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Yamaha-Händler: Wer hat Angst vor Euro 4?

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Mit der Einführung der Euro-4-Norm 2017 stehen viele Händler vor der Herausforderung, den potenziellen Wertverlust ihrer Bestandsfahrzeuge zu stoppen. Einige Yamaha-Händler ärgern sich, weil ihnen der Importeur offenbar die bislang übliche Bezuschussung von Bestandsfahrzeugen gestrichen habe. Was ist dran?

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Einige Yamaha-Händler gehen mit der Vorgehensweise des Importeurs bei der Euro-4-Problematik nicht konform. (Bild: Yamaha)
Einige Yamaha-Händler gehen mit der Vorgehensweise des Importeurs bei der Euro-4-Problematik nicht konform. (Bild: Yamaha)
(Bild: Yamaha)

Yamaha Motor Deutschland hat in einem Händler-Rundschreiben vom 22. September die Euro-4-Problematik in den Köpfen seiner Partner wachgerufen. Gegenüber "bike und business" äußern zwei Händler ihre Ängste: "Nach unseren Infos erfüllen gegenwärtig nur insgesamt sieben Yamaha-Modelle (inklusive der leistungsreduzierten Varianten) die geforderte gesetzliche Abgasnorm. Darunter sind die FJR 1300 A, die MT-10, die XSR 900, die XSR 700 und die Tracer 700. Alle anderen Yamaha-Bikemodelle, darunter auch die in den vergangenen Jahren durchaus als Verkaufsschlager zu bezeichnenden MT-09, MT-07 oder MT-03 sollen als Händler- oder Tageszulassung in den Restbestand gehen", so der Händler. "Wir vermuten, dass der für die Euro-4-Norm erforderliche Diagnosestecker noch fehlt und man zudem ja auch ab 2017 alle Fahrzeuge mit ABS ausrüsten müsse, was bislang noch nicht gelungen ist", so der Yamaha-Händler weiter. Knackpunkt sei aber, dass der Importeur seine Händler nicht mehr bezuschusse, wie das in der Vergangenheit immer der Fall gewesen sei bei solchen Aktionen.

Als „Wichtig“ rubriziert und in der Farbe Rot hervorgehoben sei laut Angaben der beiden Händler folgender Passus im Händleranschreiben: „Sie sind als Händler und selbstständiger Unternehmer für ihren Bestand selbst verantwortlich. Yamaha übernimmt sowohl für die Promotionsmodelle als auch die sonstigen Euro-3-Modelle keinerlei Unterstützung.“

Früher sei Yamaha ein fairer Partner gewesen, mit dem Schreiben unterlaufe Neuss die gute Vertrauensbasis, signalisierte ein Händler gegenüber »bike und business« Viele Händler fürchten nun, ihren gesamten Restbestand mit Verlusten veräußern zu müssen. „Die Jahreszielvorgaben für 2017 sind so definitiv nicht zu schaffen, das wissen wir jetzt schon“, beschwert sich ein anderer Händler.

Wir haben Yamaha Motor Deutschland mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Es antwortet Country Manager Jörg Breitenfeld: "Grundsätzlich ergibt sich aus unserer Sicht überhaupt keine ,Brisanz' bei diesem Thema. Wir haben schon ab März 2016 damit begonnen, unsere Händler auf dieses Thema hinzuweisen. Eine langfristige und gezielte Planung hat uns heute in die sehr glückliche Situation gebracht, dass wir nur noch eine sehr überschaubare Menge an EU3-Fahrzeugen im Handel haben. Die im Artikel implizierte Vermutung, dass Volumenmodelle wie MT-09 oder MT-07 zu Beginn des Jahres keine EU4-Homologation haben werden sind leider (oder glücklicherweise) schlichtweg falsch. Natürlich liefern wir diese Modelle ab Dezember 2016 EU4-konform aus.

Unser Händler-Rundschreiben betraf lediglich die Einheiten, die sich als EU3-Homologationen aktuell noch im Händlerbestand befinden, und das sind extrem wenige. Für diese Einheiten, und nur für diese, sehen wir den Handel selber in der Verantwortung. Professionell agierende Händler haben das im Blick, weniger professionell arbeitende anscheinend aber leider nicht. Wir haben den Handel auch darüber informiert, dass wir für fast alle Modelle die wir im vierten Quartal ausliefern, und die noch EU3-homologiert sind, automatisch von uns aus (und auf unsere Kosten) eine Ausnahmegenehmigung beantragen werden. Die von uns genannte Eigenverantwortung betrifft also nur Fahrzeuge die sich schon jetzt im Handel befinden und bei denen der Handel es nicht geschafft hat, diese zu verkaufen. Aber selbst hierfür haben wir in den letzten Monaten ein Sonderprogramm aufgelegt und bei vielen Modellen dem Handels Zulassungsprämien und weitere Promotions angeboten. Jeder, aber auch jeder, hatte die Möglichkeit seinen vorhandenen Bestand sinnvoll und attraktiv anzubieten und seinen Laden EU3-konform zu bereinigen.

Wie es aber immer wieder ist, 98 Prozent der Händler haben es verstanden und gemacht, zwei Prozent leider nicht. Für diese Händler war unser letztes Rundschreiben gedacht, um eine letzte Sensibilisierung zu erreichen. Wir denken, Yamaha ist sehr fair mit dem Thema umgegangen und wir haben dafür eine Menge Geld in die Hand genommen. Einen Diskussionsbedarf auf unserem Händlerabend sehen wir, und die allermeisten unserer professionell arbeitenden Händler, zu dem Thema nicht."

Soweit der O-Ton von Jörg Breitenfeld. Am heutigen Dienstag Abend, den 4. Oktober, findet um 19 Uhr auf dem Intermot-Stand von Yamaha in Köln das Händlermeeting statt. Die Dealer sollten ihre Chance nutzen, die letzten noch offenen Fragen zur Euro-4-Problematik direkt vor Ort zu klären.

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