Turismo Brutale ohne Vollbart

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 39/2015/I). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Würzburg, den 22. September 2015 – Allmählich neigt sich die für uns alle recht turbulente Motorradsaison ihrem Ende entgegen. Die letzten Testmotorräder stehen auf dem Hof - und was für welche! Am vergangenen Freitag hatte ich das Vergnügen, gleich drei verschiedene Bikes an einem Tag ausgiebig Probefahren zu dürfen: Triumph Tiger 800 XRX, Triumph Thruxton Ace Special Edition und MV Agusta Brutale 800 RR. Drei Bikes, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Die Tiger taugt als komfortable Reiseenduro und machte mir auf der Spessart-Überquerung auf der Bayrischen Schanz mächtig Spaß. Die Thruxton dann, die ich in Rosbach beim Importeur für die Tiger eintauschte, brachte gleich ein komplett anderes Bikergefühl. Eine weiße Retroschönheit und ein legendärer Café Racer! Die coole Sonderedition steht für Triumphs Verbundenheit mit dem legendären Ace Café im Londoner Norden, wo sich die Trucker früher ihre Bikes kauften. Ausgestattet ist der Retrokracher mit einer einzigartigen Lackierung, einer speziellen Oxblood-Custom-Sitzbank, einer abnehmbaren Sitzabdeckung, authentischen Lenkerendspiegeln und einer speziellen Lenkerplakette. Herrlich Old School das Moped: Zum Start den Choke ziehen und kraftvoll brummelnd davonbrausen und entschleunigt die Landstraße genießen. Das hat echt was. Mit dem Bike könnte ich glatt als Redakteur oder Autor eines der beiden neuen Retro-Magazine „Craftrad“ oder „Fuel“ durchgehen; fehlt nur noch der Vollbart.

Zurück vom Retroritt durch das wahrliche Traum-Bikerevier Spessart tausche ich am Abend mit dem Kollegen Jan Rosenow auf den fahrbaren Untersatz Nummer drei an diesem Tag: Es wartet die MV Agusta Brutale 800 RR, die uns der Händler Thomas Frankenberger bei Moto Officina in Karlstadt-Stetten zur Verfügung stellte. Wow, was für ein Gegensatz zur Thruxton. Die fahraktive schöne Italienerin ist ein Naked Bike, das einem schon beim ersten Augenkontakt durch sein Design und die edle Verarbeitung in seinen Bann zieht. Auf der Piste geht dann die Post ab. Über die von mir kurzzeitig erreichte V-Max hülle ich aus StVO-Gründen besser den Mantel des Schweigens, auch wenn das angesichts des brüllenden 143-PS-Dreizylinders kaum denkbar erscheint. Die Dynamik der Brutale ist brachial und das Fahrzeug macht seinem Namen alle Ehre. Bei einem Zwischenstopp auf meinem Sonntagsritt durch den Steigerwald und entlang der Romantischen Straße in Rothenburg ob der Tauber tuscheln zwei Spaziergänger als sie das Moped beim Vorbeiflanieren zu Gesicht bekommen: "Schau mal, das Motorrad heißt Brutale" und kichern ungläubig! Ich schmunzele, schmeiße den Motor an und stürze mich auf den Asphalt. Bereits beim Wegfahren und den mir nachwinkenden Touristen fällt mir spontan ein neuer passender Name für diese Maschine ein: Turismo Brutale!

Ein wenig Enduroluft durfte ich am Wochenden in Neustadt a. d. Aisch schnuppern: Dort fand ein Lauf der Deutschen Enduro-Meisterschaft statt. Getroffen habe ich dort Jürgen-Heinrich Wischhoff, den ich im Mai dieses Jahres auf einer privaten Baltikumreise kennnengelernt habe. Dessen Sohn Claas fährt sehr erfolgreich im Rennteam des Händlers Bert von Zitzewitz mit. In seiner Klasse ist er an diesem Sonntag (und nicht nur diesem) der schnellste. Glückwunsch, lieber Claas. Weiter so! Vereinbart hatten Jürgen und ich das Treffen auf Facebook. Mein Motorrad-Netzwerk funzt einwandfrei.

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