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Yamaha-Debatte: Neuss, wir haben ein Problem!

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Gedanken eines deutschen Yamaha-Vertragshändlers zum (derzeit) schwierigen Verhältnis zwischen dem Hersteller und seinen Partnern.

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In der Marke Yamaha steckt Potenzial. Leider scheint es im Moment irgendwie eingefroren zu sein.
In der Marke Yamaha steckt Potenzial. Leider scheint es im Moment irgendwie eingefroren zu sein.
( Yamaha )

Den Stein ins Rollen brachte Ende Juni der offene Brief von Harald Finkl, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Yamaha-Zweiradhändler in Deutschland, an Yamaha-Vertriebsleiter Ralf Keller. Darin sind zahlreiche Kritikpunkte aufgelistet, die aus Sicht der Händlerschaft belegen, dass in der Zusammenarbeit zwischen den Händlern und dem Importeur Yamaha Motor Deutschland gegenwärtig Sand im Getriebe ist. Seit der Veröffentlichung des Artikels „Yamaha-Händler kritisieren Importeur“ in „bike und business“ ONLINE vom 29. Juni erreichen die Redaktion zahlreiche Mails und Telefonanrufe von ebenfalls besorgten Händlern und Fans der Marke. Trotz Aufforderung der Redaktion, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, hat der Importeur in Neuss bisher noch nicht reagiert. Eine Stimme aus dem Chor der Yamaha-Besorgten wollen wir an dieser Stelle veröffentlichen. Aus Angst vor persönlichen Nachteilen will er dies allerdings anonym tun. Der Name des Händlers ist der Redaktion bekannt.

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Der Brief des Händlers

„Es ist schon bedauerlich, wenn solche Themen nun in der Öffentlichkeit besprochen werden müssen. Gleichwohl scheint es derzeit keine bessere Möglichkeit zu geben, um die Yamaha-Geschäftsleitung in ihrem Dornröschenschloss zu erreichen. Die Probleme der Händler sind existenzbedrohend und führen zu Demotivation und Resignation!

Vor nicht allzu langer Zeit wurde man als Yamaha-Händler noch neidisch betrachtet: Das sind doch die, mit dem tollen Modellprogramm, guter Zusammenarbeit mit dem Importeur und stabilen Margen. Heute wird man mitleidig betrachtet, denn die Ignoranz der Geschäftsleitung gegenüber der Händlerschaft ist offenkundig.

Was der Handel braucht sind Perspektiven, nicht nur für die nächste Saison, sondern für die Zukunft. Hier gehört ein Fünf-Jahresplan auf den Tisch, damit der Händler sich entsprechend vorbereiten kann. Wie stellt sich Yamaha den Motorradhändler 2015 vor?

Um derzeit japanische Fahrzeuge auf dem Markt verkaufen zu können, muss der Preis deutlich unter den europäischen Mitbewerbern liegen, oder die Fahrzeuge müssen mit Innovationen glänzen, die es woanders nicht gibt. Derzeit haben wir keine dieser zwei Verkaufsagumente.

Motorräder müssen mit Herz und Liebe gebaut und verkauft werden! Seit die Geschäftsleitung den Gasgriff mit dem Rechenschieber getauscht hat, ist der Bezug zum realen Markt verloren. Mit Rechenkunststücken wird dem Handel die Nummer eins in der Zulassungsstatistik vorgelogen. Dabei sind die Händler doch am Puls des Marktes und sehen jeden Tag, was geht. Fakt ist doch: Das was wir zum Kauf anbieten, steht derzeit beim Kunden nicht hoch im Kurs! Trotzdem setzten sich Händler unter Selbstaufopferung und unter Einsatz ihres Privatvermögens für ihr Geschäft ein. Bei Yamaha bleibt dieses Potenzial derzeit ungenutzt und wird im Gegenteil noch zerstört. Viele Vertragshändler wurden gekündigt, obwohl dort noch der Einsatzwillen für die Marke vorhanden war. Die „Yamaha-Familie“ ist zerschlagen. Viele langjährige „Exclusiv-Händler“, die ausschließlich die Yamaha-Brille getragen haben, sind mittlerweile Händler anderer Marken, oder beschränken sich aufs Werkstattgeschäft. Dies wird in Neuss nicht bemerkt.

Selbstverständlich muss gerechnet und Geld verdient werden. Es darf jedoch nicht vergessen werden, wer die Kunden bedient und die Fahrzeuge verkauft. Ein besseres Beispiel ist hier Harley-Davidson. Parallel zum gescheiten Management wurde hier der Kult fürs Bike weiter gepflegt und hoch gehalten. Die Fahrzeuge werden gekauft und das nicht wegen des billigen Preises. Wenn der Handel endlich mal konsequent anfangen würde, betriebswirtschaftlich zu rechnen, wäre der Gewinn für alle Beteiligten immens. Statt dessen werden Einkaufsvorteile mit Zuschlag an den Endverbraucher weitergegeben, aus Angst, dass ein Fahrzeug stehen bleibt. Lässt sich ein Ladenhüter wie TDM 900 besser verkaufen, nur weil er 2.000 Euro billiger ist? Ich behaupte nein.

Innovation bedeutet nicht, einen Elektroroller auf den Markt zu bringen, der eine Reichweite von 50 km und eine Leistung von einem kw mitbringt. Das reißt noch nicht mal einen „Grünen Super-Ökö“ vom Hocker. Das Yamaha Regal ist voller toller Komponenten, um charaktervolle Fahrzeuge zu bauen. Es kann doch z.B. nicht so schwer sein, den kräftigen klangvollen Motor der R1 in ein FZ1 Fahrwerk einzupassen. Wenn wir auf einen neuen Tourer genauso lange wie auf die neue XT 1200 Tenere warten müssen, sehe ich schwarz.

Wie es weiter gehen könnte, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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