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Was gegen das Motto „Das Auge isst mit“ spricht

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 21/2015/I), diesmal verfasst von dessen Stellvertreter Jan Rosenow. Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. Da dieser in Urlaub weilt, tut dies diesmal sein Kollege Jan Rosenow für ihn.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. Da dieser in Urlaub weilt, tut dies diesmal sein Kollege Jan Rosenow für ihn.
(Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Würzburg, den 19. Mai 2015 – Bevor an dieser Stelle wieder Stephan Maderner das Newsletterhandwerk übernimmt, möchte ich ein großes Lob an die Leser loswerden: Eine solche Vielzahl an interessanten und fundierten Reaktionen auf die letzten Newsletter hätte ich nicht erwartet. Ein Hoch auf unsere tollen Leser! Es macht Spaß, sich mit Ihnen auszutauschen!

Eine lange E-Mail zum Thema der letzten Aussendung, „Das Auge isst mit“, erreichte uns von Matthias Schlich aus Essen. Er schreibt: „Was machen Sie als Händler, wenn der Hersteller 40 verschiedene Modelle im Programm hat, die dann auch noch mit unterschiedlichen Motorisierungen, Farben und Ausstattungsvarianten daherkommen? Woher soll der Händler im Vorfeld wissen, welches Modell in welcher Ausstattung der Saisonrenner wird? Teilweise sind gerade die Modelle, in die der Händler alle seine Hoffnungen gesteckt hat, brutale Ladenhüter und kosten jeden Tag Liquidität. Der Händler muss sich im Vorfeld jeder Saison die Zweiräder beim Hersteller kaufen. Da nutzt es auch nichts, langfristige Zahlungsziele anzubieten und die Kaufsummen nachträglich in eine Finanzierung umzuwandeln, denn genau ab diesem Zeitpunkt sind die vermeintlich neuen Modelle Standuhren. Zusätzlich wird es ab diesem Zeitpunkt für den Händler richtig teuer: Wenn er dann Glück hat und eines dieser Zweiräder verkauft, macht er im Endeffekt ein Minusgeschäft. Dass kann es doch nicht sein, liebe Hersteller!“

Matthias Schlich bricht in seiner E-Mail eine Lanze für die kleinen, „exotischen“ Hersteller: „Gerade diese Hersteller bzw. Importeure sind sehr kulant zu den Händlern, hier gibt es keine Mindestabnahmemengen, kein CI-Geplänkel und keinen Druck, dass nächste Woche wieder einmal eine Lieferung zum Händler kommt, weil es der Hersteller so haben will. Ich selbst habe nur einige Modelle bei mir im Laden stehen und kann Ihnen bestätigen, dass unsere Kunden sehr wohl auch nicht besichtigte Zweiräder bei mir bestellen. Der Kunde von heute informiert sich fleißig im Internet, fährt zu den verschiedenen Motorradmessen und weiß somit in aller Regel was er haben will. Einen Kunden, der einfach mal so in den Laden kommt, um zu schauen was es alles so gibt, habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Natürlich ist es schön, eine Probefahrt auf dem gewünschten Zweirad durchzuführen, oder das gewünschte Modell zu besichtigen, aber auch für diesen Fall findet man als Händler häufig eine Lösung.“

Eine eindeutige Wahrheit wird sich hier, wie so oft, nicht finden lassen. Stimmt: Bei der Entscheidung, welches Motorrad es denn sein soll, haben viele Interessenten schon exzessiv vorrecherchiert und bringen jede Menge Fachwissen mit. Aber beim Zubehör? Hier wissen viele Motorradfahrer gar nicht, was es alles für tolle Sachen gibt. Hier ist es schon sinnvoll, ein ordentliches Angebot dazuhaben – am besten von Produkten, die der Kunde nicht selbst montieren kann und die es auch nicht in jedem Onlineshop gibt. So lässt sich nicht nur der Umsatz erhöhen, sondern es entsteht auch der eine oder andere Werkstattauftrag.

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