Warum machen Deutsche so ein Gewese um E-Scooter?

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 15/I), Folge 680: Hat die persönliche Probefahrt von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Wunder gewirkt und boxt Deutschlands oberster Verkehrsentwickler damit ein Lifestyle-Thema durch? Macht die Bundesregierung jetzt den Weg frei...

...für Elektro-Tretroller? Fast fünf Jahre brauchte es, bis eine Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) nun das Licht der Welt erblicken soll. Allerdings bei dem jetzt vorliegenden modifizierten Entwurf (Versicherungsaufkleber, ab 12 Jahren mit Tempo 12 km/h auf dem Gehweg, ab 14 Jahren mit Tempo 20 auf Radweg oder Straße, kein Führerschein, keine Helmpflicht) völlig ausgeblendet, dass es eigentlich (noch) keine Geräte gibt, die die Auflagen der Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung erfüllen, aber bereits eine Viertel Million solcher Mini-Stromer bei uns auf den Straßen (illegal) unterwegs sind.

So wird Micromobilität in Deutschland nicht stattfinden! Um auf diesen Umstand aufmerksam zu machen, veranstaltet der Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge am 28. April eine Demonstrationsfahrt durch Berlin. Die Route führt vom Brandenburger Tor vorbei an den Parteizentralen der Regierungskoalition bis zum Tempelhofer Feld. Eingeladen sind alle Nutzer, deren Geräte in Deutschland nicht legal nutzbar werden, um zu zeigen, dass diese Geräte sehr sicher im Straßenverkehr bewegt werden können. „Deutschland verpasst mit seiner Regulierungswut auf Jahre hinaus den Anschluss an die Micromobilität”, sagt Lars Zemke, Vorsitzender Vorstand von Electric Empire – Bundesverband Elektrokleinstfahrzeuge. „Nutzer, deutsche Unternehmen, die sich auf neue Mobilitätslösungen konzentrieren, und die Verkehrswende werden so systematisch behindert.”

Wer einen Blick in die Verordnung von MInister Scheuer werfen möchte, bitte sehr. Äußerst lohnenswert ist auch der Klick auf das EKF-Positionspapier von Electric Empire. Unter den »bike und business«-Lesern löst dieses „Gewese um die E-Scooter" regelmäßig Kopfschütteln aus.

Verordnung Elektrokleinstfahrzeuge: Bürokratiemonster und Teufelswerk?

Verordnung Elektrokleinstfahrzeuge: Bürokratiemonster und Teufelswerk?

04.03.19 - Der Verordnungsentwurf für Elektrokleinstfahrzeuge sorgt weiter für kontroverse Diuskussionen. Der Industrie ist er nicht liberal genug und an den Nutzern vorbei konzipiert. Fahrlehrer und andere an Sicherheit orientierten Gruppen verteufeln ihn. lesen

So kommentiert zum Beispiel „Emed“: „Mit so einem lebensgefährlichen Schlaglochsuchgerät darf man ab 12/14 Jahren ohne Prüfbescheinigung oder Führerschein am öffentlichen Verkehr teilnehmen? Ein ab 1.4.1965 geborener muss für ein Mofa mit 25 km/h Höchstgeschwindigkeit eine Prüfbescheinigung oder Führerschein vorweisen plus Motorradhelm plus Versicherungskennzeichen. Wer steckt da wohl dahinter? Und dann noch die Diskussion wegen der bisher verkauften E-Scooter, die haben keine Zulassung und fertig. Die sollten zuerst mal die 25km/h für die 15-Jährigen abschaffen. Aber da hatten sie ja angeblich nach dem 5-jährigem Feldversuch immer noch nicht genug Erkenntnisse und haben den Test nochmals um zwei Jahre verlängert. Ach so – ich habe ja fast vergessen, dass die ja immer noch wissen, was unsere frühere Verkehrsministerin Tanja Gönner einmal sagte: ,Unsere 15-jährigen Jugendlichen sind geistig noch nicht in der Lage, ein 45 km/h schnelles Fahrzeug zu fahren.' Ob diese Frau wohl selbst überhaupt einen Führerschein hat– und wenn ja, wie ist sie dazu gekommen :-) In den anderen europäischen Ländern können die 15-jährigen schon 45 km/h schnell fahren. Okay, die sind unseren Jugendlichen ja überlegen. Aber was soll man von unseren Politikern schon erwarten, am besten nichts, außer, dass sie jeden Monat viel Geld kassieren?“

Auch „Igel66“ hält mit seiner Kritik nicht hinterm Berg: „Es ist nicht zu begreifen, warum sich Deutschland mit neuen Innovationen jedes Mal so schwer tut. Auch hier mit dem Alter von 14 Jahren zu 'spielen' ist langsam echt lächerlich. Halten wir doch mal fest: Wie ist es denn mit dem Fahrradfahren? Mit dem Fahrrad bin ich im Durchschnitt etwas 20 bis über 25 km/h unterwegs. Wenn ein Fahrrad keine Stützräder hat, muss es auf der Fahrbahn gefahren werden, wenn kein Radweg vorhanden.

Wie ist es da mit einem 12-jährigen Kind? Das fährt doch dann auch auf der Fahrbahn oder habe ich da etwas falsch verstanden? Warum wird also bei den sog. E-Scootern so ein Gewese gemacht ?

Teilweise sind diese E-Scooter im europäischen Ausland bereits seit dem Jahr 2013 unterwegs. Die Verordnungen hierfür sind beispielsweise in Dänemark und Österreich 1 bis 3 Seiten lang. In Deutschland über 50 Seiten? Unfassbar!!! Dazu kommt noch, dass z.B. in Österreich solch ein Gefährt 25 km/h fahren darf (Angleichung an Pedelecs). In Deutschland darf es nur 20 km/h fahren. Toll, was macht nun der Urlauber aus Salzburg, der mal eben für ein paar Tage in München ist. Super! Seinen Roller kann er in die Tonne kloppen, weil er damit nicht fahren darf, weil zu schnell und kein Versicherungskennzeichen. Der deutsche Amtsschimmel muss ja vom vielen Wiehern schon langsam ganz heiser sein.Trotz allem: Es wird nun allerhöchste Zeit das die E-Scooter nun zugelassen werden – und zwar ALLE!“

Hinweis in eigener Sache: Seit dieser Woche steht unsere neue Branchenumfrage im Netz. Was halten Sie vom neuen Trend nach E-Tretroller, Monowheeler & Co.? Hat die Elektrokleinstmobilität hierzulande eine Zukunft? Andernorts in den Metropolen der Welt laufen die neuen Produkte wie geschnitten Brot. Hier geht's zur Umfrage. Stimmen Sie ab.

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