Von den Kollegen Fahrrad lernen

E-Bikes bescheren der Fahrradindustrie weiterhin gute Umsätze. Hauptvertriebskanal der Stromer auf zwei Rädern: der Fahrradfachhandel. Die Bedeutung der SB-Warenhäuser und Baumärkte sinkt. Könnte der Motorradhandel künftig eine größere Rolle spielen?

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Treffen der Zweirad-Netzwerker (v.li.) in Berlin: Siegfried Neuberger (ZIV), Stephan Maderner ("bike und business") und Thomas Kunz (VDZ).
Treffen der Zweirad-Netzwerker (v.li.) in Berlin: Siegfried Neuberger (ZIV), Stephan Maderner ("bike und business") und Thomas Kunz (VDZ).
(Foto: Lukas Maderner)

Mit einem Plus von rund 8 Prozent und insgesamt 410.000 verkauften E-Bikes ist der E-Bike Absatz in Deutschland auch im Jahr 2013 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen. „Maßgeblich verantwortlich für diese Steigerung sind vor allem die sich stetig weiterentwickelnde Batterie- und Antriebstechnologie, neue Modelle und Anbieter sowie wachsende Zielgruppen“, sagt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV), auf der Präsentation der Wirtschaftsdaten des Fahrradmarktes am 25. März in Berlin.

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Der durchschnittliche Verkaufspreis je Elektrofahrrad betrug laut Thomas Kunz, Geschäftsführer des Verbandes des Deutschen Fahrradhandels (VDZ), rund 2.000 Euro. „Ein Vertrieb ohne Service ist bei Pedelecs heutzutage nicht mehr darstellbar“, sagt Kunz. Die Anforderungen für den Werkstattbereich steigen.

Welche Rolle spielt der Motorradhändler?

Genau an der Stelle könnte sich eine Chance für Motorradhändler und -Werkstätten auftun, weil jene im sensiblen Umgang mit Batterien geschult und bestens vertraut sind. Außerdem haben Scootermarken wie Peugeot oder Motorradgroßhändler wie beispielsweise Hartje oder MSA Weiden eigene Pedelec-Modelle im Programm und wollen den Vertriebsweg „Motorradhandel“ peu à peu ausbauen. Hauptakteure beim In-den-Verkehr-bringen der Pedelecs bleiben allerdings mit weitem Abstand die Fahrradfachhändler sowie Baumärkte und SB-Warenhäuser oder Supermarktketten, wie Siegfried Neuberger und Thomas Kunz im Gespräch mit »bike und business« bestätigen. Der ZIV-Geschäftsführer, selbst begeisterter Motorradfahrer, könnte sich aber durchaus vorstellen, dass der Motorradhandel künftig eine größere Rolle beim Vertrieb und der Wartung von Pedelecs und E-Bikes spielen könnte.

Silver Ager bekommen Konkurrenz

Fest steht: Mit einem Marktanteil von aktuell 11 Prozent am Gesamtmarkt unterstreicht das E-Bike erneut seine Chance in der Alltagsmobilität. Zwar sind aktuell vorwiegend die sogenannten „Silver Ager“ die größte Gruppe bei den E-Bike Käufern, doch dies ändert sich gerade.Vor allem im urbanen Umfeld entdecken immer mehr „jüngere“ Menschen die vielfältigen Chancen und Einsatzmöglichkeiten eines E-Bikes in der Alltagsmobilität.

Aktuelle Untersuchungen belegen diesen Trend: So können sich laut einer repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Bosch eBike Systems 23 Prozent der Erwerbstätigen vorstellen, mit dem Pedelec zur Arbeit zu fahren und das Auto manchmal zu ersetzen. Ähnlich sieht es beim Einkaufen aus: Für 21 Prozent aller Befragten ist es vorstellbar ein E-Bike zu nutzen, um damit ihre Besorgungen zu transportieren. Und sogar ein Drittel möchte künftig einen Ausflug oder eine längere Tour mit dem E-Bike unternehmen. Nach Einschätzung des ZIV kann daher der Markt für E-Bikes in Deutschland mittelfristig auf einen jährlichen Anteil am Gesamtmarkt von über 15 Prozent wachsen.

1,6 Millionen E-Bikes im Bestand

Mit insgesamt über 1,6 Millionen E-Bikes auf den Straßen Deutschlands hat die deutsche Fahrrad-, Fahrradteile- und Zubehörindustrie geschafft, wovon andere Industriezweige noch weit entfernt sind: Elektromobilität ausgereift, in ausreichender Stückzahl und für jeden erlebbar auf die Straße zu bringen. Der Bestand erneuere sich derzeit alle sieben Jahre. Nach Schätzung des ZIV sind mehr als 95 Prozent aller verkauften E-Bikes sogenannte Pedelecs. Die größten Märkte für E-Bikes in Europa sind die Niederlande und Deutschland, die zusammen über 50 Prozent des europäischen Gesamtmarktes abdecken. Die Prognose für das Jahr 2013 liegt bei 1,2 Millionen Stück. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von rund 9 Prozent.

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