Unfallforschung der Versicherer: Junge Fahrer im Fokus

Neue Motorradunfall-Studie

| Redakteur: Sandra Liermann

Ein sehr realitätsgetreuer Crashtest zeigt die Problematik des Motorradfahrens bei zu geringem Abstand.
Ein sehr realitätsgetreuer Crashtest zeigt die Problematik des Motorradfahrens bei zu geringem Abstand. (Foto: UDV)

Eine neue Motorradunfall-Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt, dass der Fahrertyp großen Einfluss auf das Unfallgeschehen hat.

Mehr als die Hälfte aller Unfälle (52 Prozent), in die im Jahr 2012 Motorradfahrer verwickelt waren, haben diese auch selbst verursacht. 58 Prozent davon waren Alleinunfälle ohne weitere Beteiligte. Um die Unfallursachen genauer zu analysieren, hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zwischen Mai 2010 und Dezember 2011 194 schwere Motorradunfälle im Saarland unter anderem direkt an der Unfallstelle detailliert untersucht.

Die Studie lässt jedoch unerwähnt, dass bei jedem zweiten Motorradunfall, der nicht vom Biker allein verursacht wurde, zu 75 Prozent der Autofahrer der Schuldige ist, wie eine Studie des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) belegt.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie: „Junge Fahrer“ und „sportliche Bauform des Motorrads“ sind die wesentlichen Faktoren beim Alleinunfall. Mit der Motorleistung steigt die Häufigkeit selbstverschuldeter Unfälle. Chopper-Fahrer und Besitzer von Touren-Maschinen sind dagegen deutlich seltener in Unfälle verwickelt. Zudem kam der UDV zum Ergebnis, dass Motorradfahrer nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit haben, einen Unfall unverletzt zu überstehen.

Keine Überraschung ist es, dass Unfälle an Kreuzungen und Einmündungen überwiegend vom Unfallgegner des Kraftrads verursacht werden. Während Stürze und Kollisionen an Kreuzungen allgemein bekannte Unfallkonstellationen mit Motorrädern sind, ist der Auffahrunfall als Gefahr bislang wenig bekannt: „Fast jeder zweite Unfall, den ein Kradfahrer verursacht, ist ein sogenannter Unfall im Längsverkehr“, so Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, „typischerweise ein Auffahrunfall.“ Wenn der Motorradfahrer zu wenig Abstand hält oder kurzzeitig abgelenkt ist, hat er bei entsprechender Geschwindigkeit keine Chance mehr zu reagieren. Die Folge ist fast immer ein Auffahrunfall mit schwerem Personenschaden.

Brockmann zufolge zeigen die Ergebnisse, dass es beim Motorradfahren sehr auf die Fahrweise und die Risikobereitschaft des Fahrers ankommt. Erschwerend kommt hinzu, dass Geschwindigkeitsverstöße von Motorradfahrern praktisch kaum kontrollierbar sind.

Um Motorradunfälle zu reduzieren, fordert Brockmann die schnelle Einführung zusätzlicher technischer Assistenzsysteme, vor allem ABS mit Schräglagenerkennung und ein Abstandsradar, das den Fahrer nicht nur warnen, sondern durch einen Widerstand im Gasgriff zur Herstellung des richtigen Abstands auffordern soll. Darüber hinaus sollten regelmäßige, obligatorische Fahrtrainings das Gefahrenbewusstsein schärfen und die Fahrweise verbessern.

Gerade bei bekannten Motorradstrecken könne viel für die Sicherheit getan werden, so Brockmann. So hätten sich auf Kurvenstrecken mit vielen Motorradunfällen Rüttelstreifen zur Temporeduzierung bewährt. Fahrbahnoberflächen sollten möglichst keine „Überraschungen“ enthalten und Bitumenflicken sollten zumindest in Kurven unterbleiben. Ist es zum Sturz gekommen, hilft eine Leitplanke mit Unterfahrschutz, schwere Verletzungen zu vermeiden.

Wie schon ältere Studien zeigen, sind Motorradfahrer durchaus lernfähig, was ihre eigene Sicherheit angeht. In einer Befragung von rund 600 Motorradfahrern aus dem Jahr 1999, die vom Reifenhersteller Uniroyal in Auftrag gegeben wurde, kritisierten mehr als 70 Prozent die Fahrschulausbildung als zu wenig praxisorientiert, über 90 Prozent forderten ein Gefahrentraining. Mehr als 50 Prozent der Fahrer würden zudem obligatorische Schutzkleidung begrüßen. Straßensperrungen von besonders unfallträchtigen Straßen stoßen dagegen auf Ablehnung.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42734818 / Markt)