Wie viele Tote verträgt die Motorradszene?

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 23/II), Folge 696: Gleich zu Beginn der Isle of man TT, dem berühmt-berüchtigten Motorradrennen auf der britischen Insel, muss die Rennsportszene wieder ein Todesopfer...

...beklagen. Bereits beim Auftaktrennen hat es Daley Mathison erwischt. Der 27-jährige britische Rennfahrer vom Team Penz13.com starb beim gefährlichsten Motorradrennnen der Welt, der Tourist Trophy auf der Isle of Man. Seit 1911 bis heute sind dort bereits über 250 Menschen zu Tode gekommen. Der Unfall ereignete sich in Snugborough auf dem Snaefell-Bergkurs. Mathison galt als erfahrener Motorradrennfahrer, der im Alter von zwölf Jahren mit dem Rennsport angefangen hat. Vor fünf Jahren absolvierte er sein erstes Rennen auf der Isle of Man, zuletzt in der emissionsfreien Klasse TT Zero und 2019 in der Superbike-Klasse. „Spiegel Online“ zitierte einen Tweet von Mathisons Ehefrau: „Daley, wie Daisy (seine Tochter, Anm. d. Red.) sagt, schläft jetzt bei den Feen. Das ist alles, was ich im Moment sagen kann.“ Sie beschrieb den Verstorbenen als einen „Mann, der so glücklich mit seinem Leben und stolz auf seine Rennfahrerkarriere gewesen ist.“

Wir alle wissen, wie gefährlich unser Hobby ist. Gerade auf öffentlichen Straßen ist das Risiko oftmals viel höher als auf abgesperrten und speziell abgesicherten Rennstrecken. Zwar droht auf dem etwa 60 Kilometer langen Kurs auf der 30.000-Einwohner-Insel kein Gegenverkehr, aber man fährt auf ganz normalen Straßen, mit den unterschiedlichsten Belägen und Untergründen, Steinmauern und Gullydeckeln. Viele Motorradfans und begeisterte Rennsportfans pilgern regelrecht zu dieser Veranstaltung und machen sie zur Legende. Da wird teilweise mit Tempo 280 durch die Gegend gebrettert, ohne jegliche Schutzzonen und ohne Reifenstapel, die die Folgen von Unfällen mildern könnten. Bei derart Highspeed auf dem Tacho kann eine Abweichung von wenigen Zentimetern von der Ideallinie bereits den Weg ins Jenseits bedeuten.

Wir alle, die wir Adrenalin aus unserem leidenschaftlichen Tun beziehen, müssen uns die Frage stellen lassen, ob es uns das wert ist? Ich sage an dieser Stelle eindeutig ja. Mir ist das Risiko bewusst, wenn ich auf den Bock steige und Maschine und Landschaft genieße. Aber ich versuche, das Risiko zu minimieren, indem ich vorausschauend fahre, mit den Fehlern anderer rechne und lieber vorsichtiger um die (uneinsichtige) Kurve fahre, weil ich nicht weiß, welche Hindernisse dahinter lauern. Jüngst hatte mein Kollege Jan Rosenow Glück. Auf seinen Testfahrten im Rahmen der Kawadays im Pfälzer Wald kam ihm fast ein die Fahrbahn querendes Wildschwein unter die Räder. Der Kollege war wie immer flott (aber nicht zu flott) unterwegs, die Reflexe stimmten und der Bremsimpuls auch. Nur ein paar Sachen schneller, und es wäre wohl zur unvermeidlichen Kollision gekommen. Ein hinter ihm fahrender Blogger hat die Szene mit der Helmkamera eingefangen. Jan hat dieses Erlebnis mit der Überschrift „Holla die Wildsau“ in seinem privaten (und wie immer sehr lesenswerten!) Blog verewigt.

Wer kompromisslos am Gashahn ziehen möchte, der buche sich einen Slot auf dem Race Track, nehme an einem professionellen Rennstreckentraining teil und lebt seine Speedgelüste dort aus. Die öffentliche Meinung wird durch jede einzelne Todesnachricht aus dem Motorradsektor sensibilisiert und ist Öl auf die Mühlen unserer von „Political Correctness“ durchdrungenen Gesellschaft. Bieten wir so wenig Angriffsfläche wie nötig, sonst drohen – Stichwort Motorradlärm – Streckensperrungen und weitere Verbote. Nicht dass es statt Fridays for Future in Kürze bald TT for Future heißt und wir für unsere Grundrecht auf Motorradfahren zur Demo gehen müssen. Wie stehen Sie zur Problematik?Schreiben Sie mir.

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