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Verlieren Sie Ihren Optimismus nicht

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 17/II), Episode 773: Was diese Woche geschah? Der Ölmarkt spielt verrückt, diese Woche musste man beim Kauf eines Barrels Rohöl, dem historischen Fass mit 159 Litern, an den Terminmärkten nichts bezahlen, sondern bekam sogar noch 40 Dollar geschenkt. Verrückte Welt. Derweil versuchen Deutschlands Motorradhändler nach dem Corona-Lockdown...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...wieder zurück in die Business-Spur zu kommen. Die motorisierte Zweiradbranche in D, A, CH ist bisher ganz gut durch die wirtschaftlichen Verwerfungen gekommen, welche die Pandemie und vor allem der von der Politik verordnete Shutdown auslöste. Motorradhändler und -werkstätten zählen zu den systemrelevanten Unternehmen, weil sie den Bürgern helfen, deren individuelle Mobilität aufrechtzuerhalten. Deswegen hatten die Werkstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz alle offen. Die fleißigen Schrauberhände hatten auch während des Shutdowns jede Menge zu tun. Die Zweiradbranche ist an ein extremes Saisongeschäft gewöhnt (schließlich hätte auch ein plötzlicher und anhaltender Wintereinbruch die Lust am Motorradkauf für Wochen eingefroren). Etwas schwerer hatten es da schon die zahlreichen Shops und Läden, Versender, Filialisten und Lieferanten für Bekleidung, Helme und Zubehör (siehe Newsletter). Wenn überhaupt, dann ging da nur online was.

Saisonstart abrupt unterbrochen

Die Schließung der Showrooms der Motorradhändler im März und April bremste natürlich den bis 15. März super angelaufenen 2020er Saisonstart merklich aus. Im März wurden 15 Prozent weniger Bikes zugelassen, im April dürfte sich ein Minus von 30 bis 40 Prozent aufbauen. Vor allem deswegen, weil die vielfach geschlossenen Kfz-Zulassungsämter das Nadelöhr waren. Gefragt waren und sind vor allem 125er Roller und Leichtkrafträder. Hier spielt den Unternehmen die seit 1. Januar 2020 geltende neue B196-Führerscheinregel in die Karten, die auch Pkw-Fahrern den Einstieg in die individuelle Zweiradmobilität eröffnet. Mit dem Öffnen der Fahrschulen wird der Handel zeitversetzt mit einer erhöhten Nachfrage bei den 125ern rechnen können. Prinzipiell war der Verkauf von Motorrädern nämlich nicht verboten, wenn er online angebahnt und mit den entsprechenden Hygienevorschriften finalisiert wurde. Händler mit fortschrittlichen digitalen Prozessen wussten diesen Vorteil für sich zu nutzen und lieferten über Speditionen bundesweit aus.

Gleichwohl wurden viele Mitarbeiter im Verkauf in Kurzarbeit geschickt und einige Betriebe beantragten und erhielten Corona-Soforthilfen. Eine Blitzumfrage von »bike und business« ergab, dass viele Betriebe wegen einer guten Eigenkapitalausstattung glücklicherweise noch nicht in Liquiditätsnöte geraten sind und nach eigenen Angaben eine finanzielle Durststrecke bis Ende April oder Mitte Mai verkraften. Da kam die Corona-Lockerung zum 20. April (in Bayern 27. April) gerade recht. Motorradbetriebe sind wie Autohäuser nicht von der 800-Quadratmeter-Öffnungsregel betroffen und dürfen also auch aufsperren, wenn sie über dieser Grenze liegen.

Informationshunger ist groß

Der Informationsbedarf der »bike und business«-Leser und User ist seit Ausbruch der Corona-Krise deutlich angestiegen. Die Zugriffe auf die Homepage im März lagen rund ein Viertel über Vorjahresniveau. Der zweimal wöchentlich erscheinende Bike-Newsletter weist höhere Öffnungsraten aus als sonst. Die täglichen Postings auf Twitter, Instagram und Facebook sorgen für Aufmerksamkeit für die Marke und ein generelles Ansteigen der Interaktivität.

Am 26. März fand aus dem Homeoffice und unter der Mitwirkung der VCG-Video Unit heraus, das erste „bike und business“-Live-Webinar für Motorradhändler und -werkstätten und andere Zweiradprofis statt. Es stand unter dem Motto: #BikeFutureMachenWirWasDraus. In der Spitze diskutierten 275 Teilnehmer*innen oder stellten uns ihre Fragen. Letztlich waren es rund 400 registrierte Zweiradprofis. Ein Modell und Plan B für die „inhaltsgetriebene“ Fachtagung »bike und business« im November, falls Corona dem Event einen Riegel vorschiebt.

Die Bike-Events

Gute Aussichten bestehen ebenfalls noch für unsere 15-Jahre-Vogel-Motorradtour Mitte Juli in Würzburg. Die bereits bestätigten rund 35 Teilnehmer würden sich sehr freuen, wenn das emotionale und fahraktive Fahrevent stattfinden darf und haben bislang nicht storniert. Auch unsere Sponsoren und Förderer halten uns die Stange, ja es kommen in diesen schwierigen Zeiten sogar neue hinzu.

Auf Hape Kerkelings Spuren

Ab morgen düse ich bis zum 12. Mai in Urlaub. Erstmal geht es (ohne Schutzmaske) in meinen Garten, Wandern, Spaziergehen und im Haus nach dem rechten sehen. Und wenn es in Bayern wieder erlaubt ist, Motorrad zu fahren – dreimal dürfen Sie raten, wo ich dann den Rest meiner freien Zeit zu finden sein werde? Nach sechs anstrengenden Wochen im Homeoffice ist das jetzt einfach mal nötig. Mein Moped scharrt schon seit sechs Wochen mit den Hufen. Als Urban Electric Rider freilich war ich mit meinem Tinbot ES1 ständig auf Achse in der City.

Das »bike und business«-Team versorgt sie in den nächsten zweieinhalb Wochen wie gewohnt mit dem Newsletter. Nur auf meinen Speedlog müssen Sie verzichten, der macht in dieser Zeit ebenfalls mal Pause.

Ich drücke uns allen und vor allem der gesamten Motorradbranche die Daumen, dass das Geschäft nach dem Corona-Lockdown nun langsam wieder anläuft, ohne dass sich neue Infektionsketten Bahn brechen. Es muss endlich wieder frisches Geld in die Kassen fließen. Verlieren Sie Ihren Optimismus nicht und vor allem: Bleiben Sie gesund!

(ID:46530898)

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