Witten und Weber: Bunt ist gesund

Erster Platz beim Motorradhändler des Jahres 2018

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Viktoria Hahn

Eingeschworene Gemeinschaft: Wenn man seit mehr als 40 Jahren erfolgreicher Bikebetrieb ist, hat man vermutlich das eine oder andere richtig gemacht; Witten u. Weber hat es!
Eingeschworene Gemeinschaft: Wenn man seit mehr als 40 Jahren erfolgreicher Bikebetrieb ist, hat man vermutlich das eine oder andere richtig gemacht; Witten u. Weber hat es! (Bild: Steffen Dominsky)

Nach diesem Motto verfährt der Händler, und das seit über 40 Jahren. So setzt der Bike-Betrieb in Sachen Marke auf Vielfalt, einerseits. Andererseits sorgt hartes Feilen am perfekten Service und dezidiertes Kunden-Bespaßen für ein langes und erfolgreiches Leben.

Es fing 1976 klein an: Jenseits des Atlantiks gründet ein gewisser Steve Jobs zusammen mit seinem Kumpel Steve Wozniak eine Firma. „Irgendwas mit Obst“, wie Forrest Gump es im gleichnamigen Film ausdrückte. Für das Startkapital musste Wozniak seinen programmierbaren Taschenrechner (damals ein teures Teil) und Jobs seinen VW-Bulli verhökern. Mit den so erzielten 1.300 Dollar hoben sie die Apple Computer Company aus der Taufe. Und auch diesseits des Atlantiks gründeten in besagtem Jahr zwei Freunde ein Unternehmen: Bernd Witten und Rolf Weber.

Während Erstgenannte Elektronengehirne im Tischformat im Hinterkopf hatten, war das erklärte Ziel von Rolf und Bernd, die Neutronen menschlicher Gehirne zu stimulieren. Nämlich die, die sich durch intensiven Konsum von (Straßen-)Kilometern auf zwei Rädern verzücken lassen. Los ging’s mit dem Verkauf von Zubehör, doch schnell wurde den beiden klar: Da geht mehr! Neben der schwäbischen Zweiradeinstiegsdroge Kreidler dealte das Duo anfangs auch als Wiederverkäufer mit dem Stoff von Yamaha. Dann, bereits ein Jahr später schlossen Witten und Weber ihren ersten eigenen Händlervertrag ab, den mit Ducati. Der Clou: Dieser besteht seit eben 1977 und macht den Betrieb zum ältesten Ducati-Vertragshändler in Deutschland. Schlag auf Schlag ging es weiter. 1979 folgte ein Kawasaki-Vertrag und im Jahr drauf der mit Moto Guzzi und Piaggio. „Auch für diese Marken sind wir bis heute Vertragshändler“, erzählt Rolf Weber nicht ohne Stolz – zu Recht!

Mehrmarke? Seit fast 40 Jahren!

Die Überlegung, die hinter dieser keineswegs selbstverständlichen Vielfalt steckte: „Von einer Marke kann man bei uns keine 100 Fahrzeuge im Jahr verkaufen“, begründet Weber die damals wie heute nachvollziehbare Entscheidung. Zwar bietet die Region rund um Bad Berleburg jede Menge motorradtechnisch höchst reizvolles Landstraßengeläuf. Doch weder gibt es hier gleich ums Eck die nächste Großstadt beziehungsweise den entsprechenden Speckgürtel, noch zählt der Kreis Siegen-Wittgenstein zu den Metropolregionen in diesem Land. Auf mehreren Beinen zu stehen, war noch nie ein Fehler. Wie das Markenangebot, so wuchs über die Jahre auch das Raumangebot, sprich der jeweilige Standort der Witten u. Weber OHG. Seit 1991 befindet der sich auf der „Herrenwiese 10“ in einem Industriegebiet des 20.000-Seelen-Städtchens. Eigentlich eine Sackgasse ist es trotzdem ein sehr guter Standort, denn am Ende der Straße sitzt der TÜV. Für (potenzielle) Kundenfrequenz ist also gesorgt. „Und dank des relativ geringen Verkehrsaufkommens veranstalten die Berleburger Fahrschulen ihre Zweiradfahrübungen just genau vor unseren Schaufenstern“, bemerkt Rolf Weber mit einem Schmunzeln. Ein eigens erdachtes Gutscheinkonzept sorgt im Anschluss an die bestandene Fahrprüfung für weitere Kundschaft im Verkaufsraum und in der Werkstatt.

Sozial top: Im Netz und im Leben

Ja, eine gute Beziehung zu Kunden, und davon möglichst viele, ist einer der Gründe für den Erfolg des alteingessenen Zweiradbetriebs. Klar, bei den sage und schreibe 13.000 Einträgen in der Kundenkartei sind einige Leichen dabei. Dennoch: An nicht minder stolze 5.000 aktive Freunde des Hauses geht vier- bis sechsmal im Jahr der eigene Newsletter heraus. Fans der modernen elektronischen Kommunikation bespielt übrigens Frank Weber, der Sohn von Rolf. Der Zweiradmechanikermeister arbeitet seit 2012 bei Daddy und unterstützt das Sieben-Mann-Team. Er zeichnet auch für Facebook und Instagram verantwortlich. Und Frank weiß, worauf es hier ankommt: „Während der Beitrag zu einer x-beliebigen Fahrzeugneuvorstellung gerade mal 300 Klicks produziert, knallt der Post von der Frau des Werkstattleiters mit Ducati-Stiefeln im Hochzeitskleid mit satten 12.000 Klicks ins Kontor und begeistert Ersteller und Teiler dieser Nachricht“, berichtet Weber junior. Bei aller Technik muss es eben auch menscheln.

Und auch für die gezielte Kundenbefragung setzt Witten u. Weber auf moderne Elektroniktools. So nutzt das Unternehmen konsequent die entsprechende Funktion, die ihnen Mobile.de bietet. „Mehr Bewertungen hat keine Firma dieser Größe“, berichten Vater und Sohn unisono. Und auch die andere Branchengröße Google haben die beiden marketingtechnisch fest im Blick, animieren Kunden, diese Portale oder Funktionen zu nutzen und so ihre Meinung über den Zweiradbetrieb zu teilen.

Zum Grappanippen nach Rimini

Apropos teilen: Die automobile Claim „Aus Freude am Fahren“ gilt nirgendswo mehr als beim Biken. Was also liegt näher, als genau diese Freude mit seinen Kunden zu teilen, sprich entsprechende Events zu organisieren. Genau das tut Witten u. Weber. So gibt es Jahr für Jahr eine gemeinsame eintägige Saisonauftakt- sowie -abschlussfahrt. Eine ganze Woche hingegen dauert die Tournee zur alle zwei Jahre stattfindenden World Ducati Week (WOW) ins Land von Pizza und Pasta. Immerhin 30 bis 40 Duc-Verrückte teilen mit den Berleburgern alle 24 Monate dieses Erlebnis. „Wenn man abends in Rimini mal ein, vier, sieben Grappa getrunken hat, ist das Miteinander künftig ein ganz anderes“, skizziert Frank Weber das Verhältnis zwischen Bike-Betrieb und Kunden. Hinzu kommen diverse Messeauftritte sowie Inhouse-Veranstaltungen.

Doch nicht nur mithilfe persönlichen Kontakts punktet der Ducati-, Kawasaki-, Moto-Guzzi- und Vespa-Partner. Nein, es sind auch die harten technischen Fakten, mit denen er zu überzeugen und so Kunden langfristig an sich zu binden weiß. So beherbergt der 2016 fertig gestellte 400 Quadratmeter große Anbau nicht nur ein piekfeine und bestens ausgestattete Werkstatt, sondern auch eine moderne Dialogannahme. Und außerdem gibt es seitdem jede Menge Platz, zum Beispiel für Kundenmaschinen. Die lagert Witten u. Weber nämlich immer öfter über den Winter ein. „Ein Euro pro Tach“, lautet die simple Antwort auf die Frage: „Wat kost‘ dat?“

Service für alle(s) das ganze Jahr

Ein Herz hat der Betrieb der Webers – Kompagnon Bernd Witten stieg bereits 2006 aus und genießt seitdem seinen Ruhestand – auch für Individualisten unter den Motorradfahrern. Die schickt man beispielsweise in Sachen Umbauten nicht einfach weg, sondern bedient sie in aller Regel kurzerhand selbst: Entsprechendes Werkstattequipment wie eine Drehbank und eine Fräßmaschine machen es möglich, auch ausgefallene Kundenwünsche zu erfüllen.

Und wer statt dem Supersportler ein altes Schätzchen in der Garage stehen hat: Ja, auch dem helfen die serviceorientierten Niedersachsen gerne weiter. Mit Restaurierungen überbrücken sie das, was man einst „Winterflaute“ nannte. Die gibt’s somit nicht mehr. Das ist gut für Kunden und gut für den Betrieb. Denn der braucht sein qualifiziertes Fachpersonal in der kalten Jahreszeit nicht zum Stempeln schicken. Selbstverständlich sind auch „normale“ Arbeiten kein Problem, wenn der Biker bei Eis und Schnee nicht mehr auf den Bock steigt; der hauseigene Hol- und Bringservice macht das schon!

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