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Vom Bau lernen

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 5/II), Folge 750: Schon wieder ein Jubiläum – die Geburtsstunde für meine Kolumne fiel vor rund einem Jahrzehnt. Exakt am 20. Mai 2010 versah ich nämlich den »bike und business«-Newsletter (der bereits 2008 auf Sendung ging) erstmals mit meinen Kommentaren und Beobachtungen zur Lage der Branchennation...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group )

..., damals noch unter der Rubrik „Das Wochengeschehen auf den Punkt gebracht“. Seit 24. Juni 2016 heißt der Newsletter „Speed Read“ und meine Kolumne mutierte zu „Stephans Speedlog“ (Lesen Sie noch einmal das Original von der allerersten Speedlog-Folge)

Ein großes Lob geht an Sie, lieber Leser und User des Newsletters. Ihr Feedback macht meinen Speedlog so wertvoll. Ihre Inhalte befeuern mich in meinem Elan, für Sie die Dinge auf den Punkt zu bringen. So erreichten mich jüngst wieder zahlreiche Meinungen und Kommentare zu meinem Speedlog „Stich ins Herz eines jeden Händlers“.

Interessant sind häufig auch die fundierten Kommentare und Ansichten aus anderen Branchen zu Motorradthemen. So schrieb mir zum Beispiel Markus Marschalek von der Messe München: „Ich kann die Sorgen des Händlers sehr gut nachvollziehen. Wir erleben diese Entwicklung auch in anderen Branchen. Alle B2C-Händler tun sich zunehmend schwer, vor allem die Kleinen: Konkurrenz aus dem Internet, rigide Vorgaben von Herstellern und Importeuren, sinkende Margen, fehlendes Geld für Zukunftsinvestitionen, ,Bereinigung' der Händlernetze.

Auch wir Messeveranstalter spüren das, sind doch die Fachhändler eine tragende Säule unserer Messebesucher. Insofern versuchen wir Ihnen zu ,helfen', um damit letztlich uns selbst zu helfen. So bieten wir auf unseren Messen neben branchenspezifischen Informationen und Jobbörsen auch Seminare zu Finanzierung, Online-Marketing, Betriebsübergabe usw. Wir verleihen Awards, fördern Jungunternehmer mit vergünstigten Standmieten und bieten Unterstützung für alle erdenkliche Marketingmaßnahmen. Die Messen stehen hier ind er Pflicht. Aber auch die Händler selbst sollten sich zusammentun. Gemeinsam ist man stärker. Das voranzutreiben hat auch Stephan Maderner mehrmals angeregt. Falls ihm also mal langweilig wird…“

Ein anonym bleiben wollender ehemaliger Händler schrieb mir: „Ich kann den Kollegen nur bestätigen. Hatte Suzuki und MV. Marge bei der SV 650 zehn Prozent, bei der Brutale 675 acht Prozent. Dazu meinte ein ehemaliger MV-Außendienstler, ich solle doch froh sein das es überhaupt Marge gäbe bei einer so renommierten Marke. Egal bei welcher Marke, die allermeisten Mitarbeiter der Hersteller bilden sich so derart was ein, was sie sind – einfach unfassbar. Nur fordern, das ganze Jahr lang, nie zufrieden. Dann baust du den Laden um, aber der Hersteller macht seine Hausaufgaben nicht (verfehlte Modellpolitik).

Ich bin nun vor drei Jahren aus der Branche ausgestiegen und bin sehr froh darüber. Ich bin derzeit in der Baubranche unterwegs und die Unterschiede zur Zweiradbranche sind derart gravierend, dass ich jedem kleinen Händler zum Ausstieg raten kann. Der ausbleibende Erfolg trotz Invest mit einer Marke, die Händlerverträge, die Internetvergleiche und die kurzfristig folgenden CI-Maßnahmen knebeln einen derart, dass man psychisch erkranken muss.

Als Bauunternehmer gebe ich mein Angebot ab und werde beauftragt oder nicht. Da wird nicht viel, oder oft gar nicht rumdiskutiert. Erledige ich meine Arbeit und es kommt was dazu, wird es extra vergütet. Mit Baustoffhändlern habe ich keine Verträge sondern der Handschlag reicht und ich bekomme 30 Prozent auf die Listenpreise. Und wenn ich keinen Mist baue, werde ich sofort wieder beauftragt und kann die Preise Schritt für Schritt auch noch anheben. Nicht so wie bei den Zweirädern, wenn der Kunde zum dritten Mal einkauft, dass er alles zum halben Preis kriegt. Der Ton ist rau am Bau, aber meist fair und auf Augenhöhe.“

Diese und weitere erhellende Kommentare lesen Sie in den Leserbriefspalten am Ende der jeweiligen Speedlog-Artikel. Sie zeigen. Die Lage ist ernst. Ein Leser unter dem Pseudonym „Ex-Vertragshändler“ erwartet „unter uns ,normalen' Vertragshändlern 2020 (auch aufgrund von Euro 5) mit der Marke B (siehe Speedlog Folge 747) eine Rabattschlacht, die es in der Motorradgeschichte noch nicht gegeben hat“. Dazu passen auch die ersten Ergebnisse meiner aktuellen Online-Umfrage. Jeder fünfte wünscht sich dort eine offene Diskussion über eine gedeihliche Zulunft des Hersteller-Händler-Verhältnisses. 12 Prozent der Befragten sehen sich gar gezwungen, ihre Händlerverträge zu kündigen. 37 Prozent wünschen sich eine Rückbesinnung auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die es dem Händler wieder ermöglicht Geld zu verdienen. Und wenn es so weitergeht wie bisher, treibt es viele Händler in die Insolvenz – dieser These folgt jeder Dritte.

Diese Umfrage ist zwar (noch) nicht repräsentativ, aber eine erschreckende Momentaufnahme. Wenn Sie noch nicht abgestimmt haben sollten, sollten Sie das jetzt nachholen. Weitere Meinungen zum Thema sind erwünscht. Schicken Sie mir eine Mail, wenn Sie anonym bleiben wollen oder kommentieren Sie direkt und konstruktiv als registrierter Forum-User mit.

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