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Update: Yamaha Tracer 700

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Nika-Lena Störiko

Die upgedatete Version der Yamaha Tracer 700 bietet gesteigerte Qualitäten und bereitet Einsteigern wie Könnern viel Fahrfreude bei günstigem Preis. Auf eines verzichtet sie weiterhin.

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Für das Modelljahr 2020 hat Yamaha die Tracer 700 in vielen Punkten modernisiert.
Für das Modelljahr 2020 hat Yamaha die Tracer 700 in vielen Punkten modernisiert.
(Bild: Yamaha)

Das Rezept hatte Yamaha schon für das Jahr 2016 entwickelt: Man nehme den fulminanten CP2-Reihenmotor mit zwei Zylindern und knapp 700 Kubikzentimetern Hubraum aus dem Erfolgsmodell MT-07, stecke das Triebwerk in einen kompakten Stahlrahmen und garniere das Ganze mit einer Halbschalenverkleidung im Sporttouringformat. Tracer 700 hieß das in Europa konzipierte und für unseren Kontinent gedachte Produkt schon damals, und diesen Namen trägt auch die Update-Version, die in diesen Tagen zu den Händlern kommt.

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Neu an der aktuellen Tracer 700 sind die Euro-5-zertifizierte Motorabstimmung, das verfeinerte Fahrwerk, die komplette Verkleidung samt LED-Beleuchtung rundum und eine ebenfalls verfeinerte Ergonomie zugunsten weiter gesteigerter Agilität und zugleich erhöhten Komforts. Für 8.490 Euro ist es schwer, auf dem Markt ein besseres Motorrad zu finden. Ein wesentlicher Grund dafür liegt beim Antrieb durch den im Zuge der EU-5-Bestimmung um gut ein PS schwächer gewordenen Motor; er leistet statt 55 kW/75 PS nur noch knapp 74 PS, doch liegen diese nicht mehr bei 9.000, sondern schon bei 8.750 Umdrehungen. an. In der Praxis bedeutet der Leistungsverlust nicht mehr als eine Zahl, denn die Motorcharakteristik – druckvoll, drehfreudig und vibrationsfrei – hat unter der Sauberkeitskur nicht im Geringsten gelitten. Nach wie vor ist dieses Triebwerk, das Yamaha in einer ganzen Reihe von Modellen einsetzt, ein reiner Quell der Freude, ja sogar einer der besten Motoren der Motorrad-Gegenwart. Er nimmt ab 2.000 Touren sauber Gas an, liefert schon in der Mitte guten Druck und jubelt jenseits der 7.000/min., als seien ihm keine Grenzen gesetzt. Zudem ist er, sofern man ihn nicht permanent ausquetscht, ein sparsamer Antrieb. In der Tracer 700 spricht Yamaha dank eines Wmtc-Normverbrauchs von 4,3 pro 100 Kilometer angesichts des 17 Liter-Tanks von fast 400 Kilometern Aktionsradius.

Konventionelles Fahrwerk

Schon bisher hat das konventionelle Fahrwerk gut gefallen können. Durch ein Update der Telegabel wie auch des Zentralfederbeins sind beide Komponenten noch etwas besser auf die persönlichen Anforderungen des Fahrers einstellbar, ohne dass sich deshalb aber eine neue Welt auftäte. Bislang Gutes ist einfach noch ein Quäntchen besser geworden. Das gilt auch für die Handhabung; Yamaha hat beispielsweise den Lenker um 3,4 Zentimeter verbreitert, was das Einlenken tatsächlich etwas erleichtert und auch der Stabilität förderlich ist. Eine sinnvolle Kleinigkeit, die aber ebenfalls keine neue Welt bedeutet. Schade, dass die Schaltbarkeit des Getriebes am Testbike nicht zufriedenstellen konnte; gelegentlich verlief der Gangwechsel hakelig. Die Kupplung und die Dreischeiben-Bremsanlage inklusive gut regelndem ABS sind leicht bedienbar und erfüllen ihre Aufgaben ausgezeichnet, wobei die Gabel beim harten Verzögern tief eintaucht.

Neue Karosserie

Einen echten Fortschritt stellt die vollkommen neu gezeichnete Karosserie dar. Sie weist mit ihren zwei getrennten LED-Scheinwerfern eine nicht zu übersehende Familienähnlichkeit zu den Modellen Tracer 900 und R1 auf und ist dank eines neuen Windschilds zudem komfortabler und funktionaler: Der Windschild ist nämlich einhändig stufenlos so leicht verstellbar, wie wir das noch bei keinem anderen Motorrad erlebt haben. Komfortabler ist das Fahren aber nicht nur wegen des variablen Windschutzes, sondern auch wegen der neuen, besser gepolsterten Sitzbank, die im hinteren Bereich um einen Zentimeter Stärke zugelegt hat. Gut ablesbar ist das neu gezeichnete LCD-Anzeigeinstrument im Cockpit, dessen Ausstattung das in dieser Klasse Übliche – zwei Trip-Zähler, Temperatur von Triebwerk und Umgebung, Ganganzeige – bietet, aber auf Connectivity-Späßchen verzichtet. Wir haben beim Kurvensuchen im gebirgigen Winkelwerk von Teneriffa nichts vermisst.

Ein wenig großzügiger könnte Yamaha bei der Zuladung sein: Rund 180 Kilogramm sind für ein Motorrad, dem der Hersteller eine dezidierte Zweipersonen-Eignung attestiert und für das unter anderem als kostenpflichtiges Zubehör ein Travelpack angeboten wird, arg sparsam. Da müssen sich zwei normal gewachsene Figuren arg beschränken, wenn sie die mit Seitenkoffern ausgerüstete Tracer 700 nicht überladen wollen. Ansonsten lässt sich an der kleinen Yamaha nichts kritisieren, was nicht auch bei einer Vielzahl anderer Motorräder verbesserungsfähig wäre: Abgewinkelte Reifenventile würden die Luftdruckkontrolle erleichtern, ein automatisch rückstellender Blinker die Verkehrssicherheit erhöhen. Andererseits darf man nicht vergessen, dass es sich bei der Tracer 700 im Grunde um ein einsteigerfreundliches Motorrad handelt; es ist auch, passend zur A2-Lizenz, mit 48 PS zu haben. Besonders sympathisch ist es deshalb, weil mit ihm zudem Fortgeschrittene und auch Könner am Lenker ihren Spaß haben können. Denn das von Yamaha geschnürte Paket aus einem höchst vergnüglichen Motor, einem bescheidenen Leergewicht von 196 Kilogramm, guter Bedienung und gutem Komfort mit einem sicheren Fahrwerk ist ein in Summe sehr attraktives Angebot. Ihren Preis von 8.490 Euro ist die in drei Matt-Farben lieferbare Yamaha Tracer 700 voll und ganz wert; und wer noch ein bisschen was drauflegen will, findet als Zubehör gleich vier Pakete, in denen hübsche und/oder attraktive Ausstattungen gebündelt angeboten werden.

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