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Verunglückte Osterbiker: Mehr Ehrlichkeit in der Unfallbilanz bitte!

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 17/I), Folge 683: Zurück von meinem einwöchigen Kurztrip nach Moskau und St. Petersburg und den Osterferien bei herrlichem Motorradwetter. Die Akkus sind geladen und der Kopf wieder frei für...

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...neue, spannende Geschichten rund um das Motorradbusiness. Heute soll es anlassbezogen um die Sicherheit auf dem Bike gehen. Wie jedes Jahr fällt auf, dass die allgemeinen Medien der Motorradfahrergilde mit deftigen Schlagzeilen den Saisonstart mal wieder madig machen: Tödliches Oster-Wochenende für Motorradfahrer – zehn Biker tot. Teilweise waren sie zu schnell unterwegs oder wurden von Autofahrern schlicht übersehen. Nicht falsch verstehen – das sind sicherlich zehn Tote zu viel. Aber warum recherchieren die Agenturen immer nur die Unfallstatistiken der Zweiradfahrer und spitzen sie reißerisch auf das ungeliebte Thema Motorrad zu? Wer auf Google nach den an Ostern 2019 gestorbenen Autofahrern sucht, bekommt zumindest im Netz rein gar nichts angezeigt.

Der Blick auf die Verkehrsunfallstatistik

Lassen wir es mit der Polemik gegen die einseitige Berichterstattung gegen das Motorradfahren – gegen den Mainstream im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und den Tages- und Boulevardzeitungen kommen wir eh' nicht an. Wir Motorradfahrer wissen alle, das es gefährlich ist, auf zwei statt vier Rädern unterwegs zu sein, gehen dieses Risiko aber bewusst ein. Werfen wir trotzdem einmal einen erhellenden Blick auf die Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres: 3.265 Menschen starben laut Statistischem Bundesamt bei Unfällen im Straßenverkehr. Detailliertere Zahlen der Getöteten bei Verkehrsunfällen nach Art der Verkehrsbeteiligung liegen für 2017 vor: Danach starben 583 Motorradfahrer, 59 Lenker von Mofas und Mopeds mit Versicherungskennzeichen, 382 Fahrradfahrer (davon 68 auf einem Pedelec), 1.434 Pkw-Fahrer, 483 Fußgänger, 167 Lkw- und 22 Busfahrer.

Das bestandsbezogene Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken ist bei Krafträdern höher als bei anderen Kraftfahrzeugen – dieses Faktum arbeitet das Statistische Bundesamt sauber heraus: Bezogen auf 1.000 zugelassene Kleinkrafträder und Krafträder mit amtlichem Kennzeichen verunglückten 2017 sieben Benutzer, auf 1.000 Pkw kamen fünf Verunglückte. Auch das Risiko, bei Straßenverkehrsunfällen tödlich verletzt zu werden, lag für Benutzer von Krafträdern mit amtlichem Kennzeichen mit 14 Getöteten je 100.000 Krafträder deutlich über dem Wert für Fahrer und Mitfahrer von Kleinkrafträdern und dem von Pkw-Insassen mit jeweils drei Getöteten je 100.000 zugelassenen Fahrzeugen. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass erstens das Verletzungsrisiko auf Krafträdern insgesamt größer ist als im Auto und zweitens die Unfallfolgen für Nutzer von Krafträdern mit amtlichen Kennzeichen im Vergleich zu Benutzern von Kleinkrafträdern sowie zu Pkw-Insassen schwerwiegender sind. Das bestandsbezogene Risiko auf einem Kraftrad mit amtlichem Kennzeichen getötet zu werden, war im Jahr 2017 mehr als viermal so hoch wie im Auto. Denn Kraftradfahrer sind bei einem Unfall nahezu ungeschützt. Das noch größere Risiko für Motorradfahrer bei einem Unfall tödlich verletzt zu werden, resultiert daraus, dass mit einem Kraftrad wesentlich höhere Geschwindigkeiten gefahren werden als mit einem Kleinkraftrad. Demzufolge sind die Unfallfolgen oft schwerer. Damit bestätigt die Unfallstatistik, was viele vermuten: Kraftradfahren ist gefährlich. „Allerdings hat diese Gefahr in den letzten Jahren nicht zugenommen“, schreibt das Statistische Bundesamt. Bezogen auf den Bestand habe das Todesrisiko sogar abgenommen.

Nehmt mehr Rücksicht aufeinander

Bleibt am Schluss wie immer der Appell, dass Auto- und Motorradfahrer gerade zum Saisonstart mehr Rücksicht aufeinander nehmen sollten. Die Statistik zeigt: 31,5 Prozent der getöteten Kraftradbenutzer kamen bei Alleinunfällen zu Schaden. Das heißt, es waren keine anderen Fahrzeuge oder Fußgänger beteiligt. Unfallgegner von Motorradfahrern waren zu 80 Prozent andere Pkw-Fahrer. Bei den 21.917 Zusammenstößen dieser Art verunglückten 1.746 Pkw-Insassen und 22.758 Kraftradbenutzer. 92,9 Prozent der Unfallopfer waren also Kraftradfahrer oder -mitfahrer, aber 68,6 Prozent dieser Unfälle wurden von Pkw-Fahrern verursacht! Liebe Autofahrer: Fahrt den Ellenbogen ein und achtet ganz besonders im Frühjahr und bei bestem Bikerwetter auf die Einspurfahrzeuge. Und liebe Motorradfahrer: Gebt den Autofahrern eine Chance und startet mit angepasster Geschwindigkeit ins neue Saisonglück und lasst es langsamer angehen und absolviert am besten ein Fahrsicherheitstraining, bevor ihr auf die Piste geht. Sonst platzt der Traum Eurer Freiheit am widerstandsfähigen Blech des nächsten Automobils.

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