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Von den Motorradkollegen lernen

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 26/II), Folge 702: Viel debattieren wir an dieser Stelle über die Zukunft des Motorradhandels. Stichworte der letzten Speedlogs lauteten „Game of Dealers“, „Immer wenn ein Händler zuschließt“ oder „Gier frisst Hirn“. Die Themen stießen stets auf große Resonanz, und das ist auch gut so. Weniger gut...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...finde ich, dass bei diesem im Kern fruchtbaren Gedankenaustausch leider die negativen Kritiken überwiegen. Stets tönen die Skeptiker dabei so laut, dass ein konstruktiver Diskurs kaum möglich ist. Das liegt wohl ein Stück weit in der Natur der digitalen Sache begründet: Denn seinem Ärger und Frust im Netz verschafft man sich in der Regel stärker Luft als dass man konstruktive Ideen und positive Ansätze sachlich-nüchtern und mit lösungsfreundlicher Attitüde zum Besten gibt. Deswegen wollen wir künftig darauf achten, dass wieder mehr Balance in den Bike-Kanal einkehrt. Lassen wir zum Beispiel Frank Eberhart zu Wort kommen, seines Zeichens Dipl. Wirtsch. Ing. und Geschäftsführer Ramsperger Automobile Kirchheim. Er ist hier bekannt durch seine klug vorgebrachten Argumente. Und ein besonders wertvoller Zeitgenosse, weil er uns seine Sicht der Dinge mit der Brille des Automanagers sowie des Motorradfahrer-Endkunden näher bringt. „Hallo Herr Maderner, Ihre Beiträge lese ich immer wieder sehr interessiert. Die Motorradthemen gleichen sich denen, mit denen die Autobranche zu kämpfen hat, wobei wir nach meinem Eindruck noch deutlich schlimmer dran sind. Ich erlebe, dass sich die Motorradkollegen schon deutlich selbstbewusster verhalten als der Automobilhandel.

Dies zum Beispiel bei Rabatten auf Neufahrzeuge. Wo der Autohandel selbst bei nicht lieferbarer, extrem knapper Ware schon zur Markteinführung gerne die gesamte Marge in den Nachlass rechnet, erlebe ich im Motorradhandel Rabatte von nichts oder ein T-Shirt (Harley) bis 5 Prozent (BMW). Dazwischen Ducati.

In der Werkstatt werden Kunden, die das Motorrad dort vor Ort gekauft haben, bei Serviceterminen bevorzugt. Der Internetkäufer muss halt dann die Saison mit Warten auf den Termin zubringen. Das halte ich nur für konsequent und nachahmenswert.

Auch bei uns macht sich die Personalknappheit (vor allem bei gutem, qualifiziertem Personal in der Werkstatt) sehr deutlich bemerkbar. Die Stundensätze werden steigen, und die Rosinenpicker wie Ölmitbringer nehmen wir auch nicht mehr an. Wer uns die letzten Ertragsquellen nehmen möchte, soll woanders hingehen. Bei vier Wochen Vorlauf geht das durchaus, man muss es nur machen.

Oder geht der Kunde denn auch zu seinem Lieblingsitaliener, bestellt die Pizza, sagt aber, dass ihm das Mineralwasser zu teuer ist, er habe einen Kasten für 2 Euro aus dem Supermarkt dabei (aber das Glas, das dürfe er noch stellen)? Mit diesem Beispiel habe ich die wenigen Ölmitbringmeckerer meist zur Vernunft gebracht.

Wie die Kollegen schon sagen: Das wird sich von ganz alleine geben. Auch unsere Hersteller sagen, der Kunde wünsche einen Vorlauf von max. einer Woche. Ja, gerne, wenn entsprechend Personal zu bekommen wäre (und nicht von der Industrie mit Traumgehältern abgeworben würde). Wer einen Klempner, Maler, Gipser zu Hause benötigt, wartet jetzt meist schon ein Vierteljahr. Die Hersteller und die Kunden werden umdenken müssen. Wie sagt man so schön: die normative Kraft des Faktischen wird alle einholen.“

Wie sieht für Sie die normative Kraft des Faktischen aus? Haben Sie die Kunden auch schon dahingehend erzogen, dass Sie für Ihre Leistungen auch das Geld bekommen, das Sie verdienen? Welche Methoden wenden Sie da an und wie reagieren die verwöhnten Kunden? Lassen Sie mich bitte an Ihrem Erfahrungsschatz teilhaben und schreiben Sie mir.

PS. Sieben Tage noch bis zum Einsendeschluss der Bewerbung zum Motorradhändler des Jahres am 5. Juli. Jetzt hier anmelden. Mit dem Online-Fragebogen beschreiben Sie die wichtigsten Kennzahlen Ihres Betriebes. Diese erste Eintrittskarte für den Award 2019 haben wir bewusst recht einfach gestaltet, damit wir Ihnen keine wertvolle Zeit stehlen. Wir versprechen Ihnen, dass Sie mit der Basicbefüllung in wenigen Minuten durch sind. Der Rest Ihrer Bewerbung folgt dann Schritt für Schritt. Wie immer werden Ihre Angaben vertraulich behandelt und nicht weitergegeben.

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