innenleben der Telegabel von nicht allzu hoher Qualität sind. Ohne Fehl und Tadel sind dagegen Geradeauslauf und das Kurvenverhalten: Die Street Scrambler lenkt leicht ein, hält souverän ihren Kurs und lässt sich auch in Schräglage problemlos zusammenbremsen, ohne sich ungebührlich aufzurichten. In diesem Punkt ist die Street Scrambler dem Schwestermodell Street Cup deutlich überlegen.

Zugleich stilvoll und funktional

Verarbeitung und Ausstattung sind stilvoll, zugleich aber durchaus funktional: Die Sitzbank mit einem Alcantara-ähnlichen Bezug ist rutschfest, statt des schmalen Soziuspolsters kann auch ein im Preis enthaltener Aluminiumträger fixiert werden. Das runde Zentralinstrument mit wohlgeformtem Zeiger für die Geschwindigkeit informiert zudem über alles sonst noch Nötige inklusive Motordrehzahl. Schön wäre freilich, wenn Triumph der Scrambler eine automatische Blinkerrückstellung spendiert hätte.

Alles in allem ist die Triumph Street Scrambler ein sympathisches Motorrad, denn sie ist leicht zu fahren, wirkt zugänglich und überzeugt mit stilsicherem Design. Die gebotenen 55 PS sind von kräftiger Statur, wer will erhält aber auch eine leistungsreduzierte 48 PS-Version, die auf den Führerschein A2 zugeschnitten ist. Hält der Retro-Trend noch ein Weilchen an, woran man derzeit nicht begründet zweifeln kann, so dürfte die Triumph Street Scrambler mit großer Wahrscheinlichkeit ein Erfolgsmodell in ihrer Nische werden. Denn mit dem umfangreichen Zubehörangebot ist es ein Leichtes, sie noch individueller zu gestalten.

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