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Von Wutbürgern und Motorrädern in der Manege

Thema des heutigen Zündfunken: Reaktionen zum Speedlog „Wenn verwöhnte Kunden einen Sturm der Entrüstung entfachen“ – am Beispiel der Motorrad live in Stuttgart.

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann)

Welche Erfahrungen haben Sie mit Shitstorms im Internet oder mit nörgelnden Kunden gemacht – im Laden, auf Messen, auf Facebook, in Blogs oder sonstwo? Dies wollten wir im Speedlog vom 14. Februar von der »bike und business«-Community wissen.

Das Echo war enorm. Im Folgenden lesen Sie die wichtigsten Online-Kommentare (weitere Meinungen sind wie immer gerne gesehen):

Die Ernte des Hasses

Moto L.: „Das ist der Grund, warum mich von (a)sozialen Medien fern halte. Nicht nur, dass die Gesellschaft immer anstands- und respektloser wird (siehe aktuelle Diskussion um Polizei, Feuerwehr, ...), versteckt hinter einem Bildschirm ist noch viel leichter verbal über die Stränge zu schlagen.

Andererseits verstehe ich die Verwunderung darüber auch nicht, dass sich die Kunden maßlos ärgern und die Aussteller weg bleiben. Der Kunde wird schon so lange zum rücksichtslosen König erzogen, dass er sich nun mal eben so benimmt. Er erwartet alles und das zum Discountpreis. Und wieso sollen Hersteller ,greifbar' auf jeder mehr oder weniger kleinen Messe vertreten sein, wenn schon uns Händlern (der dem Kunden wahrscheinlich nächste Aussteller) die virtuelle Welt in Form von High Tech-Brillen als ,must have' angepriesen wird? In beidem sehe ich nichts, was mich verwundert. Darauf haben wir alle hin gearbeitet und fahren jetzt die Ernte ein.“

Kreisligaprogramm zu Champions-League-Preisen

Maik: „Stimmt alles. Stuttgart hätte eine schöne große Motorradmesse verdient, mutig, aller Anfang ist schwer etc. Trotzdem: Der Besucher-Kommentar ,Kreisligaprogramm zu Champions-League-Preisen' trifft es in diesem Fall doch ziemlich genau. Objektiv war es genau so.“

Keine Mopedneuheiten

Hans-Jürgen: „Kann es auch an den fehlenden echten Neuheiten der Motorradindustrie liegen, wenn Mopedfahrer enttäuscht von der Messe nach Hause fahren? Ich für meinen Teil war von meinem Besuch der Intermot sehr enttäuscht, da ich keine Mopedneuheit gesehen hat die mich richtig angemacht hat. Die meisten ,Neuheiten', Coverversionen von Bekanntem. Oder technische Finessen die nur der eingefleischte Fan dieses Modells bemerkt. Das einzige Highlight waren die Klamotten von Held, die den Regenschutz integriert haben. Schade das meine Ausrüstung noch so gut funktioniert und kein Ersatz ansteht.“

Aufwand der Veranstalter honorieren

Béla: „Unter uns mal ganz einfach gesagt. Alle Motorradhersteller und sonstige Aussteller haben ein gewisses Werbebudget. Und wenn dann alle Wochenenden im Winter irgendwo eine solche Messe veranstaltet wird, wie soll sich da ein Hersteller entscheiden wo er mitmachen soll. Ganz nebenbei, eine solche Messe KOSTET RICHTIG GELD für den Aussteller.

Man muss sich entscheiden, wo man sich präsentieren will, es ist möglich auf jeden Ball mitzutanzen, aber irdenwann muss man auch Geld verdienen und Arbeiten!

Lieber Messebesucher, seid euch bitte bewusst, welchen Aufwand der Veranstalter und die Aussteller auf sich nehmen, um euch zu befriedigen und zu belustigen. Wenn einer das Gefühl hat , dass er es besser kann, soll er es mal versuchen. Ich wünsche viel Glück und Erfolg.“

Aus Menschenliebe organisiert niemand eine Messe

M.: „Es ist mutig, 14 Tage nach der Motorradwelt Bodensee, wieder eine teure Messe zu organisieren. Messen kosten für Aussteller enorm viel Geld und Zeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Wahl auf die etablierte Messe fällt. Hier sind hohe Besucherzahlen garantiert. Aus drei Ländern. Warum sollte selbst ein Hersteller wie z.B. BMW seinen gläsernen Truck erst zum Bodensee fahren und dann 14 Tage später nach Stuttgart? Die Überschneidung der Besucher ist doch recht hoch.

Es wollen alle daran verdienen. Aus Menschenliebe organisiert niemand eine Messe. Auch die beste Werbung nützt nichts, wenn das beworbene Programm nicht stimmt.

Zumal konnte ich auf vielen Bildern die selben Custombikes erkennen, die schon in Friedrichshafen standen.

Viele meiner Bekannten werden Stuttgart im nächsten Jahr nicht mehr besuchen. Die geschäftliche Trennung von Messeeintritt und Parkplatzbetreibergesellschaft macht der Besucher nicht. ,Die Messe' war teuer. Braucht es tatsächlich noch eine ,große' Motorradmesse in dieser Gegend?“

Wutbürger in asozialen Medien

Marcus: „In Stuttgart war ich nicht persönlich, kann zur Veranstaltung selbst also nichts sagen. Bezüglich der Parkplätze wäre zu klären, ob die von einem Parkplatz-Bewirtschaftungsunternehmen betrieben werden oder ob der Veranstalter daran beteiligt ist. Ich denke, dass die Veranstalter bei den Parkplätzen meistens keinen Einfluss haben. Bei manchen Veranstaltungen parke ich deshalb bewusst außerhalb und laufe lieber, wenn ich die Platzgebühren für überzogen halte. Gleiches gilt für die Hallen-Gastronomie, die auch nicht jeder Veranstalter selbst beschicken darf. Verdienen sollen alle Beteiligten, das aber in einem fairem Rahmen.

Letztendlich motzen manche Besucher immer, egal zu welcher Veranstaltung sie gehen und wie viel geboten wird. Mit den Medien brauchen sie dem Veranstalter heutzutage ja nicht mehr zu drohen, seit sich jeder ,Wutbürger' in asozialen Medien auskotzen kann...“

Verkäufer unter Druck

Detlef: „Der Ton macht immer noch die Musik, leider nicht im Internet! Selbst bei der kleinsten Kleinigkeit wird aus allen Rohren geschossen, in diesem Rahmen sind normale Bedingungen oder Anforderungen bei einer Reklamation kaum noch möglich! Bevor man z.B. ein falsches oder defektes Teil überhaupt zu Gesicht bekommt wird Ersatz verlangt, die Schuld haben andere und auf den Kosten bleibt der Hersteller sitzen! Die amerikanische Systeme von Amazon und Co. setzen die Verkäufer dermaßen unter Druck, dass man auf alle noch so ungerechtfertigten Reklamationen einfach eingeht, aus Angst den Shop geschlossen zu kriegen! Mit dieser Haltung geht der Kunde einfach alles und jeden an. Drohungen die Paypal-Zahlungen zu blockieren, wenn man selbst montierte Ware nicht wieder zurück nimmt, kommen mittlerweile wöchentlich vor! Regelmäßig kommt Ware zurück, die nicht mehr vollständig ist! Da fehlen dann einfach zwei Buchsen und Schrauben im Packtet! Anstatt einfach beim Hersteller an zu rufen und diese zwei Buchsen zu bestellen ist es einfacher das komplette Teil zu bestellen und unvollständig zurück zu schicken, dann noch sofort über Paypal sein Geld zurück verlangen oder gar die Zahlung blockieren! Man wird offenen Auges bestohlen und anschließend darf man diesem Kunden auch noch das Porto zurück erstatten!

Wir verkaufen nicht auf Ebay und Amazon, Paypal biete ich mittlerweile nur noch auf gezielte Anfrage an und bei einer Reklamation bitte ich den Kunden spätestens nach der zweiten Mail anzurufen.“

Umstrittene Preispolitik der Importeure

Jens: „Ich habe mir dieses Jahr mal wieder die Mühe gemacht und die Motorrad Messe in Stuttgart besucht. Hatte Freikarten, und das war auch gut so denn die 14 Euro zzgl. 8 Euro Parkgebühren hätte ich mir vom Veranstalter wiedergeholt! Wir fragen uns echt, warum die Zulassungszahlen nur noch geschönt präsentiert werden können, damit wir nicht ganz in Depressionen verfallen!

Ich nicht mehr. Aber wenn die Motorradfahrer mehr Lust auf Motorräder verspüren als die Händler und Importeure, dann sind wir schon recht tief gesunken. Vor den Messehallen standen mehr Bikes als drinnen!

In den Hallen auch kaum Leute zu sehen. Einzigster schöner Stand war der von Yamaha, Suzuki war gar nicht da. 45 Minuten – und wir hatten alles und nichts gesehen !

Eine Messe für Zubehör und Klamotten. Wenn man dann noch als Normalo ein Blick auf die Fahrzeugpreise wirft, muss ich mich nicht mehr fragen, warum ich immer mehr Bikes die 10 Jahre und älter sind, zu richten bekomme und der Kunde gerne 1.500 Euro für Instandhaltung zahlt.

In meinen Augen macht uns die Importeurspreispolitik das Geschäft kaputt! Warum kostet ein 125er-Roller in Thailand 600 Euro und bei uns 3.000 bis 4.000 Euro?! Ja, hier ist nicht Thailand. Aber mal ganz ehrlich, dort wird auch Geld verdient und der Asienmarkt ist interessanter als der Europäische. Da würde es doch reichen wenn der bei uns doppelt und nicht fünf Mal so teuer ist!“

Motorräder in der Manege

Bernd: „Der gute Ton in den ,Social Media' ist das eine, eine Motorrad-Messe ohne Motorräder das andere. Es fehlten Motorräder von BMW, Kawasaki, Suzuki, Triumph, MV, HQV. Beim Veranstalter in Stuttgart handelt es sich nicht um einen MC, der in Hintertupfingen was für die Clubkasse macht, sondern um eine erfahrene Firma, die das Veranstalten von Motorrad-Messen professionell betreibt. Da darf man das Niveau nicht schön reden, war ja das erste Mal etc. Gerade beim ersten Mal an einem solchen Messeort muss das Niveau stimmen. Ohne wenn und aber, alle Marken und alle verfügbaren Modelle sind der Anspruch vom Publikum an den Standort Landesmesse Stuttgart. Um das zu erfüllen, muss man halt auch mal bereit sein zu investieren und nicht mit Quadratmeter-Preisen von bis zu 180 Euro in die vollen gehen. Mein kostenloser Tipp für die vielen Motorradhändler, die oft den Laden leer räumen, wegen Messen das Ladengeschäft vernachlässigen, hohe Kosten auf sich nehmen, sich eifrig an all möglichen Veranstaltungen beteiligen damit ein Messeveranstalter leicht gutes Geld verdient (kann ich beweisen), denken sie um: sehen sie eine Motorrad-Messe wie einen Zirkus. In der Manage der Attraktionen muss der Clown nicht für seinen Auftritt bezahlen, sondern bekommt Gage.“

(ID:44526690)

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