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Weg frei für einen Europäischen Motorradhändlerverband

Im Rahmen der Zweiradtagung der 2Rad-Fachausschusses der Wirtschaftskammer Österreich in Mondsee loteten Händlervertreter aus Österreich, Deutschland und der Schweiz Möglichkeiten und Modelle eines künftigen europäischen Motorradhändlerverbandes aus.

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Im Schlosshotel Mondsee wurden Ende Februar 2019 die Weichen für die Gründung eines Europäischen Motorradhändlerverbandes gestellt. Der Initiativausschuss besteht aus Vertretern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Im Schlosshotel Mondsee wurden Ende Februar 2019 die Weichen für die Gründung eines Europäischen Motorradhändlerverbandes gestellt. Der Initiativausschuss besteht aus Vertretern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
(Bild: Vogel Communications Group )

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Direktvertriebs der Hersteller und Importeure von Motorrädern. So oder so ähnlich hörte sich dieser abgewandelte Spruch aus dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx für denjenigen an, der Gast auf der Zweiradtagung des österreichischen Fachausschusses Zweiradhandel der Wirtschaftskammer Österreich war. Dieses kommunikative und informative Treffen mit zahlreichen Vorträgen und Impulsreferaten fand am 26. und 27. Februar im Schlosshotel Mondsee in der Nähe von Salzburg statt.

Eingeladen hatte KommR Ferdinand O. Fischer, seit neun Jahren Vorsitzender des 2Rad-Fachausschusses in der Wirtschaftskammer Österreich und Seniorchef von Fischer's Harley-Davidson Wien.

Rund 100 Teilnehmer waren an den Mondsee gekommen, darunter österreichische Dealerpartner u.a. der Marken Honda, Suzuki, Kawasaki, Yamaha, Harley-Davidson, KTM, Ducati , Piaggio, Aprilia, Triumph und BMW, um neue Ideen für eine profitablere Betriebszukunft zu finden.

Am Ende des ersten Tages waren sie aufgerufen, neue Händlerverbände der jeweiligen Marke zu gründen bzw. in bereits bestehenden Verbänden den Organisationsgrad zu erhöhen. Eine Idee von Ferdinand Fischer, die auf äußerst fruchtbaren Boden fiel. So gibt es nun neben den Langzeit-Händlerverbänden von Harley-Davidson und BMW nunmehr auch Händlerverbände von Kawasaki, Ducati, Yamaha und Piaggio. Andere Markenverbände sind in Gründung.

Warum braucht man überhaupt Markenvereine und Händlerverbände?

Dieser Frage ging am Mondsee Stefan Hutschinski nach, Obmann des Verbandes Österreichischer Kraftfahrzeugverbände. Man brauche angesichts der Komplexität der modernen Geschäftswelt kompetente Ansprechpartner für die Importeure und Hersteller. Ein Markenverein erfülle die Funktion als „Sprachrohr“ der Betriebe und bündele die verschiedenen Meinungen. Oftmals sei dies von der Herstellern/Importeuren explizit gewünscht. Somit habe man eine größere Chance der Einflussnahme oder Mitgestaltungsmöglichkeit auf die Entscheidungen der Hersteller und Importeure. Weil die Konzerne ihre Strategie verändert hätten – und großteils versteckt handeln und agieren – könne hier nur mit einer verstärkten Aufklärung und Vernetzung entgegengewirkt werden. Zum Beispiel, indem man rechtliche Schritte gegen kartellrechtlich bedenkliche Händlerverträge erwägt oder medialen Druck erzeugt. Dabei gehe es auch um den gemeinsamen Einkauf oder dem Anbieten spezieller Dienstleistungen. Und noch ein wichtiger Punkt, der für Markenverbände spricht: Wissen ist Macht. Die handelnden Personen erhalten einen unschätzbaren Informationsvorsprung. Organisiert werden könne dieser Erfahrungs- und Ideenaustausch sehr effizient und modern über die neuen digitalen Instrumente wie etwa WhatsApp-Gruppen.

Der europäische Harley-Davidson-Händlerverband

Die herausfordernden Themen Vernetzung und Informationsaustausch untereinander sowie auch nach außen standen auch bei der Gründung des europäischen Harley-Davidson-Händlerverbandes Pate. Ihm gehören anfangs der deutsch-österreichische, der schweizerische und der französische Händlerverband an. Durch diese europäische Initialzündung ermutigt, gründete sich daraufhin auch in den Niederlanden ein nationaler Händlerverband, der sich dem Europaverband der Dealer der US-Marke anschloss.

Angestoßen durch Ferdinand O. Fischer wurden nun am 27. Februar 2019 erstmals die Möglichkeiten diskutiert, wie ein europäischer Dachverband Motorradhandel und -handwerk aussehen könnte. Dazu waren Vertreter aus Deutschland und der Schweiz zur Aussprache an den Mondsee eingeladen. Mit von der Partie waren neben Ferdinand O. Fischer Peter Sommer (Präsident 2RadSchweiz), Christian Ulman (Vorsitzender der Fachgruppe Motorrad 2Rad Schweiz und Präsident des schweizerischen Harley-Davidson-Händlerverbandes), Dr. Gustav Oberwallner (Vertreter des Fahrzeughandels bei der Cecra), Sven Gustafson (Geschäftsführer KTM-Händlerverband Deutschland e.V., Bonn), Matthias Besier (Rechtsbeistand der Interessengemeinschaft der Yamaha-Händler e.V. (IGYH), und Stephan Maderner (Chefredakteur »bike und business«). Im Verteiler des Projektes Europäischer Motorradhändlerverband befindet sich zudem auch der Präsident des Verbandes Deutscher BMW-Motorradhändler, der terminbedingt nicht am Treffen teilnehmen konnte, aber am europäischen Erfahrungsaustausch interessiert ist.

Wie könnte die Struktur des Europaverbandes aussehen?

Ein erstes konkretes Ergebnis des Erfahrungsaustausches der Vertreter der drei Zweiradnationen Österreich, Schweiz und Deutschland war die Installation eines Initiativausschusses für den neuen europäischen Motorradhändlerverband (in Gründung). Ihm gehören Ferdinand O. Fischer (Österreich), Peter Sommer und Christian Ulmann (Schweiz) sowie Matthias Meier (Europäischer Harley-Davidson Händlerverband) und Stephan Maderner (Deutschland) an. Letzterer ist Chefredakteur von »bike und business« und hat sich bereit erklärt, als Koordinator der deutschen Positionen zu fungieren, die sich in den Händlerverbänden, Landesinnungen und dem Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk (BIV) manifestieren.

Ziel des noch zu gründenden Verbandes ist es, den Erfahrungsaustausch unter nationalen und europäischen Motorradverbänden aber auch einzelnen Motorradhändlern, so es für sie keinen eigenen Markenverband gibt, zu intensivieren, Synergien zu nutzen und Kräfte zu bündeln. Der neue europäische Verband soll als Stimulans dienen, dass auf nationaler Ebene verstärkt Händlerverbände gegründet werden. Es geht darum, den omnipräsenten Machtinteressen der Hersteller und Importeure eine starke Stimme und gemeinschaftliche Kraft der Dealer entgegenzustellen. Zudem soll auf europäischer Ebene das Lobbying der Zweiradbranche in Brüssel bei der EU-Kommission vorangetrieben werden, das bislang ausschließlich der Industrie (Acem) vorbehalten bleibt. Bislang bestehende Händler- und Gewerbeverbände wie die Cecra oder der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeugegwerbe (ZDK) in Deutschland kümmern sich gegenwärtig nur rudimentär um die Belange von Motorradbetrieben. Sie könnten aber in Zukunft wieder eine (stärkere) Rolle im Zweiradsektor spielen.

Wie geht es weiter?

In Mondsee wurde beschlossen, dass sich die dort zusammengefundenen Institutionen und die Vertreter des Initiativausschusses auf einer der nächsten Sitzungen des europäischen Harley-Davidson-Händlerverbandes versammeln und unter dessen Dach die nächste Schritte zur Konstituierung des Europäischen Motorradhändlerverbandes besprochen und in die Wege geleitet werden können. Am Mondsee schlug gewissermaßen die Geburtsstunde einer europaweiten Motorradhändlervertretung. Da kommt etwas Großes auf Europa zu.

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