Suchen

Würden Sie dieses Motorrad privat kaufen?

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 24/2018/II), Folge 604: „Herr Maderner, würden Sie sich dieses Motorrad privat kaufen?!“ fragte mich jüngst...

Firma zum Thema

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...ein Leser, der sich nach Lektüre meiner Reportage über das Elektromotorrad Zero DSR Black Forest so angefixt zeigte, dass er mir meine persönliche Kaufpräferenz entlocken wollte. Die Frage ist interessant und legitim dazu! Bedarf aber vor der finalen Beantwortung einiger fundamentaler Vorbemerkungen.

Als Journalist des Fachmagazins mit angeschlossener (digitaler wie analoger) Community-Plattform »bike und business« habe ich mich u.a. der Aufgabe verschrieben, über meine persönlichen Fahreindrücke beim täglichen Einsatz von Motorrädern zu berichten. Sei es beim daily Ride-to-work, bei der Feierabendrunde kurz vor Sonnenuntergang vor wogenden Weizenfeldern, beim Posen vor der Eisdiele, auf der drögen Autobahn oder während einer erlebnisreichen Wochenendtour. Relevant, ja eigentlich das Salz in der Suppe sind für uns auch jedwede Umweltreaktionen am Biker-Treff, beim Tankstopp, beim Strom zapfen an der Ladesäule oder was die bikenden wie nicht-bikenden Kollegen meinen. Man könnte auch sagen: Evaluation fundamentaler Daten an der Basis.

Unsere Redaktion ist zu dünn besetzt, als dass man von ihr erwarten könnte, das Fahrverhalten des Bikes bis zur letzten Rille auszutesten, es haarklein mit anderen Maschinen zu vergleichen oder einem strengen 360-Grad-Technik-Check zu unterziehen, am besten mit Bewertungsnoten, 1.000-Punkte-Furz-und-Feuerstein-Wertung und Kaufempfehlung Daumen hoch oder Daumen runter. Den Aufwand können und wollen wir nicht betreiben, das können die Kollegen von Motorrad News, 1000 PS, Motorrad oder MO besser.

Authentizität ist Trumpf

Authentizität ist das Stichwort. Das habe ich auch in meinem Zero-Artikel von der ersten bis zur letzten Zeile berücksichtigt. Ich habe den Stromer im Alltagsbetrieb betrachtet und beschrieben: Wie fühlt sich der Elektroantrieb an? Wie ist das Handling des Bikes? Welche Probleme gibt es bei der Betankung des Stromers? Wie lässt sich die Fahrphysik beschreiben? Wie reagiert die Umwelt auf das Motorrad? Was sagen Nachbarn, Kumpel, Freunde, Frau und Kind(er) dazu? Ernten wir neidische Blicke oder bilanzieren wir in der Mehrzahl nur Kopfschütteln? Dabei versuche ich immer, die Brille des Otto-Normal-Motorradfahrers aufzusetzen. Denn neben den wesentlichen technischen Daten aus dem (Online-)Verkaufsprospekt, die der kaufinteressierte Kunde ohnehin auswendig kennt, möchte er viel lieber mehr über die authentischen Erfahrungen und Bewertungen anderer wissen. Feedback fernab der PR- und Marketing-Hochglanzbroschüren der Hersteller. Das ist wie mit der persönlich handgeschriebenen Empfehlungsliste der Buchverkäufer beim Hugendubel! Sie ist dem werbenden Buchklappentext haushoch überlegen.

Mit unserer Berichterstattung über neue Modelle wollen wir den Verkaufsteams im Handel zeigen, dass man mit ehrlichen Einschätzungen zum Modell aus eigener Erfahrung eher punktet und überzeugt, als mit den vorgegebenen Superlativ-Argumenten aus der Schublade der Verkaufsprofis in der Herstellerschulung.

Die Unbestechlichen

Mir ist bewusst, dass der Qualitätsjournalismus bei der »bike und business« und ihrer digitalen Netzwerkaktivitäten immer mehr hochaffine Motorrad-Endverbraucher anzieht. Wir sind tatsächlich zu so etwas wie Branchen-Influencern geworden. Für den Chefredakteur wichtig: Unser Urteil muss dabei – trotz aller Produktplatzierungszwänge und kaufmännischem Druck – unabhängig sein und bleiben.

Nun interessiert Sie bestimmt meine Antwort auf die eingangs gestellte Frage? Hier ist sie: „Die Kaufentscheidung für ein Fahrzeug ist ja immer eine sehr individuelle. Wenn ich Berufspendler wäre und täglich eine größere Strecke pendeln müsste, wäre die Zero sicherlich eine echte Kaufoption. Das Laden zuhause und/oder in der Firma ist äußerst praktisch. Als Zweit- oder Drittmotorrad nur so zum zwischendurch E-Spaß haben, wäre mir die Anschaffung wahrscheinlich zu teuer. Und damit die Zero zum echten Langstreckentourer aufsteigt, fehlt (noch) die Ladeinfrastruktur und man müsste bereit sein, Kompromisse zu machen und die Reiseroute minutiös planen. Doch war die Zero DSR mit ihrer Round-about-200-Kilometer-Range schon ziemlich nah dran an der Fernstreckentauglichkeit.“

Noch Fragen oder Anregungen zum heutigen Speedlog oder über andere aktuelle Brennpunkte der Bike-Zeitgeschichte? Feel free and write me.

(ID:45344955)

Über den Autor