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Wenn eine Community um ihre Marke kämpft

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 03/2017/II), Folge 472: Die Meldung über das jüngst vom Mutterkonzern Polaris beschlossene Aus der Motorradmarke Victory führte bei einigen Marktteilnehmern und Motorradfahrern zu hämischen Bemerkungen und Genugtuung über das Scheitern. In der Victory-Community jedoch...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Business Media)

...hat diese Meldung erstaunlicherweise jede Menge positive Energie freigesetzt – in den USA, in Europa und andreswo auf dem Motorradglobus. Kunden und Händler übertreffen sich in ihren Lobeshymnen für ihre Motorradmarke Victory. Qualität und Performance der Motorradmarke werden über den grünen Klee gelobt. Vor allem in den sozialen Netzwerken werden Durchhalteparolen gepostet. Ein bekannter Hashtag lautet #Wir stehenzuVictory.

Das Victory-Werksteam im Werk Spirit Lake (Iowa) meldete sich zu Wort: „Ein Gruß von uns an der Victory-Montagelinie an alle von Euch, die uns so großartig all' die Jahre unterstützt habt: Vielen herzlichen Dank. Diese Woche war bitter für uns alle, doch sagen wir: Fahrt einfach weiter, Victory, der Stolz unseres Lebens!“

Wow, was für anrührende und authentische Worte. Es sieht fast so aus, dass die Hiobsbotschaft von Victory-CEO Scott Wine sich marketingtechnisch in ihr Gegenteil umkehrt. Jeder einzelne Victory-Kunde und -Händler scheint jetzt aus der Deckung zu kommen und zieht gute und allerbeste Argumente für einen Weiterbestand der substanziellen Marke aus der Schublade. Tausende von coolen Fahrzeugbildern und Erlebnissen mit dem Kultmoped werden gepostet, für aktuelle Treffen geworben, zu Youtube-Imagefilmen verlinkt und, ja, regelrechte Plädoyers für die Motorradmarke schlechthin gehalten.

Schon erstaunlich – jetzt wo das Schicksal der Marke Victory offiziell besiegelt wurde, entfaltet sich ein wahres Marketing-Feuerwerk. Da hätten die Manager in Minnesota schon vorher drauf kommen können, ein bisschen mehr Geld in Werbung und Marketing für die Marke Victory zu stecken – und der Knoten wäre vielleicht geplatzt.

Fest steht, dass auf Facebook & Co. gerade eine beispiellose Victory-Welle schwappt, die die Konzernlenker doch noch ins Grübeln bringen könnte. In den Augen der Hardcore-Victory-Fans wäre im „best case“ sogar ein Überdenken der Managemententscheidung drin. Seit kurzem gibt es im Netz Petitionen wie Haltet Victory am Leben oder Rettet Victory. Die Zahl der Unterschriften wächst stündlich und geht in die Tausende. Der dadurch ausgedrückte ehrliche Fanschmerz geht durch Mark und Bein und zeigt, wie viel Substanz in dieser Marke steckt. Die Kommentare der Victory-Fans aus allen Teilen der Welt sind sehr emotional.

Am kommenden Dienstag, den 24. Januar, will Polaris seine Aktionäre in einer Videokonferenz übers Internet über die Entscheidung und weitere Details informieren. Das wird eine spannende Sache.

Die besten Zitate

„ A brand that's as good as Victory, should not be allowed to just disappear into the annals of history.“

„I love Victory, don't let HD win!“

„Everyone stood up for, supported and continues to support Victory. We think Polaris should seriously reconsider their decision. We didn't let you down, don't let us down either. Ride till the wheels fall off“

„Keep it open! Come on Trump, one more win!“

„Best US bike don't stop“

„Garder nous la marque Victory!“

„Keeping Indian and dropping Victory is like having a child, adopting another years later and then kicking your own creation out of the house.“

„Victory for ever“.

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