Wenn das Motorrad aus dem Auto hängt

Wie ein Bike gesichert sein sollte

| Autor / Redakteur: Wolf-Henning Hammer / Martina Eicher

Analysen und Interpretationen aktueller Gerichtsurteile rund um das Thema motorisiertes Zweirad – aktuell für Sie aufbereitet und interpretiert.
Analysen und Interpretationen aktueller Gerichtsurteile rund um das Thema motorisiertes Zweirad – aktuell für Sie aufbereitet und interpretiert. (Bild: Vogel Communications Group)

Der Transport von Fahrzeugen ist so zu organisieren und das Ladegut so zu sichern, dass weder die Fahrzeuginsassen noch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden können (§ 22 StVO).

„Da passiert schon nichts, das muss nicht extra gesichert werden.“ So oder ähnlich könnten die Gedanken eines Autofahrers gewesen sein, als er vergangene Woche seine Motocross-Maschine in eine 50 Kilometer entfernte Werkstatt bringen wollte. Als er kurz vor dem Ziel in eine Polizeikontrolle geriet, musste er allerdings feststellen, dass die Idee, das Fahrzeug ungesichert zu transportieren, nicht mit der Auffassung der Polizeibeamten kompatibel war. Diese halfen zwar freundlicherweise beim Ausladen mit, untersagten aber auch die Weiterfahrt mit dem Bike.

Motorräder und Weihnachtsbäume sind gleich!

Ob Weihnachtsbäume, Sofas oder Motorräder transportiert werden, spielt für die Ladungssicherung im Grundsatz keine Rolle. Entscheidend ist, dass das Ladegut - unter Beachtung der „anerkannten Regeln der Technik“ - so gestaut und gesichert ist, dass es selbst bei Vollbremsungen oder plötzlichen Ausweichbewegungen nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann (§ 22 StVO). Kurz: Der Transport ist so zu organisieren und das Ladegut so zu sichern, dass weder die Fahrzeuginsassen noch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden können.

Auch kleine Gewichte tragen ein hohes Gefahrenpotential in sich

Da das Bike lag, konnte es zwar nicht mehr umfallen und dass in der ersten Kurve herausfallen würde, war ebenfalls nicht zu erwarten. Aufgrund der fehlenden Sicherung konnte aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei unvorhergesehenen Fahrmanövern oder einer Vollbremsung verselbständigen und auf der Straße oder im Kreuz des Fahrers landen würde.

Auf den „Schutz“ durch die Rückenlehne sollte er dabei besser nicht hoffen. Abgesehen davon, dass diese in der Regel ohnehin nur einen eingeschränkten Schutz bieten kann, entwickeln bereits kleinere Gegenstände bei Kollisionen oder einer Vollbremsung ungeahnte Kräfte. So werden bei einer Notbremsung bei 50 km/h aus 10 kg 1000 kg. Was dies für ein Motorrad - mit einem Eigengewicht von über 100 kg - und für den Rücken des Fahrers oder andere Insassen bedeutet, bedarf keiner näheren Erläuterung.

Wie sollte ein Bike gesichert werden?

Wer sein Bike, z.B. weil er nicht über einen Anhänger verfügt, im Innenraum eines PKW transportieren möchte oder muss, sollte auf eine ausreichende Sicherung achten. Dies dürfte – da geeignete Zurrpunkte in der Regel fehlen – ohnehin keine ganz leichte Aufgabe sein. Wo das Bike aber dennoch befestigt werden kann, sollte auf geeignete Sicherungsmittel zurückgegriffen werden. Was als ausreichend zu betrachten ist, hängt wiederum davon ab, womit und in welcher Position das Bike transportiert wird. Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben dabei die Qualität der Gurte (möglichst DIN EN 1295-2), deren Zustand und die Wahl der Anschlagpunkte.

Eines ist aber immer gleich: Das Bike muss so transportiert werden, dass von ihm keine Gefährdung ausgeht. Dies gilt für die Fahrzeuginsassen ebenso wie für andere Verkehrsteilnehmer.

Welche Konsequenzen drohen?

Da sich weder die rechtlichen noch die physikalischen Bedingungen geändert haben, sei an dieser Stelle aus dem Artikel: Wenn das Bike im Hänger fährt – die juristischen Fallstricke vom 12.07.2018 zitiert:

„Unzureichende Sicherungsmaßnahmen können nicht nur Beschädigungen am Bike, sondern auch bußgeldrechtliche Folgen nach sich ziehen. Wie gravierend diese sind hängt davon ab, ob und welche Gefahren von der mangelnden Sicherung ausgehen. Das Verwarngeld beginnt bei 35 Euro für die nicht ausreichende Sicherung der Ladung als solcher. Sollte der kontrollierende Beamte der Auffassung sein, dass die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt ist, können 60 Euro und ein Punkt im Fahreignungsregister fällig werden. Zudem kann die Weiterfahrt untersagt werden, bis die Ladung hinreichend gesichert ist. Kommt es zu einem Unfall, drohen 75 Euro und ebenfalls ein Punkt. Im Schadenfall können versicherungsrechtliche Konsequenzen aufgrund eines Mitverschuldens drohen.

Um dies zu vermeiden oder etwaige Konsequenzen abzumildern, bleiben eigentlich nur drei Punkte zu beachten:

1. Die Wahl geeigneter Sicherungsmittel,

2. die geeignete und sichere Verzurrung und

3. die Einschaltung eines Anwalts im Ernstfall.“

Wäre noch hinzuzufügen, dass Ladegut, wenn es mehr als einen Meter nach hinten herausragt, mit einem Schild oder einer 30 x 30 cm großen roten Fahne zu kennzeichnen ist (siehe § 22 Abs. 4 StVO). Dies war hier allerdings nicht der Fall.

Unser Autor ist Rechtsanwalt Dr. Wolf-Henning Hammer, ETL-Kanzlei Voigt Rechtsanwalts GmbH, Dortmund.

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