Worauf sollte der Veranstalter eines Motorradrennens achten

Die behördlichen Weisungen befolgen reicht nicht aus

| Autor / Redakteur: Wolf-Henning Hammer / Martina Eicher

Recht rund ums Thema motorisiertes Zweirad oder Dreirad.
Recht rund ums Thema motorisiertes Zweirad oder Dreirad. (Bild: Vogel Business Media)

Wer eine Motorradveranstaltung ausrichtet, hat nicht nur den Ablauf zu organisieren sondern ist auch für die Sicherheit der Besucher verantwortlich. Zum Urteil des OLG Oldenburg v. 16.01.2018, Az. 2 U 105/17.

Wer eine Motorradveranstaltung ausrichtet, hat nicht nur den Ablauf an sich zu organisieren. Er ist auch für die Sicherheit der Besucher verantwortlich. Wer sich dabei blind auf die Auflagen oder Vorgaben der Behörden oder die Vorschriften des Rennsportverbandes verlässt, aber keine eigenen Überlegungen anstellt, wird seiner Verantwortung nicht gerecht.

Was war passiert?

Während eines Sandbahnrennens kollidierten zwei Motorräder unmittelbar nach einem Start miteinander. Ein nachfolgender Fahrer konnte nicht mehr ausweichen und fuhr in die am Boden liegenden Bikes. Diese wirkten wie eine Rampe und das Motorrad hob ab. Es flog in Richtung der Zuschauer, über eine zu Sicherungszwecken aufgestellte Betonwand, bevor es sich in einem, vor dem Zuschauerraum zur Absicherung gespannten, Seil verfing. Dabei traf es einen dahinter stehenden Zuschauer am Oberschenkel und verletzte ihn schwer. Nachdem sein Versicherer die Kosten der Heilbehandlung beglichen hatte, wollte er diese beim Veranstalter regressieren.

Der Veranstalter berief sich jedoch darauf, dass er die ihm obliegenden Verkehrssicherungspflichten hinreichend erfüllt hätte und verweigerte die Erstattung der Kosten. Schließlich sei er den Vorgaben der Behörden und den Vorschriften des Rennsportverbandes gefolgt und der Zuschauerraum sei mit einer 1,2 m hohen Betonmauer, einem davor liegenden Luftkissenwall sowie 3 Meter dahinter mit einem Seil abgesichert gewesen. Diese Sicherheitsvorkehrungen hätten im Bereich des Üblichen gelegen.

Das Landgericht Oldenburg sah dies genauso und wies die Klage ab. Zudem vertrat es die Auffassung, dass der Veranstalter nicht mit dem Unglücksfall nicht hätte rechnen müssen. Der klagende Versicherer sah das anders und ging in die Berufung zum OLG Oldenburg.

Absperrungen müssen Zuschauer vor realistischen Gefahren schützen

Das OLG Oldenburg konnte sich der Auffassung der Vorinstanz nicht anschließen. Es räumte zwar ein, dass eine vollkommene und jeden Unfall ausschließende Absicherung gegen jegliche denkbare Gefahr weder erreicht noch verlangt werden kann. Vom Grundsatz her sei sie „auf das Ergreifen solcher Maßnahmen, die nach den Gesamtumständen zumutbar sind, und die ein verständiger und umsichtiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig halten darf, um andere vor Schäden zu bewahren“ beschränkt (BGH, Urteil v. 19.12.1989, Az. VI ZR 182/89). Dabei stiegen allerdings die Sorgfaltsanforderungen parallel zur Eintrittswahrscheinlichkeit der Gefahr. Die Einschätzung dessen, was erforderlich ist, muss der Verantwortliche, d.h. der Veranstalter vornehmen.

Eine Gefahr ist realistisch, wenn Unfälle immer wieder vorkommen können

Nach Auffassung des OLG Oldenburg, war der Unfallverlauf in Anbetracht des von der Klägerin in Bezug genommenen Videomaterials auf Youtube, nicht ungewöhnlich. Auf Youtube sei nicht nur ein nahezu gleichgelagertes Ereignis aus dem vorangegangenen Jahr, sondern unter den Stichworten „Speedwayrennen“ und „Unfälle“ seien auch etliche weitere Videos zu sehen, die belegen würden, „dass Kollisionen mehrerer Motorräder bei Speedwayrennen immer wieder vorkommen können.“

Weiterhin heißt es in dem Urteil: „Bei allem fahrerischen Können und aller Sorgfalt bei der Ausübung des Motorsports sind Unfälle dergestalt, dass Maschinen aufeinander auffahren alles andere als lebensfern. In diesem Zusammenhang hängt es allein von Zufällen ab, ob die Motorräder derart außer Kontrolle geraten, dass eine Katapultwirkung entsteht, die sie eine Betonmauer von 1,2 Metern Höhe sowie einen Sicherheitsabstand von 3 Metern mühelos überqueren und zum lebensgefährlichen Geschoss für Zuschauer werden lassen.“

Wer lediglich behördliche Weisungen befolgt, wird seiner Verantwortung nicht gerecht

Ein Veranstalter darf sich nicht auf die Erfüllung der Vorgaben von Polizei oder andere(n) Verwaltungsbehörden beschränken. Dies gilt selbst dann, wenn diese das Ergebnis von Begehungen und sicherheitstechnischen Überprüfungen sind. Als Verkehrssicherungspflichtiger darf er sich nicht auf die Einschätzung Dritter verlassen, sondern muss eigenverantwortlich herausfinden , „welche Vorkehrungen zu treffen sind, damit niemand einen Schaden erleidet“ Nur so kann er feststellen, ob weitere Sicherungsmaßnahmen notwendig sind und diese erforderlichenfalls vornehmen (vgl. BGH, Urteil v. 07.12.1965, Az. VI ZR 149/64)

Wenn - wie hier - die Errichtung eines motorsportspezifischen, zusätzlichen Fangzauns erforderlich ist, um zu verhindern, dass ausbrechende Motorräder in den Zuschauerraum fliegen, ist ein solcher zu errichten. Finanzielle Erwägungen spielen dabei bestenfalls eine untergeordnete Rolle (vgl. OLG Karlsruhe, Urteil vom 01.08.1985, Az. 4 U 37/84).

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